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A. Geistliche Literatur, a) Das hohe Lied.
19. 74 Anm. 76—78, u. ZfdA. 20, 198-205; Seemüller, QF. 24, 13f.; W. Walther, Diedeutsche Bibelübersetzung des MA.s 3, 530 ff.; Hayner, Beitr. 3, 491—523; Vier. Müller,Marburg. Diss. 1901, dazu LitBl. 1902, 280f.; Naumann, Ad. Prosaleseb. S. 1—3.
Hss.: 1 ) A, die Haupths. Wien 2719, Perg. 13. Jh., mit schlechter Orthographie, flüch-tigem Text und vielen späteren Nachträgen bezw. Verbesserungen von mehreren Händen(sieben bis neun). Am Schlüsse der Hs. stehen die Worte: „Iste über est saneti Trudpertimartyris" von einer Hand nach 1300. Die Hs. befand sich also einmal in dem KlosterS. Trudpert im Münstertal im badischen Schwarzwald bei Freiburg. Der Dialekt ist, be-sonders im Eingang, etwa im ersten Viertel der Hs., vorherrschend alemann., von da anüberwiegend bair. Die Vorlage von A scheint bair. gewesen zu sein, der Schreiber aberwar wohl Alemanne, der im Laufe der Arbeit die Orthographie seiner bairischen Vorlageimmer genauer kopierte. 2 )
B. Das Hardenbergsche Fragment, zwei Perg.Bl. des 12. Jhs., jetzt im Germ. Museumzu Nürnberg Nr. 42518, bair. Dialekt. 3 ) Der Text ist viel besser als der von A.
a) München, Cgm 4479, 4 ) vom J. 1509, eine sprachlich modernisierte und im Text starkabweichende Bearbeitung, bair., befand sich laut einer Notiz auf der Innenseite des Einband-deckels im J. 1592 in einem Franziskanerinnenkloster in München; davon zwei Abschriften,ebenfalls in München: ß) Cgm 4478 und y) Cgm 4477, beide vom J. 1510; beide wareneinst in dem gleichen Kloster wie a und alle drei sind höchst wahrscheinlich auch in diesemgeschrieben worden.
C. Einige Stellen, etwa 50 Zeilen, sind in den alemann, (schweiz.) Traktat von demPalmbaum aufgenommen worden. 6 )
Die Heimat des Denkmals ist nicht mit voller Sicherheit zu bestimmen.Die Hss. B und a weisen nach Baiern, A war in S. Trudpert, ist aber viel-leicht auch in Baiern geschrieben worden. Alemann, jedoch ist die häufigvorkommende Redensart gesach in Got, wonach doch alemann. Ursprungdes Werkes wahrscheinlich ist. — Der Verfasser war ein Geistlicher, 6 ) ge-schrieben hat er sein Werk für Nonnen, 7 ) also ist es jedenfalls nicht in demMönchkloster S. Trudpert entstanden. 8 )
worden durch W. Walther aaO.
J ) V. Müller S. 6—43.
») V. Müller S. 80 ff. verlegt die Heimatdes Trudperter HL.s nach Baiern wegen derbair. Hss. B und a, auch für A nimmt er bair.Ursprung an. Wegen der Mischung alemann,und bair. Formen hält er eine Gegend Baiernsnahe der schwäbischen Grenze für das engereEntstehungsgebiet. So wäre also diese Mi-schung die Wiedergabe einer wirklich ge-sprochenen Mundart: dann aber müßte dieseMischung doch gleichmäßig durch die ganzeHs. durchgeführt sein, auch können in einund derselben Sprechgemeinschaft Doppel-formen wie räwe und ruowe oder schol beisonstigem sol u. a. nicht nebeneinander her-gehen. Diese alemann.-bair. Mischung istnicht sprachlich, sondern orthographisch zubeurteilen: es sind zwei Schreibsysteme, d.h.ein alemann, und ein bair. Schreiber warenan der Hs. bezw. an einer ihrer Vorlagenbeteiligt. Vgl. Wilhelm, Denkm. d. Pr. 8,Komm. II, 140 f.
3 ) Zacher, ZfdPh. 9,420-422.11,416-418;Steinmeyer, Berl. JB. 1901 S. 70—72.
. 4 ) Kollation von V. MÜLLER, ZfdA. 46,360—380. er, ß, y sind zuerst bekannt gemacht
5 ) Wackernagel-Rieger, Ad. Pred. S. 134—149. 453 f.
c ) Scherer hält eine bair. Frau für die Ver-fasserin, QF. 12,19.76, ZfdA. 20,198; dagegenBech, Germ. 9,356; Hayner S. 491 ff.; V.Müller S. 73 f.
7 ) Anreden an Nonnen s. Scherer, ZfdA.20, 198f.; V.Müller S. 75—80.
8 ) Scherer, ZfdA. 20, 199. Der Heraus-geber der Hs. A, Jos. Haupt, hat unter un-zureichenden Erwägungen angenommen, dasWerk sei im Kloster Odilienberg bezw. Hohen-burg bei Straßburg (wonach es früher das„Hohenburger" Hohe Lied genannt wurde)unter den Aebtissinnen Rilindis und Herrad(um 1150—1167 bezw. 1167—1195) verfaßtworden. Scherer sucht wegen der Erwähnungdes heiligen Rupert den Ursprung in Baiern(dagegen Hayner S. 503—505) und wegendes am Rande Bl. 47, 2 geschriebenen NamensOthilia Beziehungen zu einem Ottilienkloster.Einen Zusammenhang zwischen Hohenburg(Odilienberg) und Baiern findet er in derPerson der Aebtissin Rilindis, welche um 1150aus dem Kloster Bergen bei Neuburg im Bis-