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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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A. Geistliche Literatur, b) Das Dogma.

den Bereich des Wunders: die Wirkung des Gedichtes war es, die erst dieStiftsherren bestimmte, die strenge Regel anzunehmen.

Heimat des Gedichtes und Zeit der Abfassung. Nachdem die histo-rischen Anzeichen erweisen, daß der Bamberger Mönch Ezzo der Verfasserwar und das Lied auf der Kreuzfahrt 1064/65 gesungen wurde, ergibt sichals seine Heimat Bamberg und als Abfassungszeit etwa das Jahr 1060/ |

Inhalt. [Str. I, Vor. Hs., historischer Vorbericht]. Str. 1 Einleitung, Inhaltsangabe: dasGedicht handelt von dem Anfang der Dinge und von der ganzen Menschheitsgeschichte.Teil I, Str. 28 Das alte Testament, a) Str. 2-4 Die Gottheit: Str. 2 der präexistenteChristus das Licht, das Wort. Str. 3. 4 Gott der Ursprung der Dinge, daz anegenge, derSchöpfer, b) Str. 58 Die Menschheit: Str. 5 der Sündenfall. Str. 68 die Menschheit inder Finsternis; die Sterne, der Morgenstern. Teil II, Str. 929 Das neue Testament,a) Str. 921 die Geschichte Christi des Erlösers, b) Str. 2226 Symbolik zum Erlösungs-werk, c) Str. 2729 das Kreuz. Teil III, Str. 30 Schluß, Preis der Trinität.

Das Lied umfaßt das Weltgeschehen vom Anfang bis zum Abschluß.Weltgeschichte in christlichem Sinn ist Erlösungsgeschichte. 1 ) Es ist dasErlösungswerk Christi: von Anbeginn ist der Gottessohn' der Menschheitzur Gnade bestimmt (Str. 2. 8) und am Ende der Zeiten wird er uns alshimmlischer König zu sich in sein Reich führen (Str. 28, 9 f.). Als Grund-motiv wiederholen sich die Gegensätze von Finsternis und Licht, Verban-nung und Heimkehr, Kampf und Sieg. Über allem aber schwebt die Licht-gestalt des Erlösers mit dem Siegeszeichen des Kreuzes.

Christus ist als historische Persönlichkeit dargestellt. In den verschiedenenEntwicklungsstadien tritt dieser geschichtliche Christus in speziellen Er-scheinungsformen auf: vor der Menschwerdung als das Licht, das Wort, derpräexistente Gott, während des Lebens als der Heiland der Evangelien,nach seiner Erhöhung durch den Tod als Herr des Himmels, der Erde undder Hölle. Für die Menschen ist er einmal der Sündentilger (13) und ein-mal der Mittler (Versöhner) mit Gott (11). Die Menschwerdung ist ein vor-bestimmter Akt der Gnade (2), die Gegensätze zwischen Sünde und Gnade,Dienst und Lohn sind nicht ausgesprochen. Der wesenbestimmende Zugdieses Christusbildes aber ist der Erlöser als Besieger des Teufels, unddas ist die herrschende Vorstellung in der frühmhd. Literatur, überhaupt inder romanischen Stilperiode, wie sie denn auch in der kirchlichen Plastikder Zeit ein sehr beliebtes Motiv bildet und mit vielen der symbolischenTiergestalten des Physiologus (s. unten) verbunden ist. Die Überwindungdes Teufels geschieht durch das Kreuz und zwar in der hauptsächlichdurch Gregor den Großen vertretenen, der Würde des Gedankens nicht

1108). Indessen paßt Ezzos Thema, die Heils-geschichte, für jede kirchliche Gelegenheit,wie denn auch des Prudentius Hymnus Dapuer plectrum omni hora, d. h. für den Vor-trag zu jeder Höre, verfaßt ist.

*)Und da nun die Erlösung des sündigenMenschen nach christlicher Anschauung deneinzigen Sinn und Wertinhalt der Welt-

geschichte und damit der gesamten außer-göttlichen Wirklichkeit ausmacht, so erscheintdie planvolle Reihenfolge der Offen-barungstaten Gottes als das Wesentlichein dem ganzen Ablauf der Weltbegeben-heiten", Windelband, Lehrbuch der Gesch.der Philosophie, 4. Aufl. S. 216.