26 A. Geistliche Literatur, a) Das hohe Lied.
135,5—7. 136,5. Die Apostel verbreiteten die Tugenden über die ganzeWelt, zuerst auf die Märtyrer, dann an die Konventikel der Gläubigen 68,vgl. 128, 2—4; die doctores sind geziert mit den gemmis virtutum 17, 5—7;in der congregatione justorum erscheinen Tugenden aller Arten 69, 3f.; dieHolden Christi haben sie in ihren Gärten 74, 6f.; die Kirche pflanzt sieihren Untergebenen (auditoribus) ein 148, 3 f.; die Tugenden sind die Blüten,die guten Werke sind die Früchte (d. h. aus den Tugenden entstehen dieguten Werke) 31, 3f. Bildlich sind die Tugenden, in Ausdeutung betreffen-der Stellen des HL.s, aufgefaßt als Gewürze, köstliche Spezereien, Wohl-gerüche: aromata, aromaticae arbores, nardus 19, 5f. 69,3—5. 11—19, un-guentum 65, 6, als Kräuter des Gartens 67,4 f., myrrha, thus, aromata universipulveris pigmentarii 50,10—16, vgl. 74, 8—10, die pimentare, die de uuurz-bette sazton, daz sint prophetae et apostoli 90,13 f. Oft sind einzelneTugenden der Kirche genannt: innocentia und castitas (meist zusammen)38,3 f. 39,9. 40, 3 f. 43,5. 89,6; virginitas 50, 10—16. 65, 9 f.; continentia39, 8—10. 65, 9 f. 80,6; Demut 107, 13 f.; Freigebigkeit, Almosengeben,freiwillige Armut (gute Werke) 39, 8—10. 50,10—16. 65, 9 f. 74, 8 f. 80, 6 f.91, 5f. 145,7—10. Die Gebärden Christi in seiner menschlichen Natur sindmansuetudo, severitas, laetitia, tristitia 90, 3—8. — Diese Tugenden desChristentums liegen zum Teil schon in der Allegorie von der Kirche alsder verlobten Jungfrau, wie die castitas, innocentia, virginitas, sie sind dannerweitert worden zu den Forderungen der Askese, continentia, mortificatiocarnis, voluntaria amissio divitiarum, und damit ist die Tugendlehre vonW.s HL. ausgesprochen cluniacensische Mönchmoral. Aber die Grundlageder Ethik bilden die drei christlichen Tugenden, fides, spes, Caritas, wofürviele einzelne Stellen zeugen; und unter ihnen ist die Caritas (dilectio), dieLiebe zu Gott und zu den Nächsten, die eigentliche Quelle aller sittlichenErhebung. Auch diese Grundlehre des Christentums ist in dem allegorischenSinne des HL.s verborgen, denn die Idee desselben ist ja die Liebe zwischenChristus und der Christenheit. Aber die Erlösung kann allein nur durchdie Gnade geschehen, sie verleiht die Tugenden, nur durch sie wird manvon den Sünden gereinigt 88,15 f., mit seiner Gnade hat Christus die Kircheberufen, hat ihr Lehren und Verheißungen gegeben 46, 3—6, und wenn sieihm die Treue leistet, so gibt er ihr die Gnade, daß die Kaiser und die.Könige und die Weltfürsten, die wie die Pardeln und die Löwen gegensie eifern, die Spuren ihrer Füße anbeten und den Sündenschmutz hin-werfen und die Weltverworrenheit und sich bekehren zum christlichenGlauben 62, 11—18.
Quellen. 1 ) W.s Paraphrase gehört als Expositio super Cantica Canti-corum zu der Literatur des HL.s. Das HL. ist wie alle Bücher des alten
*) Literatur über die allegor. Bedeutung des Arn. Oppel, Das Hohelied Salomonis und
HL.s: Realencyklop. 3 8, 256—263; Wetzer die deutsche religiöse Liebeslyrik, Abhandl.
u.Welteö, 171 ff.; Harnack, Dogmengesch. zur Mittl. u. Neueren Gesch. H. 32, 1911.I 8 , 525. 2 2 , 11-13. 23; Raab S. 11-19;