42 A. Geistliche Literatur, b) Das Dogma.
Nachdem er die Melodie ausgearbeitet hatte, waren sie alle angelegentlichdarum bemüht, Mönche zu werden. 1 )
Bischof Günther von Bamberg 2 ) (1057—1065) war einer der leiten-den Reichsfürsten in den letzten Jahren der Regierung Kaiser Heinrichs III.und während der Kindheit Heinrichs IV. Eine glänzende Persönlichkeit, aushohem Stande geboren, mit schöner Gestalt begabt und leutseligen Sinnesvereinigte er die Tugenden eines geistlichen und weltlichen Herrschers. Denner war gelehrt in der Theologie und klug in der Politik, er beförderte dieWissenschaft und hatte seine Freude am deutschen Heldensang. 3 ) Er er-kannte die Forderungen seiner Zeit. Diese waren auf die Kräftigung derkirchlichen Ideen gerichtet. Dazu war die innere Festigung der Hierarchie•die Grundbedingung. Er war der erste, der in Deutschland das lax ge-wordene Leben der Domgeistlichen wieder regelte. Wie die Mönche in denKlöstern in der Regel des heil. Benedikt bestimmte Vorschriften hatten, sowaren auch die Kleriker der Kirchen, zumal der Domstifte, die Kanoniker,zu gemeinschaftlichem Leben innerhalb ihres Stiftes verpflichtet und zwarnach der Regel des Bischofs Chrodegang von Metz (Regula Sancti Chrode-gangi, um 750—755). Aber die Regel war im 10. u. 11, Jh. in Verfall geraten,die Kanoniker, meist vornehme Herren, lebten sehr frei, manche hatten sogareigenes Vermögen, wohnten außerhalb des gemeinsamen Stiftes und hieltensich nicht an die Vorschriften im Essen und Trinken. Mit der Wiedererstar-kung des kirchlichen Machtbewußtseins trat ein Wandel ein. Der GeistClugnys, die Askese, in welcher das Klosterleben zur höchsten Form desChristentums wurde, drängte auch zur mönchischen Regulierung der Welt-geistlichen, der Kanoniker. Hildebrand, der spätere Papst Gregor VII., derSieger im Kampf zwischen Welt und Kirche, war es, der auch diese Gliederdes geistlichen Staates durch die neue Zucht dem neuen Geiste dienstbarmachte. 4 )
Das Bistum Bamberg, eine Schöpfung Heinrichs II. (1007), wurde, durchseinen Stifter mit reichen Mitteln ausgestattet, bald eine Pflegestätte geist-licher Kultur und Wissenschaft. Aus der Bamberger Schule ging hervor Anno,der als Erzbischof von Köln jahrelang die Geschicke des Reiches leitete;hier war Williram Schulvorsteher. Auch mit deutscher Literatur.beschäftigteman sich hier, es entstanden das umfangreiche Formular von BambergerGlaube u. Beichte 5 ) und das Gedicht Himmel u. Hölle (s. unten). Außer
S. 60 f.; Diemer, D. Qed. S. XLVIII f., WienerSB. 55, 295 ff.; Wilmanns S. 4—8; Kelle 2,14 ff. u. Anm.
3 ) Semper ille Attilam, semper Amalungumet caetera id genus portenta (Wundertiere,Bestien) tractat, Giesebrecht aaO. S. 1241Nr.3; Müllenhoff, ZfdA. 12,311; WilmannsS. 5 Anm. 1.
") Otto Hannemann, Die KanonikerregelnChrodegangs v.Metz usw., Greifsw. Diss. 1914.
s ) LG. 1, Reg. S. 457.
*) Diese Eingangsstrophe ist der Titulusbezw. Prologus (vgl. Conradi HirsaugiensisDialogus ed. G. Schepss S. 23 f.); erenthält den Veranlasser des Werkes (BischofGünther), den Verfasser (Ezzo), die Quelle(diu buoch) und den Grund bezw. die Folgeder Abfassung (duo Uten . . .). Die ersteStrophe des Gedichtes selbst (Nu wil ich iuherrori) gibt den Inhalt an, enthält also eben-falls einen Teil des Prologs.
2 ) Giesebrecht 3 4 , Reg. S. 1286 u. bes.