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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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50 A. Geistliche Literatur, b) Das Dogma.

ständen, wo es sich um Gott und das Heil der Menschen handelt, sollPracht und Glanz entfaltet werden. Und wo sollten die stilistischen undmusikalischen Ausdrucksmittel weihevoller und wirksamer verwendet werdenkönnen als in dem Weltgeschichtsdrama, das von so starkem Stimmungs-wechsel bewegt ist, vom tiefsten Jammer der der Hölle verfallenen Mensch-heit an bis zum jauchzenden Glück der Erlösten, von der hoffnungsreichenFreude über die Geburt des Heilands bis zum schmerzvollen Mitleid mitseiner Todespein?

Der Dichter steht auf dem Boden der geistlichen Beredsamkeit, derPredigt. 1 ) Dieser Zusammenhang zeigt sich vor allem im Stil der Sprache..Er ist traditionell, die gleichen Gedanken und Bilder kehren ständigwieder, wir kennen sie a*us den lat. Predigten und Abhandlungen, besonders-aus Honorius Augustodunensis, sie sind großenteils gewiß schon in derdeutschen geistlichen Literatur vorEzzo geläufig gewesen. 2 ) Die weitgehendsteÜbereinstimmung zwischen dem Ezzolied und den geistesverwandten deutschenDenkmälern der Zeit zeigt die Sammlung von Wendungen in den Anmer-kungen von MSD II 3, 169 ff. und besonders S. 183 f.»)

Die Sprachmittel sind einfach. Die großen Gedanken sind in knappeWorte gefaßt. Der Dichter scheut, obgleich sein Wortschatz nicht geringist, doch Wiederholungen nicht:

anegenge 3,2. 3. 11; gescuofe 3,9. 4,1.3; lieht 7,2. 3; lert 7,5. 9. 16,3. 7; irscein8,1. 9,4. 10; sunne 9, 6. 7; muoter 10, 7. 9; sanch-sungen 11, 5. 8; wuohs 13,2. 5; machöter 14,4. 8; gab er den Hb 14, 5. 20, 8; triwe 16, 4. 5; erda 18,3. 4; stuonten äz, irstuonten18, 8. 10. 12. 20,6; magenchraft 19, 2. 20, 11. 21,7; nam 1.9,4. 11; grabe 20,4. 6; lamp:gedanc 22, 3 f. 23, 5 f.; slahen 23,2. 3. 5. 10; lamb 23,5. 7; daz osterlamp 24.5. 25,3;alterbelant, lant 25, 6. 7. 26, 6. 12; este 27, 5. 7; loben 30, 2. 3. Besonders liebt er gleiche-Versanfänge und Versschlüsse (MSD II 3 , 177).

Einen Anklang an die alte epische Sprache geben die Alliterationen, 4 )wie ligentes unte lebentes 3, 8; in Worten unt in werchen 3, 12. 16, 8, ferner4,12. 6, 5. 6,5 f. 6, 8. 6, 10. 8, 5. 8, 7. (8, 8). 8, 10. 9,1 f. 10,4. 10, 7. 10, 9..11, 4. 11, 5. 12, 12. 14, 4. 15, 5. 17, 1. 17,9. 21,7. 21,8. 21,10. 24, 9 L25, 9 f. 26, 8. 27, 9. 28, 6. 29,11. Eigentliche Formeln, wie Berufungenauf die Quelle, Anrede an die Zuhörer, werden in dem Liede nicht ver-wendet, denn es dient nicht wie die Predigt zu unmittelbarer Ansprachean das Publikum. Flickverse sind selten (10, 8. 12,10), als Flickreim wort istnur gote lop 17,10. 29,12 anzusprechen. Die Würde der Sprache wird er-höht durch die lat. Verse und Worte, die im Innern oder auch am Anfang,der Strophen in den deutschen Text eingestreut sind wie oft in der deutschenDichtung dieser Zeit. Zitate aus der Bibel, aus kirchlichen Autoren oder aus.

Müllenhoff, MSD. II 3 , 187 f.; Scherer, | 3 ) Siehe auch Diemer, D. Ged. Anm. S. 77"

QF. 12, 26; Schröder, Anegenge S. 69; v.D. Leyen, Kl. Beitr. S. 12; dagegen Kelle,LG. 2, 21.

2 ) Gewiß sind einige dieser traditionellenWendungen .von Ezzo als erstem aus demLateinischen ins Deutsche umgeprägt worden.

-82; Scherer, QF. 1 u. 7 an verschiedeneaStellen; Roediger, Anz. 1,65 ff.; Schröder,.Anegenge S. 72 f.; John Meier, Beitr. 16,73 f.;.Mettin, Diss. S.3f.; Kraus, D.Ged. Reg..S. 275; v. d. Leyen, Kl. Beitr. S. 28 ff.

4 ) B. Q. Morgan, Beitr. 38, 347.