§ 6. Ezzos Gesang.
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(Str. III u. IV). Außer diesen ganzen Strophen I. III. IV ist noch ein Zusatzvon zwei Zeilen gemacht, II, in denen ein neuer Titel gegeben wird, dievier ewangeljon, 1 ) der aber im Widerspruch steht mit der vorhergehendenechten Str. 1 und die daselbst gebrauchte Eingangsformel benutzt {Die rededie ich nä sol tuon = eine wäre rede vor tuon. 2 )
Außer den vier Zusätzen sind keine andern mehr nachzuweisen, so daßalso von da an in V der alte Textbestand gewahrt ist. 3 )
Sprache der Hss. 4 ) V hat entsprechend seiner Herkunft bairisch-österreich. Dialekt. Sicher beweiskräftige Spuren anderer Mundarten findensich nicht, doch ist zu bemerken, daß das umgelautete ä zehnmal e, zwei-mal ae, einmal a geschrieben ist; bequatn mit qu 2, 7 könnte aus einerostfränk. Vorlage stammen. 5 ) — S ist rein alemannisch. Es hat mit vollenEndsilbenvokalen ältere Sprachformen bewahrt, während diese in V fastdurchweg zu e abgeschwächt sind. — Ein Schluß auf die Heimat des Origi-nals läßt sich aus diesen Anzeichen nicht ziehen. Die Sprache dieses Origi-nals hatte noch volle Endvokale.
Die Verfass-erfrage ist schwierig und nicht mit Sicherheit zu lösen,,weil zwei verschiedene Berichte vorliegen, deren Zugehörigkeit zu unsermGedichte sogar nicht ganz außer allem Zweifel steht.
1. In der Vorsatzstrophe der Vor. Hs. (Str. I) wird mitgeteilt: der BischofGünther von Babenberg (Bamberg) trug seinen Pfaffen auf, ein Lied zudichten. Sie machten sich an die Ausführung, denn sie wären in den geist-lichen Schriften bewandert. Ezzo schrieb den Text, Wille erfand die Melodie..
*) d. i. die evangelische Geschichte, dasLeben Jesu, vgl. Hartmanns Rede v. Glauben1319 f.: wir lesen in den scriften der vierevangeüsten ; Otf rid III, 14,1 —4 thie scriptorafiari, thie scribent evangelion (die WunderChristi); die Gesamtheit der christl. Lehre:Himmel u. Hölle 32; Kristes lere und siniuwort . . . daz sint diu ewangeljä Rudolfv. Ems, Barlaam ed. Pfeiffer 78, 23 ff. 83,27 ff.
2 ) Vielleicht hatte der Abfasser dieser In-haltsangabe die zwei Verse an den Rand beiStr. 1 geschrieben, von wo sie dann in einerspäteren Hs. ins Innere des Textes gelangten.
3 ) Keiner der vielen sonstigen Ausschei-dungsversuche ist überzeugend (SchadeaaO. und in seinem ad. Lesebuch; Simrockin seinem Lesebuch; Diemer, Wiener SB 52,427—469; Giske aaO.; Wilmanns S. 15,vgl. auch S. 21. 22. 24. 26; Kelle, Quelle vonEzzos Gesang S. 31—39. Vor der Auffindungvon S hat K. Hofmann die Einschübe I. II.III. IV nahezu, MOllenhoff (MSD. 2. Aufl.S. 58 ff. u. 382 f.) zum Teil richtig erkannt. —Nur eine größere Entstellung kann miteiniger Sicherheit begründet werden, undzwar in der von v. D. Leyen S. 37 ff. bean-standeten Str. 25: in der symbolischen Aus-
legung des Zuges der Israeliten durch dieWüste werden zum Schluß das Manna unddas aus dem Felsen geschlagene Wasser bei-gezogen als Bilder für die Eucharistie (25,.9—12); dabei fehlt zu dem himelpröt dieBezugnahme auf den Leib Christi, und dasBlut, das dem Trank aus dem geistlichenFelsen entspricht, wird verwechselt mit demBlut des Osterlammes, von dem Str. 23 und24 die Rede war, indem die Zeilen 23, 9.10wiederholt werden. Es scheinen also zwischen25, 9 und 25,12 zwei echte Zeilen zu fehlen,die durch die jetzigen 11 und 12 verdrängtsind. — Die historische Entwicklung ist durchStr. 21 gestört, weshalb MOllenhoff in MSD.(und nach ihm V. D. Leyen S. 20) vielleichtmit Recht Str. 21 vor Str. 19 setzt (schonDiemer, Wiener SB. 52, 455. 457, dagegenMettin, Diss. S. 22 f. 27 f.; R. Buchholz,.ZfdPh. 33, 141 f.). Jedoch ist oft in Gedichtenüber die Heilsgeschichte die historische Folgedurchbrochen, z.B. wie in unserm Fall ebensoin des Prudentius Hymnus Da puer plectrumStr. 24 ff., Höllenfahrt vor dem Kreuzestod.
4 ) Vogt, Beitr. 2, 261 f.; Waag, Beitr. 11,139—141; J.Meier, ebda 16,68 ff.; Stein-meyer, MSD II 3 , 188.
5 ) Vgl. CMendius, Beitr. 27, 206 Anm. 2..