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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
Entstehung
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12 Einleitung.

den Grundstock des deutschen Verses bei, das Gesetz der vier Hebungen(die guten Taktteile), aber sie gewährten den Senkungen (die schlechtenTaktteile) noch größere Freiheit. Und eben in der rhythmischen Freiheit,also in der Unregelmäßigkeit, besteht das Charakteristische der frühmhd.Dichtung: die Senkungen übersteigen oft das normale Maß; aber auch um-gekehrt, die Hebungen können von vier auf drei beschränkt werden. Derahd. und mhd. Reimpaarvers hat folgende Takttypen:

xx xxx(xxxx) X

d. h. der normale Takt besteht aus zwei Silben, einer Hebung und einerSenkung xx; er kann a b er erweitert werden auf drei Silben, eine Hebung undzwei Senkungen xxx (selten drei Senkungen); er kann endlich an Silben-zahl auch gemindert werden und nur aus der Hebung bestehen, wobei dieseaber lang sein muß x (um die Zeitdauer des normalzweisilbigen Taktes xxauszufüllen).

Die frühmhd. Verse sind also durch schwere Senkungsfüllung sehr oftlänger als die normalen Verse: es können 3, 4, 5, sogar 6, 7 und 8 Senkungeneintreten, besonders auch wird der Auftakt gelängt; sie sind manchmal auchkürzer, durch Fehlen von Senkungen oder einer Hebung. Danach entstehenvier Typen von Gedichten: 1 )

I. Das Gedicht enthält meistens normale Verse, normaler Typus.II. Das Gedicht enthält verhältnismäßig viele überlange Verse, gelängterTypus. III. Das Gedicht enthält verhältnismäßig viele kurze Verse, ge-kürzter (gedrungener) Typus. IV. Das Gedicht hat verhältnismäßig oftsowohl lange als kurze Verse, ungleicher Typus.

Die für den frühmhd. Versbau charakteristischen Typen sind: II. III. IV.

Im Vortrag ist zu unterscheiden:

A. der Rhythmus, die Tonstärke, die Akzentuation, Betonung, derWechsel zwischen stärker und schwächer betonten Silben, Hebung und Sen-kung, die zusammen den Takt bilden. Dieser Wechsel kann sein: a) regel-mäßig, die Takte sind also gleich in, ihrem Maß (Mensur) gebaut, die Takt-länge ist gleich; oder b) unregelmäßig, frei, die Takte sind frei gebaut,verschieden in ihrem Maß.

strengen Rhythmus durch, also möglichst Ein-silbigkeit der Senkung, wobei eben vieleAenderungen an der handschriftlichen Ueber-lieferung nötig sind (so führten Müllenhoffund Scherer in MSD. die strengen RegelnLachmanns ein und suchten möglichst nor-male vierhebige Verse herzustellen) und dochnoch Verse von mehr als vier Hebungen zu-gelassen werden müssen; die andere hält andem Prinzip der vier.Hebungen fest unterAnnahme mehrsilbiger Senkungen (die Lit.bei Eberhardt, Beitr. 34,1 ff., vgl. Paul aaO.).Ueber die Entstehung der frei gebautenZeilen herrschen bis jetzt zwei verschiedene

Ansichten: nach der einen sind sie Weiter-bildungen schon bei Otfrid vorkommenderfreierer Typen, nach der andern gehen sieunmittelbar auf die alliterierende Langzeilezurück, die jedenfalls noch längere Zeit auchnach Otfrid bestanden hat (vgl. Wilmanns,Der ad. Reimvers u. Anz. 23, 353 ff.; GemollaaO.; Berger, Beitr. 11, 460 ff.; HEUSLER.ZurGesch. d. ad. Verskunst S. 8] ff.). Aber einhistorischer Zusammenhang ist mit beidenSystemen, dem otfridischen und dem allite-rierenden, nicht nachzuweisen.') Saran S. 254.