Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
420
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Philosophische und Politische Beschreibungnehmen und wachsen könne / wann es aus der Erden oder aus der Lufft häuffige gleichwesigeTheile an sich ziehet / und durch derselben Zusatz vermehret wird.Zweytens: Ob das Gold=gelbe Messing auch aus den Bergwercken herkomme? Ant-wort: Wir haben oben angeführt / daß das Messing / wie es bey uns im Gebrauch ist / aus ro-them Ertz oder Kupffer vermittelst des Cobalts (ist ein unvollkommner Ertz=Stein) gemachtwerde: und dahero duncket mich/ es seye das Messing/ nicht so wohl ein natürliches/als vielmehrdurch Kunst gemachtes Ertz. In Indien solle nach des Aristotelis Bericht / das Ertz dermassengläntzend und rein, auch vom Rost befreyt seyn, daß man es an der Farbe von dem Gold nichtunterscheiden könne: Item; es wurden unter des Darii Trinck-Geschirren wie eben dieser Au-thor versichert, etliche eherne Becher gefunden; welche, ob sie von Ertz oder Gold seyen, nichtanders / dann bloß durch den Geruch zu erkennen gewesen.Drittens: Was für verwunderliche aus Ertz verfertigte Dinge berühmt seyen? Ant-wort: Unter selbige werden von den Scribenten die hundert aus Ertz gegossene Thor zu Ba-bilon; wie auch der eherne Becher / der dreyssig Eimer gehalten / und den die Lacedemonier demCrœso verehrt, gerechnet; so ward ebenfalls das Sonnen-Bild auf der Insul Rhodis vonPlin. 134. Ertz gegossen; selbiges ist nach des Plinii Zeugnus siebentzig Ehlen hoch gewesen; und da esnach Verlauff 50. Jahren durch ein Erdbeben niedergeworffen worden / haben die Leute auchdie liegende Stücke für ein Wunderwerck gehalten: dann den Daumen konten kaum etlicheMänner mit einander umklafftern; die Finger waren grösser als die meiste Bild=Säulen; undan den übrigen zerbrochenen Gliedern sahe man ungeheure Höhlen. Dieses Bild soll in 12.Jahren verfertigt worden seyn / und 300. Talent gekostet haben: deßwegen man es auch unterdie sieben Wunderwercke der Welt gezehlet.§. 3. Das Eisen ist ein unreines aus sehr viel rohem / irrdischem und brennendemSchwefel / wie auch aus wenig / aber gleichfalls unreinem Quecksilber erzeugtes Me-tall. Das gwachsene Eisen findet man in den Bergwercken wie Körnlein gestaltet; das ge-machte aber wird aus den Eisen=Steinen und einer rothen Erde gekocht und geschmoltzen. DerStahl ist etlicher massen eine Eisen=Gattung: und ein gereinigtes durch viel Feuer oder Hitzen,und mehrmaliger Eintauchung oder Ablöschung im Wasser / gehärtetes Eisen: und wird / wieAristoteles redet / der Stahl von dem Eisen / gleich als sein Kern / unterschieden. Der gewach-sene Stahl ward vor Zeiten in Thracien in einer Gegend / wo die Völcker / Chalybes genannt /wohneten / ausgegraben.§. 4. Die Eigenschafften des Eisens seynd diese: Erstlich; das Eisen ist das här-teste unter allen Metallen; doch bekommt es solche Härte nur nach und nach durch die Ablö-schung: dann wann das Eisen glüet, so ist es weich, und last sich leicht hammern; weilen dieFeuchtigkeit sich vermindert: also daß es, da man selbiges unabgelöschter erkalten liesse, weichverbliebe. Wann aber das glüende Eisen in Essig abgelöscht wird / so gewinnt es eine solcheHärte / daß es sich nicht hammern läst / und eher in Stücken zerspringt; inmassen der Essig indie Lufft=Löcher des Eisens eindringet, und folglich dasselbe fester zusammen treibet. Allein / wiehart dasselbige auch immer seyn mag; so wird es doch durch stetigen Gebrauch abgenutzt;weilen es aus viel irrdischem Schwefel, und wenig Quecksilber oder Feuchtigkeit bestehet: da-hero es auch / indem es wenig Feuchtigkeit hat / und seine Theile auffs engeste an einander halten /ungern schmeltzet. Sonsten gibt man ihme zerschiedene Farben: mit einem gewissen aus Gal-licien kommenden Stein wird das Eisen Himmel=blau; mit Essig oder Alaun dem Ertz ähnlich;und dann weiß gemacht / wann man es mit Zihn überzieht: wiewohlen es hierdurch seine Na-tur keines weges verändert / sondern nur mit andern Zufälligkeiten überkleidet. Wegen seinerHärte und wenigen Feuchtigkeit entzündet es sich/ bevor es schmeltzet; schmeltzet aber alsbalden/und fället Tropffen=weiß ab, gibt auch zugleich einen unangenehmen Geruch von sich, wannihme Schwefel zugesetzt wird.Hierauff fragt man, erstlich: Wie das Eisen zu Stahl könne gemacht werden? Ant-wort: Es ist bereits oben vermeldet worden, wie man dißfalls zu verfahren, das ist, das glü-ende Eisen in Essig abzulöschen habe. Derowegen die Lacedemonier die Gewohnheit gehabt /aus eisern Stäben ihre Müntzen zu schlagen / und selbige glüend im Essig abzulöschen / damit siedardurch zerbrechlich / und einfolglich zu anderem Gebrauch nicht verwendet werden möchten.Weckerus hergegen will behaupten / man solle sich an statt des Essigs der Schuster=Schwär-tze bedienen: Cardanus aber rathet zu dem Pulver von Pomerangen-Rinden: jedoch ist hier-inn nichts gewissers und sicherers, als so das Eisen öffters geglüet, und in kaltes Wasser ge-stossen wird: dann dardurch erhält es eine Stahl=Härte: Allein / ist dabey zu beobachten / daßder Stahl / wann man ihn offt glüet / und ohne Ablöschung erkalten lasset / wieder weich werde:welches letztere auch geschiehet / wann man ihn zwey Stund lang in einer von Stein-Eichen-Aschen und lebendigem Kalch gemachter Lauge siedet.Zwey⸗