§ 7. Summa Theologiae. 57
Symbolik gekleidet und gerade die typologische Auslegung verdunkelt oftden Sinn. Die Ausdrucksweise ist ganz geistlich, es finden sich keineErinnerungen an den epischen Stil wie im Ezzolied (außer der Formelsagin unde slngin in den eingeschobenen Versen 3,9 f.), denn die sonstigenzwei- oder mehrgliedrigen Wendungen sind durch den geistlichen Inhaltveranlaßt. 1 ) Desgleichen sind die Alliterationen nicht als dichterischer'Schmuck beabsichtigt, sondern sie sind ein zufälliges Ergebnis des zu ver-wendenden Sprachstoffes. Flickverse und Flickreime finden sich kaum, dochsind die Dreireime 9, 3. 4. 5 und 10, 3. 4. 5 nur Verlegenheitsmittel, weil derDichter mit zwei Reimzeilen hier nicht auskam. Wortwiederholungen, diebei Ezzo so häufig sind, gehören nicht zum Stil des Gedichtes, auch kommenlat. Einschiebsel und Zitate nicht vor. Der Plural, für die gesamte Menschheitgebraucht, gehört notwendig zum geistlichen Stil. Als eine stilistischeSonderheit mag noch die Umschreibung der heiligen Person durch einenRelativsatz angeführt sein wie Der dir ist beidu got und mennischi 28, 1 =Christus, ferner 7, 1. 24,5. Der Satzbau ist reicher gegliedert als imEzzolied, die Hypotaxe ist weiter ausgebildet (vgl. 4, 9—12. Str. 11. Str. 17.20,1—4. 29,3—6). Parallelaufzählungen enthalten 1,5—8. Str. 9. Str. 10.Str. 25. Bemerkenswert sind die undeutschen Partizipialkonstruktionen: Part,präs. mit sein: sü ist . . du dinc richtinti usw. 1, 5—8, 2 ) sint woninti 2, 6,ferner 8, 8. 9, 13. 19, 4. 21, 7 f. 26, 8. 31, 6; Part. prät. sini Mrschaf gigebinime durch guot 5,5; deutlich nachgeahmt einem lat. Text sind auch diesubstantivierten Partizipia mit den vligintin, suimmintin unde cresintin9, 10 f. statt mit den vogilin. fischin unde wurmin und besonders auchin der Wortstellung mit den volginti imo ginözzin 5, 10. 3 )
Metrik. In der Hs. sind 25 lOzeilige Strophen abgeteilt: 1. 2. 3. 5. 7. 8.12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. 31, dazukommen 3 Strophen 11. 12 b . 23, in denen in der Hs. Zeilen fehlen, dieaber höchstwahrscheinlich auch als lOzeilige zu rechnen sind; ergibt alsozusammen 28 lOzeilige Strophen. 12 Zeilen haben Str. 4 und 6, 11 Zeilenhat Str. 10 und 13 Zeilen hat Str. 9. Da Strophen von ungleicher Längefür die strophischen Dichtungen der frühmhd. Zeit zuzugeben sind, so istkein Grund vorhanden, an der Zeilenzahl irgendeiner Strophe zu ändern,zumal der Inhalt dazu keine Veranlassung gibt. 4 ) Der Sinnschluß fällt njitdem Versschluß zusammen und zwar bilden meist ein, oft auch zwei Reim-paare eine in sich geschlossene Gedankenreihe. Der Rhythmus ist recht
') Sonst wiederkehrende Ausdruckes, außer II 3 , 205 f.
in MSD. bei v. D. Leyen, Kl. Beitr. S. 54—56. j 4 ) Die beiden Schlußzeilen von Str. £
2 ) Die partizipialen Umschreibungen ent- I können unecht, jedoch an Stelle zweier anderersprechen dem possidendo, sustinendo, com- | echten getreten sein. — Müllenhoff tilgt inplectendo, implendo des Hymnus Alpha et Q ' Str. 9 zwei Zeilen, so daß sie statt der hand-(MSD. II«, 202; Kelle 2,336; Mone, Hymnen ! schriftlichen 13 Zeilen nur 11 enthält. SchadeBd. 1 S. 14). und Konr. Hofmann stellen 32 lOzeilige
3 ) Falls nicht die Hs. ursprüngliches imo i Strophen her.volginti fehlerhaft umgestellt hat, vgl. MSD. [