§ 5. Das St. Trudperter HL. 35
Sie können nütze und gut sein, dann lebt deine Seele mit Gott; sind sieaber von der Welt, dann scheidet Gott von ihr, das ist ihr Tod. Das Wesender Vernunft wird bestimmt 43, 6—15: Was der Mensch wirkt oder schafft,das" bildet sich wieder in seinen Gedanken. Wer die Wiederbildung (Schaf-fung des Ebenbildes) getreulich und innig an Gott kehrt, das ist Vernunft.Vernunft also ist getreue Vorstellung Gottes in der Seele. Dazu 118, 10—14:So rein deine Vernunft (gewizzede), so rein ist dein Herz und so rein ver-magst du Christus (Gott) zu sehen und zu erkennen. Also ist die höchsteKraft der Seele die reine Erkenntnis Gottes.
Einzelne dieser psychologischen Bestimmungen kehren zerstreut im Textewieder: das Vereintsein Gottes und der Seele 117, 29 f. 128, 25 f., vgl. 7,16—18.23, 1—9. 31,25. Gott geht aus durch die Pforte unseres Mundes, er gehtein durch die Pforte unserer Augen, unserer Ohren, er wohnt in unseremHerzen 125,31 — 126,10. Gott hat uns zu seinem Bilde geschaffen, daßunsere Seele sein Siegelbild (insigele) sei 8, 10—14, vgl. 141, 20 f. {gebraeche),35,18—20. 72, 27 f.; deine Seele soll ein Spiegel sein, da du deinen fried-samen König und deinen lieben Gemahl innen siehest 93, 27—29.
Ganz durchwoben ist dieses HL. von dem Preis der Mutter Gottes.Der wonnigliche Brautgesang wird erhoben zu Ehren des höchsten Bräuti-gams und der heiligsten Braut, die geküßt ist mit dem Kusse, welcher Weltund Gott versöhnt 7,4—18. Zuerst will der Verfasser von der heiligenMutter sprechen 14, 4 f. Für sie ist das Buch angefangen 139,25—140,4,sie ist vollkommen in den Tugenden und in jeder Heiligkeit. Darum ist siein ihrer Keuschheit und Demut (vgl. 7, 15. 8, 21—27. 32, 31 f. 36, 18 f. u. 32.41, 17—22. 51, 14—29. 54,16—20. 56, 32—57, 2) das Vorbild für die Jung-frauen, die kommen wollen zu dem königlichen Brautbett der Liebe Gottes140,10—15. Sie hat die Jungfrauen erzogen, die Christi Gnade begehrten,daß er ihnen reines Leben gibt und viele Tugenden und seine volle Liebe;die hat sie ihm zu Bräuten, zu Gespielen, zu lieben Freundinnen erzogen16,9-17 und weiter bis 18,6.
In dem S. Trup. HL. ist das Sittlichkeitsideal geistlicher Jungfrauen dar-gestellt, das die Seele mit Gott verbindet. Tugendlehren erfüllen dasganze Werk. Es sind die Tugenden der Klosterschwestern, derer „die dieseWelt verschmähen" und allen Trost an Go/tt haben und der Welt tot sind51, 7—10, die sich enthalten von dem üppigen Leben 72, 9f., die dem Fleischund der tötlichen Welt entsagen 90, 5—13, die ihr Magdtum oder ihre Keusch-heit rein bewahren und williglich verschmähen die Reichtümer der Weltund ihren Leib unterwerfen dem langen Kampf und der emsigen Arbeitgeistlichen Lebens durch die süße Minne, so wie Agnes und Cäcilia, Luciaund Agatha und viele andere 16, 18—17, 11. Demut und Keuschheit, Ge-duld und Gehorsam sind die vornehmsten Tugenden der Weltentsagung unddes Gotterringens 33, 15 f. 35,22—24. 42,6-11. 50,2-23. 53,7—9. 59,5-12. 59,26-60,3. 70,12-24. 84,14-21. 90,22f. 91,10-93, 13. 100,
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