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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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§ 6. Ezzos Gesang.

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Das Erlösungswerk Christi findet seine sieghafte Entscheidung durch denTod am Kreuz, das Kreuz ist das Symbol des Heils. Darum wird in Liedern,die den Preis des Kreuzes singen, 1 ) auch die Heilsgeschichte mit ein-verwoben, wie in des Venantius Fortunatus (f um 600) PassionshymnusPange lingua, wie in dem Planctus Bonaventurae de Christo 2 ) oder in demtropariumNunc crucis alma cantet gaudia" 3 ) oder in dem Nocturnenhymusde PaschaRex aeterne Domine". 4 ) Walther von der Vogelweide erzählt inseinem ersten Kreuzlied die Geschichte Jesu von der Geburt bis zum jüngstenGericht, bei ihm wie bei Ezzo ist das heilige Land unser Erbe (Lachm.16,30) und, spiritualistisch, der Anfang und Abschluß unseres Seins 16,2628 wie bei Ezzo 30, 13 f.; im zweiten Kreuzlied Walthers wird Gottim Eingang als daz anbeginne (anegenge) angerufen (Lachm. 76, 24). 6 )Hrabanus Maurus aber hat in seinem eben erwähnten pedantisch ge-künstelten und mühsam zusammengearbeiteten Werk De laudibus S. Crucisüberhaupt die Summe des gesamten theologischen Wissens angehäuft unterder Symbolik der Kreuzesform. 6 ) Ein deutscher Kreuzeshymnus also istEzzos Gedicht. Auch die Umrahmung im Eingang und Schluß hat ihreEntsprechung in der Hymnendichtung: Preis des Lichts ist das herrschendeMotiv in den Morgenhymnen 7 ) (hymni matutini, Laudeshymnen), ganz zudieser Tageszeit passend, da das Licht die Finsternis durchbricht. Ein üblicherHymnenschluß aber ist der Preis der Trinität, 8 ) so auch in der letztenStrophe, mit der der Gesang in die Klänge eines Lobgebetes ausströmt.

Stil des Inhalts. Der größte Teil des Inhalts entfaltet sich episch. Da-zwischen fügen sich symbolisch-erklärende Stellen ein, manchmal erhebensich die Gedanken in dramatischer Lebendigkeit, in Anrufungen und Preis-gebeten (2, 14. Str. 27, 1 f. u. 29,1 f. Str. 28). Die Erzählung schreitet ineinfacher Ausdrucksweise ungehemmt vofwätts^Jbei den stärker interessieren-den Teilen wird länger verweilt. Die Ereignisse werden jedoch nicht lediglichobjektiv berichtet, sondern Dichter, Publikum und Menschheit werden miteinbezogen, sie handeln mit oder werden mit betroffen, denn sie sind jaGlieder der Erlösungsgeschichte. Es kommt also außer der dritten Personauch häufig die erste des Plural zur Anwendung (wir, uns, unser), wie imbelehrenden und betrachtenden Stil der geistlichen Literatur, besonders inder Predigt. 9 )

Der sprachliche Ausdruck ist feierlich, ohne starke Erregung, doch

poetisch gehoben, wie es dem Inhalt geziemt; denn bei höheren Gegen-

rerum conditor (600Verse,Mignell2, 16091621) ist ebenfalls eine christliche Welt-geschichte, von der Schöpfung der Engelbis zum jüngsten Gericht, aber nicht mitder ausgesprochenen Richtung auf das Kreuz.

7 ) Thalhofer 2 2, 592.

e ) Ebda S. 553.

9 ) ZfdWortforsch. 2, 125 ff.; dergeistlicheUniversalplural" gehört zur Kirchenspracheund bedeutet die Menschen (alle).

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') Ueber Kreuzesdichtung im MA. s. OttoZöckler, Das Kreuz Christi S. 221244 u.456-475.

2 ) Mone, Hymnen 1 S. 150.

3 ) Ebda S. 147.

4 ) Dreves, Analecta Hymnica II S. 47.

5 ) Ezzo und Walther: Wilmanns, LebenWalthers, 1. Aufl. S. 138. Ezzos Lied istdas erste Kreuzgedicht.

6 ) Sein umfangreiches Gedicht Aeterne

Deutsche Literaturgeschichte. II.