Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
407
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der in der obern Lufft erzeugten Dingeren; nach dem gemeinen Sprichwort: Die Tugend strebt nach hohen Dingen; welches derPoet sehr artig also beschrieben:Littera Pythagorae discrimine secta bicorniHumanae vitae ſpeciem præferre videtur:Nam via virtutis dextrum petit ardua callem,Difficilemque aditum primum spectantibus offert;Sed requiem praebet fessis in vertice summoPythagars Buchstab / der entzwey getheilet stehet /Bildt eigentlich den Stand des Menschen Lebens vor:Die Tugend nimmt den Weg / so hin zur Rechten gehetUnd schwer zu wandeln ist: dann er führt hoch empor.Doch / kommt man auf die Spitz obschon mit müden Füssen /So werden selbige dort ihre Ruh geniessen.Die Alten haben die Minervam gewaffnet abgebildet, damit anzuzeigen, daß niemand den Lor-beer-Crantz bekomme, er streite dann tapffer: deßwegen sie dieser Göttin, als beebes der Kün-sten / und Waffen Vorsteherin / auch an jehen Felsen Tempel auffgebauet / und dardurch bedeu-ten wollen / daß die Ehre der Wissenschafften und der Waffen in der Höhe stehe / und nur in gros-sen Gemüthern wohne; in denen aber, so die Arbeit fliehen, nicht zu erlangen seye: DannVirtutem posuére Dii sudore parandam.Die Götter haben es also versehen;Wer sich die Tugend eigen machen woll /Daß solches nur mit Schweiß und Fleiß geschehenUnd er nach ihr mit Muͤhe trachten soll.Dieses verstunde Kayser Maximinus wohl / der da seinen Hauptleuten / die ihn von denen allzugrossen Bemühungen abzumahnen vermeinet / geantwortet: Je grösser ich bin / je mehr will icharbeiten. Dieses verstunde Trajanus, den Plinius also anredet: Man hat die Helffte der Ar= Plin. Pa-beit und Sorgen auf dich geleget; und du hast dich darzu bereden lassen / nicht darum / weil es neg.dir in solchem Stand nach Wunsch ergehet, sondern weilen du mit vielen Schwierigkeiten mustbeladen seyn. Ja dieses verstunde auch Theodosius, von welchem sein Lob=Redner in folgende Pacat.Wort ausbricht: Gleichwie der Himmel sich unermüdet umdrehet; das Meer ohn Unterlaß ab= Paneound zulauffet; und die Sonne niemahlen still stehet; also bistu / O Kayser / ebenfalls mit unaus-gesetzten und stetswehrenden Geschäfften beständig bemühet. Nemlich / die Fürsten seynd wegendes Eyds, womit sie sich dem gemeinen Wesen verbunden, gleichsam zu der allgemeinen Arbeitgedingte Knechte. In der Königlichen Krone selbsten finden sich Sorgen=Dorne, welche dasHaupt dessen / der sie träget / immerhin stechen; und ermahnen / den Nutzen seiner Unterthanenzu suchen. Es müssen die Obere und Unterthanen einander Hülffe leisten; diese mit der Hand,jene mit dem Verstand: Keinen solle die grosse Arbeit und Mühe davon abhalten: daß durchunverdrossenen Fleiß behält man doch endlich die Oberhand: Und hat die Natur nichts so „ Curtius.hoch gestellet, wo die Tugend und Tapfferkeit nicht hinreichen könne.„ Und ob man schon,wie Fabius erinnert, das nicht unternehmen solle, was sich nicht ausführen lasset: so ist dochzuweilen der Wille ohne die Wercke zu loben; wie des Kaysers Claudii Constantini Wahl-Spruch gelautet. In grossen Dingen ist der Wille und auch dieses schon genug / daß man Reum. inwünschet / mit Tugenden begabt zu seyn. Dann gleichwie es schon straffbar ist / auf strasswür-dige Dinge zu dencken; also verdient es schon Lob genug, wann man nach lobwürdigen Din= Impp.gen trachtet. Ob gleich die Unternehmungen grosser Dinge keinen Fortgang haben / so ist nichtsdesto minder der Wille für löblich zu achten. Doch lade deinem Gemüth und Schulter nur soviel auf daß du getrucket / aber nicht nieder getrucket werdest. Es ist ein altes Sprichwort:Interpone tuis quandoque gaudia curis.Zieh deine Sorgen auch zuweilen enger ein;Und laß mit Froͤlichkeit sie untermischet seyn.Sin-