Allgemeine Voraussetzungen. § 2.
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B. die Modulation, Melodie, die Tonhöhe, der Wechsel zwischenhöher oder tiefer betonten Silben, zwischen in der Tonleiter höheren odertieferen Tönen.
Je nach der Melodie unterscheidet man:
a) Gesangsvortrag, mit ausgeprägter Melodie; die Absicht ist, künstle-risch zu wirken.
Gesangsvortrag mit a) regelmäßigem Rhythmus besteht im Lied, imHymnus; Gesangsvortrag mit ß) unregelmäßigem, freiem Rhythmus bestehtin der Sequenz (mit kunstreichen Maßen und Melodien), im Choralgesang,im liturgischen Vortrag der Psalmen, des Ave Maria, des Gloria in Excelsis,des Paternosters, des Symbolums, der Gebete, des Evangeliums, der Epistel,im Falle sie gesanglich vorgetragen werden. 1 ) Gesangsvortrag mit freiemRhythmus (oder umgekehrt: unregelmäßiger Rhythmus mit Gesang) ist Re-zitativ, bezw. im geistlichen Vortrag: liturgisches Rezitativ.
b) Sprech Vortrag: Die Melodie hat kein selbständiges Interesse, die Ton-bewegung ist auch im großen und ganzen geringer als im Gesangsvortrag,die Absicht ist bloß rhetorisch, oratorisch. Es gibt die verschiedensten Artendes Sprechvörtrags, je nach der inneren Bewegung des Redenden, der Stim-mung, dem Ethos, dem Zweck. Die gewöhnliche Sprechweise des Alltags-verkehrs kommt hier nicht in Betracht, sondern die liturgische. Hier ist derVortrag ausdrucksvoller und mehr getragen. Sie findet statt in der Lectio,Lesung, 2 ) der Predigt, und kann auch im Evangelium, in der Epistel und andernProsastücken angewendet werden, wenn sie nicht gesanglich vorgetragenwerden (meist Einzelvortrag). Dieser gehobene Sprechvortrag berührt sichdann wieder mit dem Rezitativ. 3 )
Zur rhythmischen Gliederung ist noch zu bemerken: Der regelmäßigeRhythmus verläuft in gleichen Teilen, der unregelmäßige Rhythmus in un-
') Jeder gesprochene bezw. geschriebeneSatz kann melodisch vorgetragen werden,eine mathematische Formel, ein Gesetzes-paragraph, eine Zeitungsannonce u.dgl.; soalso auch Vaterunser, Glaubensbekenntnis,Evangelium, Epistel usw. — Ueber liturgischeMusik (Kirchenmusik), bes. über den Vortrags. Thalhofer P, 249—297, darin überSprachmelodie und Sprachrhythmus S. 257.266; Wolf, Ueber die Lais, bes. S. 97 ff.; DomJoseph Pothier, Melodies Gregoriennes,übers, von P. Ambrosius Kienle: Der gre-gorian. Choral, Tournay 1881, bes. S. 161—229: Peter Wagner, Einführung in die gre-gorian. Melodien, 2. T. Neumenkunde, 2. Aufl.Leipz. 1912; Emil Nikel, Gesch. der kath.Kirchenmusik, I. Bd.: Gesch. des gregorian.Chorals 1908, bes. S. 110—144. 257—268;Riemann, Gesch. d. Tonkunst; Norden, Dieantike Kunstprosa II, 841 ff.
2 ) Ueber den Predigtvortrag s. Lecoy delaMarche aaO. S. 279 ff. Die Formel singenund lesen bezieht sich auf die zwiefache
Weise des Vortragens, auf den liturgischenGesangs- bezw. den liturgischen Sprechvortrag(Lectio), vgl. Jul. Schwietering, Singen undSagen, Göttinger Diss. 1908 S. 27 ff.
8 ) Man unterscheidet drei Arten von rezita-tivischer Singweise: 1. ohne Stimmbewegung,ohne Modulation; die Stimme hält sich immerauf dem gleichen Ton; 2. desgleichen, nurdie Abschnitte von Satzteilen oder Sätzenhaben Stimmbewegung, Melodie; 3. der ganzeText hat mannigfaltigeStimmbewegung, reicheMelodie (Pothier-Kienle S. 199 ff). Bei derersten Art wirkt gerade die Monotonie, bei derzweiten die Monotonie und besonders derdarauf folgende melodische Abschluß, bei derdritten die reiche Melodie. Danach wäre einmonotones, ein tonreiches und ein aus denzwei Arten zusammengesetztes Rezitativ fest-zustellen. Das monotone Rezitativ unter-scheidet sich von dem liturgischen Sprech-vortrag gerade durch die Einförmigkeit desTons, das tonreiche Rezitativ durch die be-absichtigte kunstreiche Melodie.