§ 7. Summa Theologiae. 53
geistige Menschheitsgeschichte, die gesamte Heilslehre, vom anegenge biszur urlöse, in den bedeutungsvollsten Hauptzügen in Versen der Volksspracheverkündet; und hier ist zuerst diese Erlösungstat als ein Sieg des Lichtesüber die Finsternis, des Gottessohnes über den Teufel dargestellt. Wie großeBedeutung dem Gedichte schon von seinen Zeitgenossen beigelegt wurde,ersehen wir aus der Einleitungsstrophe der Vor. Hs. und aus dem Berichtder Vita Altmanni, seinen starken Einfluß auf die folgenden Jahrzehnte zeigendie vielen Anklänge, die in Gedichten bis tief hinein in das 12. Jh., bes.bei der Ava, in der Vor. Genesis, der Summa Theologiae, der Wahrheit,zu finden sind. 1 ) So steht am Eingang dieser neuen Literaturperiode eineihrer hervorragendsten Schöpfungen. Nirgends ist die geistige Idee des Er-lösungswerkes so tief erfaßt und in so erhabenen Worten ausgesprochen.
§ 7. Summa Theologiae.
Kelle 2,135—141.336—342; Piper, GD. 1, 65—75.—Ausg.: Diemer, D. Ged. S. 91—103(„Die Schöpfung"), Anm. S. 32—43 u. Einl. S. XLI und LH—LVI (Übersetzung), Faksimileder ersten Strophe (vor dem Titelblatt); dazu Kollation von Piper, ZfdPh. 20, 481; MSDNr. 34 u. II 8 , 202—223; Waag, Kl. d. Ged. 2 S. 16—27 u. Einl. S. XIX—XXIV. — Diemer,Kl. Beitr. XXIV, Wiener SB. 55 (1867), 285—295; Schade, Decas S. 36—39; Konr. Hofmann,Münchener SB. 1870, II, 183—196, 1871, I, 318—328; Scherer, QF. 7, 54—56. 12, 33 f.;John Meier, Beitr. 16,94; Kraus, ZföG. 45 (1894), 134 f.; Wunderlich, ZfdPh. 26, 113;v. D. Leyen, Kl. Beitr. S. 40—56.
Hss.: A. Vor. Hs. Bl. 97»—98c, von einer Hand des 13./14. Jhs. ist die Überschrift Desancta trinitate mit sehr kleinen Buchstaben unmittelbar über dem Anfang nachgetragen(Diemer, Wiener SB. aaO. S. 291), die sich aber nur auf den Inhalt der beiden ersten Strophenbezieht. Der Text hat ziemlich viele zweifelhafte Stellen durch Verschreibung von Wörternund Auslassung von Wörtern oder ganzen Zeilen (Zeilen fehlen sicher in Str. 12 b und 23und sehr wahrscheinlich in Str. II). 2 )
B. Die Hs. des Germ. Museums in Nürnberg 1966, perg. kl. fol., 12. Jh., enthält auf dersonst unbeschriebenen Rückseite des letzten Blattes, 122 b , die Str. 27 unseres Gedichtes(MSD. II 3 , 135 f.). Die Strophe ist zuerst herausgegeben von Massmann in v. D. HagensGermania 10(1853), 185, dann im Anz. f. Kunde d. d. Vorz., NF. 2 (1855), 80, und von Bartsch,Germ. 7, 267 f. Der Text ist fehlerhafter als der in der Vor. Hs. — In der SuetonhandschriftCod. Gudianus 268, 11. Jh., der Wolfenbüttler Bibl. stehen auf Bl. 172 u. 173 am oberen undam rechten Seitenrand die 6 ersten Zeilen des Gedichtes, ebenfalls von einer Hand des12. Jhs. (?), Max Ihm, Beitr. 26, 312. Das erste Wort, vor der ersten Zeile, ist probatio, derEingang war also eine Schriftprobe.
Der ursprüngliche Dialekt ist rheinfrk., 3 ) ist aber stark mit baierischenFormen des Schreibers der Vor. Hs. (bezw. seiner Österreich. Vorlage) ge-mischt. 4 ) Die Heimat des Gedichtes ist also, zufolge der Sprache in der
') Viele dieser Gleichungen sind gewiß i Zusammenhang, sie scheint aber doch vonnicht unmittelbar dem Ezzoliede entnommen, ! dem ursprünglichen Verfasser herzurühren,
sondern Gemeingut der geistlichen Sprachegewesen, bei nicht wenigen läßt sich aberdoch unmittelbare Entlehnung mit ziemlicherSicherheit nachweisen.
2 ) In MSD. sind verschiedene Stellen alsInterpolationen ausgeschieden (s.MSD.H 3 ,219;Waag S. XX), aber sie sind (außer keysir
ist also vielleicht ein späterer Nachtrag. Da-gegen fällt das Verspaar 3, 9 f. ganz aus demInhalt und dem Stil heraus und ist offenbarunecht.
3 ) Dialekt und Orthographie: MSD. II 3 , anverschiedenen Stellen von S. 202 ff. an, bes.S. 217 f. 249; Waag, Beitr. 11, 109—119.
in 3, 5) nicht mit Sicherheit als unecht nach- i 4 ) Die beiden Bruchstücke B und C sindzuweisen. Die Str. 12 b stört allerdings den <■ nicht sicher zu lokalisieren. B hat anl. bair.