Ovid. ep.
Philosophische und Politische Beschreibung408Sintemahlen:Quod caret alternâ requie, durabile non eſt.Was stets muß in Unruh gehenKan nicht in die Laͤng bestehen.Man wird nur desto frischer und munterer zur Arbeit / wann man unterweilen ruhet / und sichaller Verdrießlichkeiten entschläget.Major post otia virtus.Ein Tugend=Sinn nimmt nach der RuhAn Tapfferkeit nur mehrers zuDas Gemüth wird durch gemässigte Arbeit auffgebracht, durch unmässige aber niedergeschla-Opus est indagine longâ.Man braucht allhieViel Fleiß und Müh.Aurea qui terrae cupit eruta viscera venis,Quam sudore madet! subqʒ labore gemit!Difficiles aditus virtutis gloria praebet:Hoc opus, haec cura est, hanc reperire viam.Das Gold liegt in dem Schoß der Erden tieff verborgen;Und seine Adern sind in Abgrund hingesenckt:Drum darff man nicht um Schweiß / noch Angst / noch Arbeit sorgenWann man nach selbigem mit Fleiß zu graben denckt.Wer Ruhm und Tugend sucht / wird Dornen-Stich empfinden;Ja / auch den Weg dahin / mit herber Mühe finden.Die XI. Frage.Von dem Silber / und dem Quecksilber.§. 1.As Silber ist ein pures oder reines aus einem klaren weissen Quecksilber / undaus einem fast fixen oder beständigen reinem Schwefel erzeugtes Metall. Dero-wegen hat es eine kalte und feuchte Natur / wie auch unterschiedliche Figuren oder Gestal-ten: dann zuweilen ist selbiges wie Haar, Gestraͤuß, Baͤum, Fiſche, Schlangen, Scorpionen;auch manchmalen wie Kuglen, die mit weissen und rothen Faden umwunden seynd, oder sonstwie andere Dinge gestaltet. Im übrigen hat das Silber mehr vom Quecksilber, als vomSchwefel darum an sich / weilen es nicht nur des ersten seine Farbe führet / sondern auch / wannes schmeltzet / fast aller seiner Zufälligkeiten unterworffen ist: gestalten das Silber, so es ge-schmoltzen wird / nicht wie das Wasser oder Oehl darvon fliesset / noch sich anhänget / wann esangerühret wird: welches lauter Eigenschafften des Quecksilbers seynd. Dahero kommt es dan̄ /daß selbiges nicht so gewichtig und schwer ist, wie das Gold; und auch, so man es mit Gold undBley schmeltzet / nicht anders als ein Oehl oben schwimmet. Daß aber ein gewisser TheilSchwefel bey Erzeugung des Silbers sich auch mit einmische, ist daraus zu schliessen, weilenwann es gereinigt und gegossen wird / einem ein schwefflicher und starcker Geruch in die Na-sen dringet.§. 2. Des Silbers natürliche Vermischung ist nicht völlig und vollkommenwie des Golds. Deßwegen widersteht es dem Feuer nicht / gleichwie das Gold / wann es ge-schmol-