Allgemeine Voraussetzungen. § 2.
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strebt, aber zur selbständigen Berechtigung gelangte die Volkssprache erstdamit, daß die Reformbewegung auch in Deutschland die Religion wieder zueiner neuen Gemütsmacht erhob. Alle Menschenseelen sollten mit demGlauben durchtränkt werden. Darum wurde von nun an in viel umfassendererWeise als je zuvor das Deutsche auch in der geistlichen Literatur gepflegt,die Bedeutung der Volkssprache ist anerkannt. Jetzt erst wird eigentlichOtfrids Forderung, Gottes Lob in deutscher Sprache zu besingen, voll undganz verwirklicht.
§ 2. Metrik und Vortragsweise. 1 ) Stil.' Die Metrik und wohl auch die Vortragsweise der geistlichen ahd. Allite-rationsdichtung stand, wie die weltliche, unter den Gesetzen der germanischenEpik, Otfrid und die ahd. Reimdichtung folgte dann im Rhythmus demdeutschen Sprachgeist, nahm aber mit dem Reim lateinisch liturgischesFormprinzip auf. Die frühmhd. geistliche Dichtung steht in keinem unmittel-bar fortwirkenden Zusammenhang mehr mit der ahd., sondern ist eine Neu-schöpfung der neuen Zeit, des Aufschwungs durch die cluniacensische Kirchen-reformation. Diese Dichter waren geschult an der liturgischen, der kirch-lichen Vortragsweise. Sie brachten ein neues Prinzip in Rhythmus und Vor-trag, das des liturgischen Rezitativs, bezw. des liturgischen Sprech-vortrags, 2 ) und damit eine viel größere Freiheit der Senkungen. Sie behielten
.») Literatur s. LG. 1, 69.74; für das Frühmhd.:LACHMANNbei W.Grimm, GrafRudolf, 2. Ausg.S. 12—14; W.Grimm, Kl. Sehr. 4, 164ff. 231.310 ff. 330 ff.; MSD. I», Vorw. XXXVII-XXXIXu. II 3 unter den einzelnen Denkmälern;Scherer, QF 1 u. bes. QF7 an vielen Orten;Amelung, Zf dPh. 3,253—305; GEMOLL.Germ.19, 35—44; Wilmanns, Der ad. Reimvers;ders., Anz. 23,353 ff.; Vogt, Festgabe f. Hilde-brand S. 150 ff.; Heusler, Zur Gesch. d. ad.Verskunst, Germanist. Abhandl. 8, bes. S. 55—90; Hirt, ZfdA. 38, 304-333; Hertel, DieVerse von mehr als 4 Heb., Marb. Diss. 1908;Habermann, Die Metrik der kl. ahd. Reim-gedichte 1909; Steinmeyer, ZfdA. 21, 313;Kochendörffer, ZfdA. 35 290 f.; Schröder,ZfdA. 52, 59; Schröder, Reimstudien I u. II,Göttinger Nachr. 1918, 378—392. 407-428;Kraus, Verhandl. d. 42. Philol.-Vers. zu Wien,vgl. ZfdPh. 26, 400 f.; Borinski, Die Antikein Poetik u. Kunsttheorie 1914, S. 43 u. Anm.;Braune, Reim u. Vers, Heidelberger SB. 1916,11. Abh.; Heusler, Der deutsche u. der antikeVers 1917; PAUL,Grundr.II.2 2 ,63—65; Saran,D. Verslehre bes. S. 250 ff.; Sievers, Rhythm.melod. Stud., 1912; ders., Metr. Stud.IV, Abh.d. sächs. Ges. d. Wiss. Bd. 35, I u. II, dazuBlümel, Anz. 40, 22—31, Panzer, ZfddUnt.33 H. 10/11; Baesecke, Wissenschaftl. For-schungsberichte III 1919, 116 ff. — Kraus,DGed., Waag, Kl. d. Ged. unter den einzelnenNummern sowie die betr. hier im Folgendenbesprochenen poet. Denkmäler.
Lat. Kirchenlieder: Mone, Lat. Hymnen des
MA.s, 3Bde. 1853. 54. 55; Daniel, ThesaurusHymnologicus, 4 Bde. 1855; Kehrein, Kir-chen- und religiöse Lieder aus dem 12. bis15. Jh. 1853; G. M. Dreves und Clem. Blume,Anälecta Hymnica medii aevi, 54 Bde. 1888—1915; Ferd. Wolf, Ueber die Lais, Sequenzenund Leiche 1841, bes. S. 84 ff.; Joh. Kayser,Beitr. zur Gesch. und Erklärung der Kirchen-hymnen 1866; Leon Gautier, Histoire dela poesie liturgique au moyen äge. Les tropesI. 1886; Wilh. Meyer, Gesammelte Abhand-lungen zur mittellat. Rythmik, 2 Bde. 1905;Wilh. Bäumker, Das katholische deutscheKirchenlied in seinen Singweisen von denfrühesten Zeiten bis gegen Ende des 17. Jhs.,»4 Bde. 1883—1911, mit erschöpfender Biblio-graphie in jedem Bande; Hoffmann vonFallersleben, Gesch. des deutschen Kirchen-liedes bis auf Luthers Zeit, 3. Ausg. 1861;Phil. Wackernagel, Das deutsche Kirchen-lied von der ältesten Zeit bis zum Anfangdes XVII. Jhs. 5 Bde., Leipz. 1864-1877. —Thalhofer, Liturgik 2 , Das BreviergebetS.510—637; Prot.Realencyclop. 3 Bd. 10,410 ff.2 ) Aus dem liturgischen Vortrag also stam-men die überlangen Verse. Sie sind bis jetztverschieden beurteilt worden. Aufgegeben istWackernagels „Reimprosa" (LG. I 2 , 107ff.,LB 4 u. LB 5 S. Vif.), da doch ein in gewissenGrenzen sich haltender Rhythmus nicht zuleugnen ist. Man hält nun allgemein dieReimzeilen auch für wirkliche Verse. Dabeischeiden sich bezüglich der rhythmischenGliederung zwei Auffassungen: die eine führt