44 A. Geistliche Literatur, b) Das Dogma.
nam de miraculis Christi patria lingua nobiliter composuit); und Konrad rgeschmückt mit jeglicher Wissenschaft und Beredsamkeit, der nachher inunserm Kloster der Probst der Kanoniker war. Sie begleitete Altmann,der Vertraute der Königin (Agnes, Witwe Heinrichs III). — Die Pilgerfahrtvon 1065 war die erste, die gleich einem Kriegszug von Deutschland aus-ging, und ein geschichtliches Ereignis. An zwölftausend Pilger sollen daranbeteiligt gewesen sein, von geistlichen Fürsten nahmen außer Günther undAltmann teil die Bischöfe von Regensburg und Utrecht und als vornehmsterSiegfried von Mainz. Der Auszug erfolgte im September 1064, die Wieder-kehr war kläglich, im Sommer 1065 kamen die Übriggebliebenen nach Deutsch-land zurück. Günther von Bamberg war auf der Heimreise am 23. Juli 1065in Ungarn gestorben.
Zufolge der Einleitungsstrophe der Vor. Hs. war Ezzo Priester und Dom-herr in Bamberg unter Bischof Günther, nach der Vita Altmanni scholasticus,d. i. in weiterem Sinne Gelehrter, in engerem Lehrer an einer geistlichenSchule. Der Name Ezzo begegnet mehrfach in Bamberger Urkunden undKaiendarien, ein dominus Ezzo, canonicus 5. Petri et S. Georgii et prepositusecclesie S. Jacobi i. J. 1100, kann der Dichter sein. 1 ) Wille ist wahrscheinlichder spätere Abt von Michelsberg bei Bamberg, der 1082—1085 diesemKloster vorstand.
Der Bericht der Vor. Strophe ist ungenau, doch ist sicher, daß nachdiesen Angaben das Lied in Bamberg abgefaßt worden sein muß, da vonder Kreuzfahrt nichts erwähnt wird. In diese aber verlegt die Vita die Ent-stehung des Liedes. Der Irrtum liegt offenbar beim Verfasser der Vita. Erschrieb mindestens 60 Jahr nach der Pilgerfahrt und dem Tode Günthers, 2 )nach Mitteilungen älterer Mönche. Ein Hauptgewährsmann für diese Gött-weiher Tradition war gewiß jener Cuonradus, der die Kreuzfahrt mitmachteund später als Probst nach Göttweih berufen wurde. Die Chronik zeigt „einestarke Hinneigung zum Märchenhaften und Mangel an ernstlichem Geschichts-studium". 3 ) Der Irrtum des Biographen war indessen nicht allzu groß, wenner meinte, das von den Pilgern gesungene (aber schon früher von Ezzogedichtete) Lied sei auch erst gerade auf diesem Zuge verfaßt worden.
Ein zweiter fraglicher Punkt in der Vita Altmanni betrifft die Inhalts-angabe, die lautet „de miraculis Christi". Miracula bedeutet zunächst inengerem Sinne die Wunder, die Jesus unter dem Volk Israel vollbracht hat(Str. 14. 15), dann aber auch die wunderbaren Ereignisse seiner Geburt,seines Todes, der Auferstehung und Himmelfahrt. Der Biograph Altmannshat also bei der Angabe des Inhalts nur den zweiten Teil, die evangelischeGeschichte (Str. 9—30), berücksichtigt, der auch für die Kreuzfahrt wesent-lich in Betracht kam.*)
>) Diemer, Wiener SB. 55, 315 f.; MSD. I 3 ) Wattenbach, Reg. unter Vita Altmanni.
II 3 . 183. 4 ) Miracula (vgl. Hoffmann v. Fallers-
2 ) MSD. II 3 , 183. | leben, Gesch. d. d. Kirchenliedes S. 27 f.;