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Einleitung.
gleichen Teilen. Die mittelalterlichen Musikgelehrten nehmen drei Teilungenan: der kleinste Teil ist die melodische Silbe, das ist das Wort; dannfolgt die melodische Neume (pars), mehrere Wörter, der melodische Satzteil;endlich: der melodische Satz, distinctio, Periode. — Der Schluß eines in sichfertigen Teils, die Pause (Punkt), wird oft länger gezogen mit verzögerterBewegung, die Stimme klingt sanft aus, es ruht also auf dem Abschlußein Schwerpunkt.
Aus dem lat. liturgischen Rezitativ bezw. dem liturgischen Sprechvortrag .ist die große Freiheit der Senkungen in den Typen II. III. IV zu erklären. 1 )
In welchem Vortrag unsere frühmhd. Gedichte dargeboten wurden, ist imeinzelnen schwer zu entscheiden. Gesungen wurde jedenfalls das Ezzolied, zumGesang bestimmt waren auch die Marienlieder und Mariensequenzen. Alleübrigen Stücke (biblische Erzählungen und Legenden, gereimte Bußreden,z. B. Memento mori, Sündenklagen, die Litanei, dogmatische und allegorischeAbhandlungen, auch die Predigten, sind wohl in gehobenem Sprechvortraggehalten worden, der aber, wie erwähnt, mannigfache Abstufungen habenkonnte. Der Rhythmus kommt dabei nur so weit in Betracht, als gesungeneLieder auch den regelmäßigen Versbau haben, während gesprochene sowohlin regelmäßigem Versbau als in den freien Typen abgefaßt sein konnten.
Die Grundstimmung jeglichen Vortrags, sowohl des Liedes als der Lectio —um diese beiden als Vertreter des Gesangs-bezw. Sprechvortrags aufzustellen —ist das Maß, das Maßhalten: „natürlich bleiben ist die höchste Kunst",so also auch im Choralgesang: „leidenschaftliche Aufregung widersprichtihm ebenso wie Künstlichkeit und Effekthascherei", „Einfalt und Anmutkennzeichnen die Vollkommenheit in der Ausführung des Choralgesanges.Alles Gesuchte und Gemachte, alles mehr oder minder Theatralische mußhier fern bleiben." 2 ) Das Maßhalten aber nicht nur im Gesänge oderim gesprochenen Wort, sondern im ganzen äußeren und inneren Menschen,also auch in der Gebärdensprache, in den Bewegungen, der Mimik. Fürden Vortrag der vulgären Predigt hat Honorius Augustodunensis 3 ) die Regelnkurz zusammengefaßt in seinem Speculum ecclesiae am Schluß der Pred.in Septuagesima (Migne 172, 861. 862): „Wenn du eine Rede hältst, so sollstdu nicht mit ausgestreckter Hand gleichsam die Worte dem Volk ins Gesichtschleudern; nicht mit geschlossenen oder auf den Boden gehefteten Augen,sondern mit aufgerichtetem Blicke da stehen; auch nicht den Kopf wie einUnsinniger hin und her bewegen oder den Mund nach allen Richtungenverdrehen, sondern, wie .die Rhetorik lehrt, mit geziemenden (ruhigen) Be-wegungen (gestus) sprechen, die Worte ruhig und einfach aussprechen, dasTraurige mit betrübter Stimme, das Freudige mit fröhlicher, das Herbe mit
] ) Unter dem Einfluß dieser freien Vor-tragsweise können auch die kurzen Versemit nur drei Hebungen zugelassen wordensein und ebenso die häufigen klingend aus-
gehenden Verse von vier Hebungen. .
2 ) POTHIER-KlENLE S. 21.
3 ) Siehe auch Hrabanus Maurus, De cleri-corum institutione III, 28 (Migne 107,406 CD).