§ 5. Das St. Trudperter HL. 29
der Anwendung dieses Stils folgt er Notker und überhaupt der Kloster-tradition. 1 ) Aber es schwebte ihm ein anderes Ziel vor als Notker, dennnicht als Pädagog für die Schule wollte er wirken, sondern für die Geist-lichkeit zur Förderung ihrer wissenschaftlichen Kenntnisse. Diese Mischungist eine Gelehrtensprache, in welcher die wissenschaftlichen Begriffe auchin der Sprache der Gelehrten, also lat. ausgedrückt bezw. aus dem Originalübernommen wurden, die Begriffe allein oder mit den syntaktisch dazu ge-hörenden Wörtern der Umgebung. So haben die technischen Ausdrückedas ursprüngliche und gewohnte lat. Lautbild behalten und sind auch ihrerWürde entsprechend von dem übrigen, in der Volkssprache gegebenen Textehervorgehoben. Lat. also sind die Hauptbegriffe, besonders die kirchlichenWörter wie sponsus, ecclesia, synagoga, evangelium, doctores, praedicatores,auditores, und echt allegorische Wendungen wie contemplatio, spiritualisvirtus, aurum sapientiae, gemmae virtutum, gleichsam Schlagwörter des alle-gorischen Inhalts. Mitbestimmend wirken auch dialektische Gründe derSymmetrie und des Parallelismus, so besonders wenn antithetische Begriffedurch lat. Wörter einander gegenübergestellt sind; oder rhetorische Gründe,indem besonders häufig Sätze oder Abschnitte lateinisch abgeschlossen werden.Zumeist ist ein rascherer Wechsel zwischen Deutsch und Lateinisch beab-sichtigt, wobei das Deutsche überwiegt, seltener binden sich längere deutschePerioden ohne lat. Einmischung. Unter den Wortgattungen stellen die Sub-stantiva als die hauptsächlichen Träger der Gedanken die meisten lat. Wörter,entweder alleinstehend oder mit den lat. Wörtern ihrer syntaktischen Um-gebung. Andrerseits werden Vorstellungen aus der Profanwelt gern deutschwiedergegeben, wie uilzhüs, hereberga 9, 5, scäf, hereberga, sinen cortare13, 6. 7. 15, halsziereda 18,1, trebon, trübon, heilbrunno 21, 3.10, affaltera,uualtholz, epfele 28, 2. 4, in den steinlocheron ante in den heggeholeron43, 13, disk, stega, lineberga, des diskesideles 52, die oft aus der am Kopfdes betr. Kapitels stehenden deutschen Übersetzung des lat. Vulgatatexteswieder aufgenommen sind.
Aus dem glühenden Liebeshymnus ist in der theologischen Literatur einallegorisch ausgeklügelter Traktat geworden. Aber so unverwüstlich ist inseiner Verzückung dieses Liebeslied, daß sein berückender Zauber auch diestarre Hülle der typologischen Methode durchbricht. Später ist der Ge-dankenkreis durch die Weihe der Mystik noch erhoben worden, hinausgeführtüber die Leidenschaft der irdischen Sinnenwelt in das Reich der ewigenLiebe. Und auch in der Auslegung des Ebersberger Abtes bricht da unddort ein Abglanz durch von der großen Seligkeit, die die Menschheit mitdem Erlöser vereinigt.
§ 5. Das St. Trudperter Hohe Lied.
Kelle 2,123-126.325f.; Piper, Alt.d.Litt. S.453f. —Ausg.: Jos. Haupt, Wien 1864 (Hs.A), dazu Zar ncke, LC. 1864, 114 f., Bech, Germ. 9,352—370. — Scherer, QF. 7,74.12,
') LG. I, Reg. S. 464 unter Mischprosa.