Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
410
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Philosophische und Politische Beschreibunggeistiger, kalter, feuchter und offenbarlich weiser Safft seye: welcher aber, so er warm,trucken / roth und verborgner manchfarbig ist / die Metallen durchdringt / in dieselbe sich hineinziehet / und auflöset. Deßwegen nennet Plinius dasselbe ein Gifft aller Dinge; andere herge-gen einen Tyrannen der Metallen; und solcher Ursachen halber ist es besser und sicherer / daßman selbiges in gläsern und nicht in metallenen Geschirren aufbehalte und verwahre: danngleichwie das befeuchtete Papier vom Wasser erweicht und vermodert wird; eben also pflegtauch das Quecksilber das Band der metallischen Cörper aufzulösen. Dasselbe hat über diß ei-ne verwunderliche Neigung und Liebe zum Gold: dann so man es auf das Feuer setzt, und aus-rauchen lasset, in der Nähe aber ein obschon in einem Kasten verschlossenes Gold sich befindet;wird es nicht gerad in die Lufft verfliegen, sondern sich nach dem verwahrten Gold hinziehen,und in selbiges eindringen. Nach dem Gold ist das Quecksilber oder der Mercurius unter al-len Dingen das Schwereste; indem alle übrige Metalle auf demselben nicht anders / als dasPantoffel-Holtz auf dem Wasser oben zu schwimmen pflege: welches dahero rühret / weilener viel Erden und viel Feuchtigkeit in sich hällt; als woraus auch seine Flüßigkeit entstehet: je-doch netzet er nicht, ob man ihn schon mit Händen berühret; weilen, wann er gleich viel Feuch-tigkeit enthält / seine irrdische mit den feuchten Theilen dannoch dermassen verbunden seynd / daßsie nicht können von einander getrennt werden: wiewohlen er einen schwartzen Unflat von sichauswirfft / wodurch zuweilen die Geschirr feucht; seine Oberfläche gleichsam mit einer Deckeüberzogen wird; räumt man aber solche Haut hinweg, so gläntzt er alsdann wiederum auf dasschönste. Im übrigen ist der Mercurius immerdar beweglich; angesehen er sehr viel lufftigenGeistes in sich hat, der von dem wohl ausgekochten irrdischen Theil also gefangen gehaltenwird / daß er nicht davon fliehen kan; und daher kommt die Beweglichkeit. Wann man dem-nach Quecksilber in einen Ring verschliesset, und ihn an das Feuer leget, so wird derselbe springenund sich bewegen: dergleichen auch geschiehet / wann nur ein Tropffen Quecksilbers dasBrod im Backoffen / oder die beym Feur stehende Eyer / item die Erbsen im Hafen berühErsterzehlten Eigenschafften können auch noch folgende beygerucket werden: Wann derMercurius mit dem Gold vermischt wird, so giebt er eine Wachs-weiche Salbe ab, welche,wann man sie auf ein zu übergüldendes Blech streichet / das Gold vermittelst deß Feuers dergestalten mit demselben vereinigt, daß es fast nicht mehr davon mag geschieden werden; dannso bald der Mercurius das Feuer empfindet / verfliegt er in einem dampfigen Rauch in die Lufft:welcher Rauch jedoch / wann er in ein Gefaß aufgefangen und behalten wird / bald darauf wie-derum seine vorige Gestalt bekommt, und zu Quecksilber wird, auch nicht das geringste vonseinem alten Gewicht verliehret. Wann man den Mercurium auf das Feuer setzt, so stellt erwundersame Farben vor; und ist auch dieses angemerckt worden / wann man ihn in ein gläsernoder steinern Gefäß fest verschliesset, daß er nirgend keinen Lufft haben kan, und sodann zudem Feuer hinstellt, daß er solches Gefäß wie das Schießpulver in Stücken zerreisse: Gleich-wohlen aber ist er mehr kalter / dann warmer Natur / wie Honoratus Fabri wohl erinnert; ge-stalten er nicht aus Feuer, sondern aus einer subtilen Feuchtigkeit bestehet: und ob er schon,wann er sublimirt ist / eine ätzende und fressende Krafft bekommt; so muß doch selbige nicht demMatth. I. Mercurio, sondern denen mit ihme vermischte Cörperlein zugeschrieben werden. Welches auchMathiolus mit dem Exempel eines mit dem Fieber behaffteten Kraͤutermanns bewaͤhret; der zu6. c. 28.Vertreibung deß Durstes unvorsichtiger Weiß Quecksilber getruncken / etlich Stunden aberweilen das Blut in ihme gleichsam erfroren, und bestanden, gestorben. Die Mauritanier,wann die Sonnen Hitze bey ihnen am grösten ist / giessen Quecksilber in ein stehendes Wasseroder See, und werffen ein Leder darauf, auf welches sie sich hinzulegen, und also abzukühlenpflegen; wie Jonstonus berichtet.Fragt sichs hiebey: Ob das Quecksilber einiger massen unzerstörlich seye? Ich antwor-Hon. Fa-te mit Honorati Fabri, ja: dann obschon der Mercurius mit Vitriol und gemeinem SaltzbriTract. zu einem weissen Schaum sublimirt wird / sublimas ein starckes Gifft / und hefftiges Carro-u.l.2. de siv ist; so wird er doch, wann mann ihn mit lebendigem Kalch vermischt und in eine Retortemetall.thut, wiederum zu einem Quecksilber werden: Und dieses begiebt sich gleichfalls, wann manden mit Vitriol=Oehl vermischten Mercurium praecipitirt: dann so man ein per deliquiumsolvirtes Weinstein=Saltz an selbigen geust / wird er wiederum zu einen lautern Quecksilber.Hieraus kan man leicht schliessen / was von dem zu haten seye / was Picus Mirandulanusschreibt, daß zu seiner Zeit geschehen seyn solle: nemlich das ein Quecksilber, so man mit vielenandern Dingen zur Artzney für ein Pferd vermischet / in pures und feines Silber seye verwan-delt worden.§. 5. Der Gebrauch deß Quecksilbers ist mancherley. Das Wasser, worein et-was von Quecksilber gegossen worden / ist ein wundersames Mittel wider die Spulwürme.Wann