Philosophische und Politische Beschreibung390man gerad unter denselben gestellet / durch die Krafft des Steins über sich gestiegen / und in derLufft gehangen seye. Deßwegen kan ein Magnet / ob er auch schon bloß und nicht bewaffnetist / gleichwolen ein Eisen / daß siebenzehenmahl schwerer ist / als er selbst / an sich ziehen und hal-ten; wie Schottus in Magia Magnetica bezeuget; und ferner aus dem Kirchero erzehlet: daßein gewisser Englischer Hertzog ein kleines, und kaum zwey Loth schweres Magnet-Stücklein ineinem Ring eingefaster gehabt habe / welches von so grossen Kräfften gewesen / daß es fast einPfund Eisen an sich gezogen. Noch verwunderlicher aber ist es / daß ein Magnet nie kräffti-ger das Eisen anziehet, als wann es mit Eisen angethan und bewapnet wird: dann solcher ge-Kirch. in stalten vermehret er seine Krafft/ und behält sie auch länger. P. Kircher führet dessen ein merck-Append. würdiges Exempel an / wann er schreibt: Der berühmte Magnet des Hertzogs zu Florentz / derad I. 1. & mit Eisen bewapnet seye / und an einer kleinen Kette in der Lufft hange / wäge 29. Pfund; könneabor 65. Pfund Eisen anziehen und halten: Martinus Mersennus berichtet; er wisse einen Mag-2. art.neten, welcher bloß und unbewapnet nur ein Loth Eisen; bewapnet aber 10. Pfund, und alsomagn.drey hundert und dreyssigmahl mehr / dann unbewapnet an sich ziehe. Fast unglaublich ist es /Mersen.was P. Schottus erzehlet / und betheuret; und Carolus du Lien mit dem Gezeugnus GeistlicherTom. 1.Personen / als er zu Rom war / dargethan: nemlich er habe zu Lion in Franckreich einen 5.Op. math.Pfund schweren / und mit einem Stahl=Blech bewapneten Magneten; selbiger hange an derTract. deDecke des Zimmers herab, und seye von so ungemeinen Kräfften, daß er einen eisern Nagelmagnetoder ein anderes langes Eisen, welches man der Länge nach von ferne gegen ihm halte mit sol-cher Gewalt an sich reisse, daß kaum 2. oder 3. Männer dasselbe zuruckheben könten; ja er haltedasselbe / nachdem er es an sich gezogen / dermassen fest / daß es von 10. oder mehr Männern mitangelegten Stricken / nicht möge hinweg gezogen werden; so fern sie nemlich gerad unter sichziehen: und dahero seyen ihm die gröste Gewichter / die man an das lange Eisen weiter anhengenicht zu schwer; einfolglich auch wohl zu glauben / daß er einen gantzen geharnischten Mann zusich in Höhe ziehen und halten könne.Hier dörffte man einwenden und sagen: Der Magnet ziehet nicht immerdar das Eisenan sich; dann wann man ihn mit Knoblauch=Safft, oder Bocks-Blut bestreichet, verliehrt erseine Krafft / und ziehet hernach kein Eisen an; Jtem; so man einen Diamant neben ihn hinle-get / höret er gleichfalls auf / das Eisen anzuziehen / wie Augustinus vermeldet. Ich antworteAugustaber hierauf; daß dieses / so wir von einer Antipathi oder widrigen Natur herzurühren meinenl.21. deC.D. c. 4. möchten / zufälliger Weiß geschehe: Obwohlen Cardanus es widerspricht / daß der Magnet vonder Anziehung des Eisens durch den Diamant / oder durch den Knoblauch und Zwibeln verhin-dert werden könne.Die zweyte Würckung des Magneten ist; daß ein Eisen, so mit diesem Stein gestrichenwird / eben solche Krafft empfahet / und auch lange Zeit behält / ein anderes Eisen anzuziehen; der-gestalten daß man öffters eine Kette von Ringen an einander hangen siehet; worüber sich er-deuter Augustinus nicht unbillich verwundert / wann er spricht: „Wen solte nicht des Steines„Krafft erstaunend machen? welche nicht allein sich in demselben erzeigte / sondern gleichfalls„durch so viel auffgehengte Dinge hindurchgedrungen / und sie mit unsichtbaren Banden ge-„fesselt hat.Die dritte Würckung ist; daß eine Nadel / die mit dem Magnet gestrichen wird / sich alle-zeit gegen Norden wendet; und wann sie auf ihrem Mittel=Punct ruhet, den Nord=Pol anzei-get; wie solches an dem See=Compaß und kleinen Sonnen=Uhren wahrzunehmen. Es ist aberdoch dieser Magnet=Nadel Abweichung um so viel geringer als selbiger Erd=Strich dem Æqua-tor oder Gleicher naͤher liegt: dann unter dem Gleicher bleibt der Magnet vollkommlich in derGleich-Waage stehen. Dahero haben auch die Schiff-Leute erfahren / daß die Spitze desSee=Compasses an gewissen Orten auf den Nord=Pol zeige; als zum Erempel in der Meer-Enge / wo man den Æthiopischen Meer nach dem Ost=Meer in der neuen Welt durchfähret;anderswo aber, nach dem Unterschied der Oerter und Länder, bald links, bald rechts entwedernach Osten oder Westen sich wende, und von der Mittags-Lini abweiche.Die vierdte Würckung ist; daß eben einerley Magnet die Krafft hat, an einer Seitendie schwebende Nadel-Spitze gegen Norden, und an der andern Seite sie gegen dem Sud-Polzu treiben: dann ein jeder Magnet hat gewisse Angeln oder Puncten / welche aus eignem Natur-Trieb, wann er, der Magnet, in der Lufft schwebt, nach denen Welt-Angeln sich wenden: manverstehet aber unter solchen Angeln oder Puncten diejenige Lini / so des Magnets Achse ist / undmit der Welt=Achse überein kommt.Die fünffte Würckung ist; daß an dem Magneten die Anziehungs=Krafft sich grösser inden Angeln / dann an seinen andern Theilen erzeiget.Die sechste Würckung ist; daß die zärteste Eisen=Feyel=Spän / wann sie auf ein Papier-unter dasselbe aber ein Magnet gelegt wird / von selbsten sich in Ordnung stellen / oder solcheZirckel=
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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