Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
389
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der in der obern Lufft erzeugten Dinge.man aber einander mit Dienstgefälligkeit begegnet / so werden die Gemüther in guter Einigkeiterhalten.In pretio pretium est.Was hoch am Werth /Wird hoch verehrt.Plurima qui pretii cimelia possidet ampli;Quàm cautè cistis ille recondit ea!Utilius nihil est, cùm sit tibi fidus, amico:Sedulus hunc serves; hunc & amore colas.Ein kostbares Geschmeid / daran man nichts gespahret /Was einen hohen Werth demselben bringen kan /Wird auf das fleissigste mit Riegelen verwahret /Und an verschloßne Ort zur Sicherheit gethan.Hastu getreue Freund / die tapffer zu dir setzen;So soltu selbige weit über Perlen schätzen.Die VIII. Frage.Von dem Magnet=Stein.On dem Magnet, als einem in der Natur erstaunlichen Wunder aller Steine, einemVerwandten des Eisens / und Freund des Gestirns / haben ihrer Viele so vieles geschrie-ben / daß nichts mehr übrig ist / so davon könte gemeldet werden; als da seynd der Pli-nius, Theophrastus, Salinus, Scaliger, Gilbertus, Cabaeus, Kircherus, Grandamicus,Zuchius, Cartesius, Nierembergius, Forerus, Dandinus, de Chales und mehr andere. Allein,weilen unser Wercklein diesem verwunderlichen Stein zur Ergäntzung der Materi auch gern ei-nen Ort gönnen will / so haben wir uns vorgenommen / in gegenwärtiger Frage insonderheit vonselbigem zu handlen / und dabey fürnemlich / jedoch in Kürtze / drey Stucke zu untersuchen: Erst-lich was er seye? Zum Anderen / was er würcke / oder was er für Eigenschafften habe? und zumDritten wie er seine Würckungen verursache oder woher dieselbe entspringen?§. 1. Der Magnet ist ein Stein / dessen Farbe sich auf Himmelblau neiget / und Aristol. 7.der aus natürlicher Krafft das Eisen an sich ziehet. Man nennet ihn Magnet; weilen Phys. Scal.die Landschafft Magnesia an solchen Steinen einen Uberfluß hat: wiewohlen die Scribenten Exerc.131.melden / daß sie auch anderwerts häuffig gefunden werden; absonderlich aber in der Insul Il-va in Mohrenland / und in dem innersten Indien; allwo die Schiffe / dem Bericht nach / wannsie allzunah an das Ufer anfahren / und nicht mit höltzern Näglen versehen sind / durch die Ge-walt der Magneten / die alles Eisen heraus ziehen / zuscheitern müssen. Einige hergegen vermei-nen / der Magnet habe den Nahmen von seinem Erfinder / einem Hirten in Indien / überkommen.Andere betitlen ihn auch den Herculischen Stein / weilen er eine so grosse Gewalt über das Ei-sen hat. Ihme ist sehr viel metallische / und Stahl=Materi untermischt: wie es diejenige erfah-ren / welche vermittelst der Chymischen Aufflösung Stahl aus dem Magnet gezogen. Sonstenhat er auch nicht einerley Farbe; den achtet man für den besten / welcher etlicher Himmel=blau,oder Eisenfarbig aussiehet: der weisse aber ist der schlechteste. Er hat keine eigentliche natür-liche Figur; und liegt viel daran / daß ihme selbige durch Kunst gegeben werde: dann ein unge-formter Magnet ziehet nicht starck an; wann er aber eine oval oder langlecht=runde Figur hat /so wuͤrcket er am kräfftigsten.§. 2. Die erste Würckung des Magnets ist diese / daß das Eisen von ihm gleich-sam mit verborgnen Ketten angezogen / und in der freyen Lufft ohne einige Unterstü-tzung gehalten wird. Es erzehlet Ruffinus, daß zu Alexandria in dem Tempel Serapidis ein Ruffin. I.aus dem reinesten Eisen künstlich gemachtes Sonnen=Bild gestanden, und oberhalb denselben u. Hist.an der Decke ein Magnet fest gemacht worden; da man dann gesehen / wie das eiserne Bild / so Eccles.Ccc3