Philosophische und Politische BeschreibungSteine zu verwahren pfleget: dann was einen hohen Werth hat / das verehret man auch hoch.„Derjenige hat sich in diesem Leben den besten Hauß=Rath angeschafft / nach des Senecæ Mei-„nung; der sich gute Freunde gemacht. In denselben hestehet der Könige beste Schatz=Kam-mer; allwo nemlich so viel unschätzbare Diamanten funcklen / als getreue Diener und klugeRathgeber, so der Fürsten fürnehmste Freunde seyn, sich um dieselbe finden. Mit solchen Dia-manten wird ein Kron und Zepter den Unterthanen zur Forcht / und den Feinden zum Schre-cken ausgezieret: und der Purpur kan nicht vortrefflicher gläntzen / dann so er mit Carfuncklenguter Freunde besetzet ist. Deßwegen König Mielpla auf seinem Tod=Beth dem Jugurtha unddenen Königlichen Kindern gantz weißlich diese Lehre gegeben: „Der Schutz eines KönigreichsSallust.„beruhet nicht auf Arméen und Schätzen / sondern auf getreuen Freunden. Wann ein FürstJugurthsich ihrer klugen Gesellschafft bedienet / erwirbt er sich dardurch auch eine Klugheit; und wirddurch ihren guten Rath der Feinde Macht so wohl / als durch das Schwerdt zerbrechen. „Dañ /Tac. 1.„was meinet ihr? (so redet der Kayser Otto seine Mit-Burger an) soll diese schöne Stadt auf„ihren Häusern und Stein-Hauffen fest gegrundet stehen? Diese stumme und leblose Dinge„können verfallen und von einander getrennt werden: aber die Beständigkeit derselben / ja mein„und euer Heil beruhet auf der Wohlfahrt des Raths. Es muß immer einer dem anderen zuHülffe kommen. Wir seynd in unsern eignen Sachen blind; und wissen uns öffters nicht zurathen. Eine Meinung / die man bey sich selbsten führet / und von niemand anderem auch gebil-liget wird / fehlet leicht und hat keine Würckung. Dieses erfuhr Kayser Octavianus wohl / wel-cher dem Regiment vier und viertzig Jahr lang im höchstem Fried und Ruh vorgestanden / undsich dabey des Raths seiner getreuesten Freunde / des Mœcenatis und des Agrippæ, bedienet.Als aber dieselbe mit Todt abgegangen / muste er offt mit Thränen ansehen / wie sich das Glüc-seines Reichs so schnell verändert habe; so daß er manchmahl ausgeruffen: „Diß oder jenes„waͤre mir nicht begegnet / wann der Mecœnas und Agrippa noch gelebt haͤtten. Dannenheroim Glück und Unglück nichts zuträglichers seyn kan, als wann man Gelegenheit hat, bey ge-treuen Freunden sich guten Raths zu erhohlen / und mit ihnen sich zu bereden. Doch soll manselbige auch nicht ungefehr hin und unbesonnen auswählen; gestalten Seneca erinnert: „Be-„dencke dich wohl, biß du jemanden zum Freund annehmest; gefällt er dir aber, so vertraue„dich ihm von gantzem Hertzen; und rede so kecklich mit ihme / gleichwie mit dir selbsten. Gleich-wolen muß dich die Menge der Freunde nicht unvermöglich machen. Es ist unsicher / ihrerCassiod. vielen ein Geheimnuß zu vertrauen: Die Gedancken des Königs / wie Cassiodorus sagt / sollennur die Klügste wissen. Es seynd die Freunde aber so rar / daß man wohl mit ihnen nicht über-häuffet wird: Wovon der Poet sich hören lässet:Millibus ex multis unus vix fidus amicus;Ouvenus.Hic albo corvo rarior eſſe ſolet.Aus tausend Freunden kan man schwerlich einen findenAuf dessen Treue man sich zu verlassen hab:Ein solcher ist so rar / als wie ein weisser Rab /An dem die schwartze Farb soll abgehn und verschwinden.Der soll dir lang bekannt seyn, dem du das Deinige; und noch länger derjenige, dem du dichselbsten vertrauen willt. Hastu aber dir einmahl einen Freund ausersehen, so behalte ihn beständig; und verwechßle ihn mit keinem neuen: welches auch Syrach widerrathet: „Verlasse„deinen alten Freund nicht; dann der neue wird ihm nicht gleich seyn. Ein so edles Band lastsich nicht gleich in einem Augenblick verknüpffen. Die Freundschaffts=Ketten werden nur durchdie lange Zeit fest gemacht. Hieher gehört / was Cicero schreibet: „Die älteste Freunde sollen„(wie ein alter Wein) die liebste und angenehmste seyn: dann man muß mit Freunden nicht„wie mit Blumen umgehen, welche man nur so lang gerne hat, als sie frisch seynd. Jedochgegen einem versöhnten Freund hastu dich behutsam zu verhalten. Man erinnert sich immerdarder Beleidigung. Ein Edelgestein verliehrt seinen Werth / wann er einen Riß bekommen: undein Flecken, der sich in den Christall gesetzt, wird nicht leichtlich mehr heraus gebracht. Eine Be-Sophoel. leidigung lasst sich schwerlich vergessen; nach des Tragædien=Schreibers Ausspruch: Das Al-Oedip.ter erzoͤrnet sich nur über den Todt. Gleichwohlen aber will ich auch nicht / daß du wegen dervorigen Beschimpffung einen Haß im Hertzen tragest; sondern du solt mit einem versoͤhntenFreund also umgehen, daß du glaubest, er könne wieder dein Feind werden. Ich rathe dem-nach nur zu einem fürsichtigen Mißtrauen; und verdamme dabey alle Falschheit und Heucheley.Im übrigen lebet man ebenfalls in Freundschafft / wann man weicht und nachgibt. Wer leicht-lich seines Freundes Treue in Zweiffel ziehet / der gibt Anlaß zu Forcht und Mißtrauen: Wann
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Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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