§ 6. Ezzos Gesang.
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Ezzo hat also das Lied auf Veranlassung des Bischofs Güntherin Bamberg gedichtet, unter Beiziehung der Vita Altmanni erfahren wir,daß es auf der Kreuzfahrt von 1064/65 gesungen wurde. 1 ) Und fürein Kreuzzugslied war ja der Inhalt wohl geeignet, besonders von Strophe 17an, zumal in Str. 27—29.
Der Grund der Abfassung des Gedichtes ist in der Vor. Eingangs-strophe nicht angegeben, wohl aber die Wirkung: duo Uten sl sich allemunechan. Es sind die phaphen Günthers von Bamberg gemeint, alsoStiftsherren, nicht Klosterbrüder, Kanoniker des Domstifts St. Stephan oderdes von ihm gegründeten Stiftes St. Gangolph; Sie nahmen mönchischesLeben an, d. h. die strenge Ordnung gemeinsamen Lebens der reguliertenChorherren, sie wurden aus canonici saeculares zu canonici reguläres. ZurFeier dieser Reformierung ließ der Bischof das Lied von Ezzo dichten, vonWille komponieren. 2 ) Der Verfasser der Vor. Strophe zieht den Vorgang in
Diemer, Wiener SB. 52, 430. 55, 278—280; IMSD. II 3 , 182; KEtlE 2, 20. 249). Wundersind Zeichen, sind eine Wahrheit, die der ge-wohnten Anschauung neu, der Vernunft abernicht entgegengesetzt ist (Augustinus, De civ.• Dei XXII, 7, auch XXI, 5-8; das Wunder ist einbei Aug. sehr häufig vorkommendes Thema,s. Miraculum im Register bei Migne 46, 438 f.).Sie sind geschehen, um Zeugnis zu gebenfür jenes eine große Heilswunder, welchemzufolge Christus mit dem Fleische, in welchemer auferstand, gen Himmel gefahren ist' (Deciv. Dei XXII, 8). Ein streng durchgeführterUnterschied zwischen miracula und dogmata,Glaubenssätzen, besteht nicht. Welt- undMenschenschöpfung sind Dogmen (Kelle,aaO), aber die Dogmata der Auferstehungund der Himmelfahrt sind doch als wunder-bare Ereignisse anerkannt (Passionis miraculaim Breviarium), die Geburt des von Ewigkeitgewesenen, eingeborenen Gottessohnes warimmer ein Wunder im Sinne von Miraculum(Ezzo 11,1, MSD. 10,11 f.; Otfr. 1, 17,1 ff. II, 3,5ff.; Walthers Leich5, 30ff., sein Kreuzlied 15,9,12; auch der Kreuzestod ein wunterOth.V, 1,10, vgl. auch V, 8, 47. 54; Walther 15, 25 f.).Miracula sind also die großen Offenbarungs-taten Gottes und Christi, z. B. Prudentius inseinem Hymnus Omni Hora 3, 1 [= gestaChristi insigniaStr. 1,2], Mone, Hymnen 1,77Str. 1; Summa Theol. 3, 1. In engerem Sinnemiracula sind die Wunder Jesu, die er beiseinem Wandel unter dem Volk Israel voll-brachte. — Um das Wunderbare auch in denals Glaubenssätze geltenden Ereignissen desWeltgeschehens zu bezeichnen, wird dasWort mirabilia gebraucht, das also einenerhabeneren Sinn hat als miracula; Gott istder (ad)mirabilis Deus, der wunderliche Got,ipse mirabilis solus mirabilia fecit (Christus),Hrabanus Maur., De laud. S. Crucis II, 8,Migne 107, 273 A. Es sind die unergründ-lich hohen Werke.
') Diemer, Wiener SB. 55, 271 ff., bes. 319,Hoffmann v. Fallersleben aaO., Wacker-nagel, LG. Bd. 1, 1. Aufl. S. 86, 2. Aufl.S. 110 u. Kelle (s. auch K. Hofmann,aaO. S. 293 ff.) nehmen zwei verschiedeneGedichte an, das in der Vor. Str. 1 gemeinteund die Cantilena de miraculis Christi derVita Altmanni (nach Diemer wäre die Can-tilena unser Ezzolied, das von Günther ver-anlaßte Gedicht der Vor. Str. 1 wäre identischmit der Summa Theol.). — In der Litgesch.trägt dasGedichtverschiedeneNamen:DiEMER,D.Ged.S.XLVIIf.LVII.317ff.'dievierEvange-lien', aber Wiener SB. 52, 193. 427. 430. 55,271 'Ezzo's Lied von dem (rechten) Anegenge';Wackernagel aaO. 'von dem Anegenge',LB. 5 S. 325 'Rede von dem Anegenge' (dieCantilena hält er für das eigentliche Ezzoliedund nennt sie 'Ezzos Lied von den WundernChristi' LG. 1 aaO.); W. Grimm, ZGdR., Kl.Sehr. 4, 163. 231. 312: 'das ältere (alte) Ane-genge'; MSD aaO.: 'Ezzos Gesang von denWundern Christi', ebenso Wilmannsu. Kelle,Wiener SB. 129 (LG. 2, 8: Ezzos Leich vonden Wundern Christi), s. Wiener SB. 129 S. 42;Braune und Waag 'Ezzos Gesang'; Vogt,Gesch. d. d. Lit. I 4 , 75 'Ezzos Lied vonChristus und der Welterlösung'.
2 ) Diemer, Wiener SB. 55, 301; und bes.Wilmanns S. 6 f. — Der Zeitpunkt innerhalbder Feier läßt sich nicht genau ermitteln.Wenn das Lied für den speziellen Akt derBeziehung der gemeinsamen Wohnung be-stimmt war (Wilmanns aaO.), so würde esin den Ritus der Kirchenkonsecration, derKirchweihe, fallen. Aber die Gedanken, diein diesem zum Ausdruck kommen, sind ganzverschieden von denen unseres Liedes, dieLektionen und Hymnen bei der Feier derDedicatio Ecclesiae sind von ganz andererSymbolik getragen (Thalhofer 2 2, 488—499,auch 1, 691—693); des Honorius PredigtenDe dedicatione ecclesiae (Migne 172, 1099—