36 A. Geistliche Literatur, a) Das hohe Lied.
1-5. 108,2.1) 109, 25 f. 116, 25-29. 117, 1-28. 118,33—119,10. 123,31 — 124, 16. 139, 14. 140, 10—15.
Eine dreifache Dreizahl von Pflichten ist 35,18—27 aufgestellt: gute Ge-danken, Worte und Werke, das ist Gehorsam, Geduld und Demut, Glaube, Hoff-nung und Liebe. Grundbedingungen für das sittliche Leben sind also auch diedrei göttlichen Tugenden, die größeste unter ihnen ist die Liebe, die Liebezu Gott und dem Nächsten: das allerbeste Gut ist das minnende Herz, alleTugenden zergehen außer die Minne 89,19—90, 4, vgl. 18,10—13. 29, 3—20.35, 23 f. 74,25—75,4. 79,4—80,3. 84,29—32. 90,30—91,9. 109,22—24.Die drei sittlichen Handlungsarten, gute bezw. böse Gedanken, desgl. Worte,Werke sind außer 35,18—27 noch geboten 53, 6f. 23—28. 97, 3f. 134,8-17.Eine umfassendere Tugendreihe ist aufgestellt 16, 9—17, 11: außer den dreigöttlichen Tugenden und der Keuschheit, Demut, Verschmähung der Weltwerden hier gepriesen: kindliche Furcht, Gehorsam, beständige, gute Werke,reine Gedanken, lauteres Gewissen, Pflege der inneren Sinne, guter Wille,Langmut: diese Tugenden, die das reine Leben ausmachen, lehrte die MutterGottes; ferner 57,25—58,21, die ganze Partie 57,21—75,17 und dasKapitelVI,91,10—106,4 sind hauptsächlich den Tugenden des geistlichen Lebensgewidmet.
Diese Ethik ist also nicht auf dem System der sieben Haupttugendenaufgebaut — sie erscheinen nur im Kampf der Tugenden und Laster 114,7—115, 2 —, vielmehr werden die Pflichten der Klosterleute gelehrt mit derGrundforderung von Armut, Keuschheit, Gehorsam. Oft ist auf das Kloster-leben Bezug genommen: die Nonnen werden angeredet ir juncfrouwen, 2 )das gaistliche leben 57, 22. 59, 3. 104, 8 u. ö. ist der Kreis, für die dieseSittengesetze gelten, die samenunge 58,26. 61,7 f. 67,20, die samenungegaistliches lebennes 92, 18 f., die. saminunge der gotes irwelten 59, 24,ordenunge (Klostergemeinschaft) 67, 27, da ze capitele sollen die Kloster-genossen ein bußfertiges Leben führen 57,33 f., in geistlicher zuht leben sie59, 4. 75,5—17. 100, 4, unter der maisterschaft 70,12—21. 98, 11, 104, 13,vgl. 117,33—118,9, innerhalb der bmoderschaft 98, 11, in freiwilliger Armut108,9. 139, 23 f., mit ärmlicher Kleidung und geringer Speise 106, 16—19,vgl. 98,12f.; in Fasten, Wachen und Beten 29,23—25 .(die guten Werkewerden oft genannt; die sieben Hören 58, 13 f.), in gehorsame, mit guoter■einmuote 59, 26—30, in ruhigem Gemüt {räwiger muot 93, 20. 94, 14;fride ist häufig, din frldesamiu sele 93, 32. 94, 1), in Sanftmut (mite-■wäre 93, 14—94, 10. 109, 4—110, 5), mit Schweigen (mit redelichemeswigenne 57, 26). Das alles sind auch Gebote der Benediktinerregel undauf S. Benedictus beruft sich der Verfasser selbst 59, 28. Aber es sind auch-unwürdige Glieder in der Gemeinschaft, außer den Guten und den Besserendie Schlimmeren und die Allerschlimmsten (die guoten unde die bezzeren,
J ) Der enge Weg des Gehorsams, vgl. Bened. Regel Kap. V De oboedientia.2 ) V. Müller S. 75-80.