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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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§ 6. Ezzos Gesang. 43

dem Dom (1012) wurden mehrere Stifte gegründet, von Günther das Kolle-giatstift St. Gangolph im Jahr 1063 und zwar mit Einführung der strengenKlosterregel. So wurden die bisherigen Canonici saeculares zu Canonici regu-läres, die nach einer Regel lebten. 1 ) Bald darauf wirkte in der Ostmarkin 'demselben Sinne der Bischof Altmann von Passau, ein FreundGünthers. Alle Chorherrenstifter wurden dort nach der strengen Zucht re-formiert, neue bis über die Mitte des 12. Jhs. hinaus gegründet. Im Jahr1163 entstand das regulierte Chorherrenstift Vorau in Steiermark. So lassensich die Beziehungen Bambergs zu den österreichischen Klöstern verfolgenan dem Einfluß der Bischöfe Günther und Altmann. Zugleich entfaltete sicheine noch viel folgenreichere Strömung zur Hebung der Frömmigkeit in denKlöstern des Schwarzwalds. Der Abt Wilhelm von Hirsau (10691091)knüpfte unmittelbar an die Mönchsordnung von Clugny an, durch die Energiedieses bis zum Fanatismus für seihe reformierenden Ideen durchdrungenenMannes verbreitete sich von Hirsau aus die strenge Ordnung des Mönchs-wesens über Schwaben und zugleich mit den von St. Blasien (im oberenSchwarzwald) ausgehenden Reformbestrebungen nach Baiern, Österreich, 2 )Ostfranken, Thüringen und Norddeutschland. Zu St. Blasien aber stand dasKloster Ochsenhausen im Allgäu in Abhängigkeitsverhältnis, 3 ) die beidenKlöster also, aus denen die Hss. des Ezzoliedes stammen, gehören derneuen Sittenrichtung an, die in Bamberg so bedeutsam zum Ausdruck kam.Durch unser Denkmal aber ist bewiesen, daß der in der Mitte des 11. Jhs.anhebende Umschwung der Literatur in der größten Bewegung der Zeit be-gründet ist, in dem neuen kirchlichen Geiste, der den Sieg des Gottesstaatesüber den Weltstaat entschied. Darin liegt ein Teil seiner großen literarischenBedeutung.

2. Die Vita Altmanni Kap. 3 (Mon. germ. Script. XII, 230) berichtet*) zumJahr 1065: In jener Zeit... verließen, von Schrecken erfaßt über die drohendeAnkunft des jüngsten Gerichts, viele Leute aus dem Volke, aber auch Fürstenund selbst Bischöfe, ihre Heimat, ihre Verwandten und ihre Besitztümer undfolgten, das Kreuz tragend, Christus. Ihr Führer war der Bischof Günthervon Bamberg, ein Mann ausgezeichnet durch Schönheit des Körpersund Weisheit des Geistes, in dessen Gefolge viele berühmte Männer, sowohlKleriker als Laien, aus Ostfranken und Baiern sich befanden. Unter diesenragten besonders zwei ausgezeichnete Kanoniker hervor, nämlich der Scho-lasticus Ezzo, ein Mann begabt mit jeglicher Weisheit und derKunst der Rede, der auf ebendemselben Zuge ein Lied von denWundern C hristi in heimischer Sprache trefflich verfaßte (cantile-

') Du Cange-Favre 5, 451^.

2 ) St. Paul in Steiermark von St.Blasien ausgegründet, s. LG. 1, 251. Konr. Hofmann,aaO.

3 ) Kelle 2, 7.

4 ) MSD II 3 ,' 181 f.; Kelle 2, 247; Giese-brecht S. 110 f. u. 1099 f.; Diemer, D. Ged.

S. XL VIII und Wiener SB. 55, 271 f.; Konr.Hofmann aaO. Altmann war Bischof vonPassau 10651091, die Vita ist verfaßt imKloster Göttweih, das Altmann 1073 gegründethatte; und zwar unter dem Abt Chadalhoh11251141.