Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
396
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Philosophische und Politische Beschreibunggesenckter Gang ist, wann selbiger von der Oberfläche der Erden zu unterst sich hinab ziehet.Ein fortlauffender ist / welcher mitten zwischen der Erden=Oberfläche / und der Tieffe hinlaufft.Der ausgebreitete aber ist / so einen mercklichen Platz nach der Länge und Breite einnimt. Un-ter den gesenckten Gängen seynd abermahl einige, die eine zerschiedene Breite haben, und an et-lichen Orten bald biß auf 12. Schritt / bald auch kaum über zwey Finger sich erstrecken. Dochwerden dieselbe abermahl unterschiedlich eingetheilt: dann da gibt es gerade / krumme / schlimmeund gebogne, item überzwerch und runde; ingleichem Ostliche und Südliche, Westliche undNordliche Gänge: was aber zwischen zweyen Gängen oder Adern lieget / nennet man den Zwi-schen=Gang. Wer eine weitläuffigere Erklärung hievon verlanget, der kan bey dem Agricolanachschlagen.Uberdiß ist zu mercken / Erstlich: Die meisten Metall haben ihre Gebuhrts=Stette ingewissen Steinen: Zum Exempel in denen Feuersteinen / welche / wann sie brauner Farbe seynd /eine Gold=Ader; und so sie weiß seynd, eine Silber=Ader anzeigen. Zum Andern: Hat maneine Silber=Ader gefunden / so kan man so lang dabey bleiben und fortsuchen / biß man eine A-laun=Minera antrifft / als die das Ende und Ausgang der Silber=Ader ist; welches eben auch inden Kupffer=Bergwercken man zu beobachten hat / wann ein falscher Feuerstein zum Vorscheinkommt. Zum Dritten: In einer einigen Ader Gang trifft man zerschiedene Metallen an; sodaß in einem Stuck von einerley Materi offt Gold / Silber und Kupffer zu stecken pfleget. DasBley / wie auch das Eisen halten gar wenig Silber in sich; hergegen je mehr die Silber-Gängesich nach Norden strecken / je mehr Bley führen sie bey sich.Anitzo aber auf den andern Theil der Frage, ob nemlich durch die chymische Kunst, wannman würckende und leidende Dinge zusammen setzet / wahrhafftes und lauteres Gold gemachtwerden könne; zukommen; So halte ich für nöthig vorhero zu erinnern;Erstlichen / daß man dieser Kunst den Nahmen Alchimia gebe; welche entweder mit Auf-streuung eines wenigen Gold=Staubs das Gold vermehret; oder aber mit Hülff des Feuersaus keinem Gold ein wahres Gold machet; es geschehe hernach solches gleich durch den Stein /den sie den Weisen=Stein heissen / oder auf andere Weiß; wobey ersagte Kunst zwey Wege eröf-net: der Erste ist / daß sie Gold mit Gold vermehret; und der Andere / daß sie gantz von neuemein Gold herfür bringtZweytens: Daß ihrer Viele dieser Kunst ein sehr graues Alter beylegen: dann es wol-len einige dieselbe von dem Adam, etliche von dem Moses, andere von dem Salomo, item, vondem Hermete Trismegisto, Aristotele, Phythagora herstammend machen. Suidas vermeinet;das guldne Flüß / welches den alten Fablen nach die Atgonauten überkommen / seyen chymischeBücher / und in selbigen die Lehre vom Goldmachen auf Widder=Pergamentenen Blättern be-schrieben gewesen: Eben solches behauptet auch Lilius Giraldus von den Hesperischen güldnenAepffeln. Welches alles aber gantz ohne Grund vorgegeben wird. Hergegen ist dieses gewißPlin. lib. daß man vor den Zeiten des Kaysers Caligulæ, wie Plinius schreibet / ersagter Kunst nirgendsgedencket. Dannenhero erzehlet Suidas, daß zu den Zeiten des Kaysers Diocletiani der Egyp-33. c.4.tier Alchimistische Bücher darum verbrannt worden seyen / damit sie nicht grosse Schätze sam-len / und auf einen Abfall gedencken möchten: doch haben Paracelsus Theophrastus, Blemmydas und Geber Arabs diese Kunst wieder in Flor zu bringen sich unternommen.Drittens: Daß von ihrer Vielen betriegliche Metall=Verwandlungen vorgegeben / undder gemeine Mann dardurch hinter das Liecht seyn geführt worden: und obschon es das Anse-hen gehabt / als wann sie Gold hervorgebracht hätten, so hat man doch zuletzt den Betrug ent-deckt: dann entweder ist es ein falsch Gold; oder aber ein aus dem calcinirten Gold mit gros-sen den Gewinn weit übertragenden Unkosten heraus gezogenes Gold gewesen. Es wissen auchdergleichen Leute dem Silber / Eisen und Bley eine solche schöne Gold=Farbe zu geben / daß manes für gutes und wahres Gold ansehen mag.Vierdtens: Daß diese Verwandlung nach der Alchimisten Meinung geschehen könne,Erstens; vermittelst des Steins der Weisen; wodurch sie entweder ein Pulver, oder gemeinig-lich ein weisses / oder aber ein rothes Oehl verstehen; so sie für den Saamen des Golds ausge-ben / und demselben eine so wundersame Würckung zuschreiben / daß Augurollus in seinem Buchvom Goldmachen sich nicht gescheuet zu melden:Ipsius ut tenui projecta parte per undasAequoris, argentum si vivum tùm foret aequor,Omne vel immensum verti mare posset in aurum.Es