§ 4. Willirams Paraphrase des HL.
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Testamentes in die allegorische Erklärung mit einbezogen worden, d. h. diejüdischen Überlieferungen wurden mit dem Plan des Christentums dadurchvereinigt, daß man dem historischen Inhalt des alten Bundes einen spiri-tuellen Sinn als Hindeutung auf christliche Glaubensanschauungen unter-legte (typologische Auslegung). Schon im alten Testament, ist auch außer-halb des HL.s die feierliche und festliche Vereinigung von Braut und Bräu-tigam ein häufiges Bild inniger Verbindung von Jehovah und dem VolkIsrael. Im neuen Testament wird Jesus oft einem Bräutigam verglichen,Matth. 9,15 = Marc.2,19 f., Luc. 5,34 f., Luc. 12, 36, Joh. 3, 29, besonders aberim Gleichnis von den zehn Jungfrauen Matth. 25,1—13; 1 ) in der Apokalypseaber liegt unmittelbar schon der Kern der Allegorie von Christus und derKirche: Et ego Joannes vidi sanctam civitatem Jerusalem novam, descenden-tem de caelo aDeo, paratam sicut sponsam ornatam viro suo 21,2, ostendamtibi sponsam, uxorem agni 21,9, vgl. 19,7.8., der Geist und die Braut, spirituset sponsa 22,17; das neue Jerusalem ist die neue Menschheit, die neueKirche. Den Begriff der Kirche als einer mystischen Gemeinschaft der Gläu-bigen mit Christus, nach dem Bilde, daß die Kirche der Leib, Christus dasHaupt ist, hat Paulus begründet, vgl. Eph. 1,22 f. 4,15. 5,23; Kol. 1,18.2,9f.,und auch er hat schon das allegorische Verlobungsmotiv von Christus undder Gemeinde, 2. Kor. 11,2.
Maßgebend für die kirchliche Auslegung wurde der zum größten Teilverlorene Kommentar des Origenes, der das Verhältnis des Liebenden zurGeliebten, des Königs Salomo zu Sulamith, auf Christus und die christlicheGemeinde oder auch die Christenseele bezog, die nach der Vereinigung mitdem Herrn verlangt. Augustinus hat die Allegorie in den Psalm 44 ge-legt, der sich selbst als ein Brautlied, canticum pro dilecto, 2 ) bezeichnet.Enarr. in Ps. 44 (Migne 36, 493 ff.), vgl. auch Enarr. in Ps. 53,2; Sermo 90, 6(Migne 38, 562 f.). Und in dieser Auslegung des 44. Psalms durch Augustin,in welcher Christus als sponsus mit der Ecclesia als sponsa sich verbindet,sind auch schon die Grundgedanken für die späteren Kommentare des HL.senthalten, wozu diese wahrscheinlich auch einiges aus Cassiodors Er-klärung des 44. Psalms entnommen haben. In der deutschen Literatur istdieser Psalm und somit die Allegorie von Christus und der Kirche zumerstenmal behandelt in der Übersetzung Notkers, der ja Augustins Kom-mentar und auch den Cassiodors benutzt hat. 3 )
Williram hat als Quelle Haimos Kommentar zum HL. 4 ) zugrunde ge-legt (Migne 117, 295 ff.), der ein selbständig gearbeiteter, übersichtlicher, aber
') Raab S. 11 f.
2 ) Epithalamium, nuptiale carmen in derkirchlichen Literatur; epithalamium auch imPsalmenkommentar Cassiodors am Schlußvon Ps.44 und danach in Notkers Uebersetzung(Piper, Notker 2, 173, 26f.: epithalamium,daz chit prütelob).
3 ) Piper 2, 167—173; Ernst Henrici, DieQuellen von Notkers Psalmen, QF. 29, 126-130.
4 ) Sigebert von Gembloux legt diesenKommentar dem Remigius von Auxerre bei,vgl. Manitius 1, 516; s. auch Rheinau S. 1.Die wichtigsten lat. Kommentare zum HL. bis