der in der obern Lufft erzeugten Dinge.Zirckel=Theile machen / die hin und wieder bey denen Magnets=Angeln oder bey dem unter sel-bigen Angeln liegendem Theil zusammen lauffen. Hergegen / wann man mit dem Magnetselbsten die Eisen=Spän berühret / siehet man / daß an beeden Magnet=Angeln gleichsam kleineBärte aus ersagten kleinen Feyel=Spänen Faden=weiß sich anhengen und zusammen halten.Ist noch übrig / daß wir auch die Ursach dieser Magnetischen Krafft untersuchen / die biß-hero kaum durch Menschlichen Verstand hat können ergründet werden: dann man findet diß-falls fast so viel Meinungen als Köpffe. Diejenige fabulieren welche vorgeben; der Magnethabe ein Leben: dann nur das hat ein Leben / was sich selbsten beweget; und nicht / wodurch et-was anderes beweget wird. Andere aber lassen sich beduncken; das Eisen werde vom Magnet,als von einer End= und nicht als von einer würckenden Ursache angezogen: welches jedoch dar-um nicht seyn kan / wie S. Thomas recht beobachtet / weilen die End=Ursache durch keine Entle= S. Thom.genheit des Orts verhindert; das Eisen aber nicht ohne Unterschied / sondern nach dem es nahe 7. phys.oder fern stehet / angezogen wird. Libavius legt dem Magnet eine pechige Natur bey / die durch text. 10.eine gleich=ähnliche Vermischung / Krafft welcher einerley Uhrstände im Eisen sich zusammen fügen / mit besagtem Eisen eine besondere Verwandtschafft bekommen. Beyde / meldet er ferner / „ Libav. l.1.haben einen eisern und pechigen Geist mit einander gemein; der aber wegen der verschiedenen, de bitum.Mischung oder Gerinnung nicht stets fort und so starck aus dem Eisen / wie aus dem Mag=, c. 12.net ausgehet.„ Einige schreiben auch diese Anziehungs=Krafft einer verborgnen Form bey;und andere wollen selbige einer mutuellen Übereinstimmung der naturlichen Dinge zugelegtwissen: da es dann scheinet / daß alle diese Leute zu der sympathi oder natürlichen Neigung desEisens und des Magnets nicht ohne wahrscheinlichen Grund hierinn ihre Zuflucht nehmen.§. 3. Es ist dannenhero der Wahrheit nicht unähnlich / daß das Eisen wegen dersympathi oder Wesens-Gleichheit von dem Magnet angezogen werde. Dann diesersehr harte Stein ist dem ungestalten Eisen-Metall so geneigt / daß er selbiges zu sich reisset:Gleichwie der Agt=Stein, der gelbe Rubin und der Diamant die Stroh=Hälme, das Berggründas Gold / das Quecksilber die Gold-Blättlein an sich ziehet; item das Filtz=Kraut die schwartzeGalle / und der Lerchen=Schwamm den Speichel zum Auswurff beweget; also ist es eine sym-bathi und natürliche Neigung / die das Eisen an den Magnet=Stein ziehet: gestalten man auchdarfür hält / daß ein jedes Ding zufolge der Wesens=Gleichheit eine eigne und besondre Nah-rung suche; so daß das Eisen / weilen es gleichsam des Magnets Speise ist / von diesem letzternangezogen wird: dann der Magnet / wie bereits gemeldet / wird am besten in den Feyl=Spänenerhalten / ja selbsten ernähret: inmassen man wahrnehmen wird / daß / so er eine Zeitlang darinngelegen / er einen Theil darvon verzehret habe. Wiewohlen solches in weitläuffigem Verstandzu verstehen ist; indeme das Eisen=Feilach eben den Magneten nicht wahrhafftig nähret: dannweilen er kein Leben hat / so kan er auch keine Nahrung haben; sondern wie die Elemente nachihren Orten / als zum Endzweck und Vollkommenheit / sich wenden; also wird auch der Mag-net / da er sich in dem Eisen=Feilach erhält / und gleichsam ernähret / nach dem Eisen bewegt undgetrieben.Allein / es ist noch eine schwere Frage obhanden: wie nemlich der Magnet mittelst dersymphathi in das Eisen würcke? ob er durch eine verborgne eingesenckte / und ausgebreitete Ei-enschafft das Eisen bewege; oder aber ob er nach etlicher Meinung durch eindringende subtileCörperlein / gleichsam als mit Hamen und Hacken / dasselbe anfasse / binde und anziehe? welchesletztere aber sich nicht wohl behaupten lasset: dann / so man das Eisen mit einem Magnet streichet / so wird selbiges auch ein anderes Eisen an sich ziehen / und doch alsdann die Cörperleinund untheilbare Substantien nicht von sich auslassen: ja vielmehr/ wann es solcher gestalten ge-strichen worden / sich nach Norden wenden: so aber schwerlich dahin mag auszulegen seyn / alswann die Cörperlein aus dem Nord=Pol ausfliessen müsten. Deßwegen muthmassen wir nichtohne Ursach; diese verwunderliche sympathi des Magnets und Eisens bestehe darinnen / daß dasEisen von dem Magneten durch eine eingetruckte Eigenschafft / die nur das Eisen / und nicht auchandre Metalle beweget / verändert wird; mit welcher Eigenschafft das Eisen / wanns es geschwän-gert ist / in der Lufft schwebet / nach Norden sich wendet / und nicht eher ruhet / als biß es denNord⸗Angel gefunden.S. 4. Sonsten ists auch nicht unglaublich / daß die gantze Erd-Kugel selbsten eingrosser Magnet seye; wie Gilbertus darfür hält / welcher hergegen den Magnet eine kleineErde bitittelt: oder daß der Kern der Erd-Kugel selbsten ein wahrhafftiger Magnetseye / wie P. Zuchius mit mehr andern der Meinung ist; oder daß das pure und inwendigeErdreich gantz magnetisch seye, wie die Cartesianer meistens vorgeben: oder daß das Ele-ment der Erden auch in seiner Oberflaͤche ohne Unterscheid eine magnetische Kraffthabe / wie Cabaeus behauptet. Und dieses alles kan Erstlich daraus geschlossen werden / weilendas Eisen=Werck / wann es bloß auf die Erde gelegt wird / und selbige berühret; eine magnetischeKrafft
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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391
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