der in der obern Lufft erzeugten Dinge.Vermischung entstehet; das ist / die Theile der vermischbahren Dingen seynd sehr genau unter-schieden / durchseihet / und an einander gehengt. Seine gewohnliche Glättigkeit zeigt an / daßseine Theil über die massen genau mit einander verbunden und vereinigt seyen: dann wo sichweite Lufft-Loͤcher finden / wie in dem Dufft= oder Binsen=Stein / auch andern groben Steinen /da bekomen die Cörper eine Rauhigkeit. Wegen seiner Dichte und Kälte ist der Marmor garschwer zu hauen / und zu schleiffen; zur Verwahrung der Salben und des Gewürtzes aber sehrbequem und nutzlich zu gebrauchen. Des Marmors gibt es unterschiedliche Gattungen ab / nachdem sich nemlich unterschiedliche Farben und Flecken an demselben zeigen; doch seynd die für-nehmste diese: Der Alabaster; der gesprengte oder bunte; und der Porphir= oder rothe Mar-nor=Stein. Der Alabaster ist ein durchsichtiger weisser Marmor, woraus Büchsen zu wohl-riechenden Salben gemacht werden. Der gesprengte oder bunte Marmor hat allerhand Fle-cken wie die Schlangen. Der Pophir oder rothe Marmor ist mit rothen und weissen Fleckenuntermischt. Diese unterschiedliche an den Marmor=Steinen ausgetheilte Farben / man nennesie gleich entweder Adern oder Flecken / entspringen aus des Saffts ungleicher Durchseihung;da selbiger durch unterschiedliche Seihen und Siebe durchdringen muß. Und hat man desseneine Gleichheit an der Milch / und dem Blut; deren unterschiedliche Farbe auch aus ihrer unter-schiedlichen Durchseihung herkommet. Im übrigen wird ebenfalls billich behauptet / wie inder vorhergehenden Frage gemeldet worden / daß von dem unterschiedlichen mineralischen Safft /oder mineralischen Aushauchung / die vor der Gerinnung sich in den steinigten Safft hineinziehet / die unterschiedliche Farben verursacht werden: welches man dann darmit erhärten kan /daß die meiste Steine durch die Gewalt der Hitze ihre Farbe verliehren: woraus zu schliessen / daßsie von aussen hinein gekommen / und nicht zu der innersten Natur der Steine gehöre.Wird gefragt: Wie man den Marmor schleiffe, poliere oder glatt mache? AntwortEr wird mit Sand poliert / und glatt gemacht; als durch dessen Anreibung die erhobne Theilesich hinweg trucken lassen: Dann / nachdem man die grössere Theile wegen ihrer Härtigkeitnicht abstossen kan, so werden durch die Anreibung des Sands die kleinere Theile weggenom-men; indeme diese leichter denn jene hinwegzubringen seyn. Man bedient sich aber auch desWassers dazu / damit der Sand dardurch befeuchtet und erweichet werde / und sich desto ehenderin die Tieffungen / so man wegzuschleiffen hat / hinein legen möge.§. 2. Der Wetz Stein ist ein dichter / rauher / und aus Körnlein bestehenderStein / woran man das Eisen zu schärffen pfleget. Von solcher Art ist auch der Probier=Stein /auf welchen man die Metallen streichet, und ob sie gut oder falsch seyen, erkennet. Derjenigewird für den besten gehalten / welcher alsbalden schwitzet / und wieder trucken wird / wann ihn einMensch anhauchet. Er ist wegen seiner festen an einander=Hafftung über die massen hart; undhat wie die zarteste Feile die allerspitzigste Zähnlein / welche wegen ihrer Subtilität nicht gefühletwerden. Sonsten begiesset man den Wetz-Stein mit Wasser / wann man ein Eisen daranschleiffet: dann das Wasser ebenet das gröbste und rauheste; so daß wo dieses nicht geschehe,die Theile allzu sehr verderbet würden; ja damit der Wetz=Stein desto sänffter das Eisen schärf-sen möge / so giesset man Oehl darauff. Zu des Theophrasti Zeiten ward ersagter Stein aufdem Berg Tmolus gefunden; heut zu Tag aber findet man ihn auch in den Regen=Bächenzu Hildeßheim und Goßlar.§. 3. Der Kießling ist ein dichter Stein / und härter als der Marmor: Er hatunterschiedliche Farben / und wegen der zerschiedenen Beschaffenheit der Theilen / die sie von derDurchseihung überkommen / eine mit Durchsichtigkeit vermischte Dunckelheit. Wann er weg-geworffen wird / so springet er mit Gewalt wieder zuruck; und zwar wegen seiner Härte / Krafftwelcher er weder nachgibt / noch zerbrechlich ist. Wird mit einem Eisen auf ihm geschlagen / sospritzet Feuer heraus: dahero rechnet man ihne unter die Art der Steine / die Feur=Steine ge-nennet werden / aus welchen man mit dem Stahl Feuer zu schlagen pfleget. Etliche KißlingSteine lassen sich auch wegen des untermischten gläßrigten Saffts schmeltzen.§. 4. Die loͤcherige Steine seynd diejenige / so aus einer nicht fest=zusammen ge-setzten Materi bestehen / und deren Theile nicht wohl an einander hängen: Als da sindder Dufft= und der Binsen=Stein. Dieser letztere Stein ist sehr dünn oder luck/ und wie einSchwamm durchlöchert; und weilen seine Löcher mit Lufft ausgefüllet seynd / so schwimmet er oldem Wasser / und dienet denen schwimmenden Insuln zum Grund. Er nimmt gemeiniglichseinen Wachsthum von der grossen Hitze her / und wird dahero von den Feur-speyenden Ber-zen ausgeworffen. Er ist sehr bequem / etwas damit glatt zu machen: dann durch seine Rau-gkeit und zerstossenen Sand ebenet er die hervorragende Theile des Marmors. Der Dufftist ein steinern Schwamm / aber dicker und schwerer als der Bimß=Stein; deßwegen schwimmeter nicht wie selbiger auffm Wasser. Er wächst mittelst der Durchseihung zusammen; dannwann das Wasser abfließt / so bleiben die steinern Theile zuruck; gestalten man gemeiniglich gan-Bb b
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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377
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