Philosophische und Politische Beschreibunghergegen in den Metallen sich gerad das Widerspiel ereignet; und deßwegen braucht es Müheund Arbeit / wann sie mit dem Hammer sollen aus einander geschlagen und gedähnet werden.Zum Vierdten: Woher die Grösse und der Unterschied der Steine entspringe? Ant-wort: Theils aus dem Unterscheid der Materi / und theils aus der Beschaffenheit des natürli-chen Orts oder Lagers: dann die Steine werden alsdann groß / wann der Ort fest und vollSaffts ist: wann aber der Ort viel Oeffnungen hat / so verfliegt die Hitze durch dieselbe / und zer-theilet die Materi / daß die Steine zu keiner Grösse erwachsen können.Zum Fünfften: Wo der Ort der wachsenden Steinen seye? Antwort: Derselbe ist un-terschiedlich: dann Erstlich seynd die Stein=Brüche ihr eigentlicher Ort. Zweytens / wachsen et-liche Kiesel=Stein und die Corallen in dem Wasser. Drittens / findet man in dem MenschlichenLeib offt Steine / grösser als ein Ey: Item Vierdtens / in andern Theilen eines belebten Leibs /als in dem Kroten=Haupt / in den Krebsen / und so fort; und Fünfftens werden in der Wolcken-Gegend auch Steine / das ist / Donner=Keule / davon oben Bericht beschehen / formiret.Zum Sechsten: Zu was Ende die Steine von der Natur angeordnet seyen? Antwort:Erstlich, damit die Erde desto fester stehe: dann sonsten würde sie gar leicht von der Feuchtigkeitzertrieben und erweichet werden. Zweytens / damit das ungestümme Meer an denselben einenstarcken Damm und Vormaur haben möge; ohne welche Vorsicht die See schon längsten diemeiste Länder überschwemmet hätte. Drittens, daß sie zur Bau-Kunst dienen sollen; gestaltenaus den Steinen die gröste Palläste / und Brücken auffgeführet werden. Vierdtens / daß sie zurAuszierung der Welt behülfflich seyen: dann wer siehet nicht / was nebst den Edelgesteinen dieunterschiedliche und bunte Marmor denen Gebäuden / und absonderlich den Kirchen für eintreffliches Ansehen und Zierde machen? der Bild=Säulen und andere Kunst=Stücke anitzo zugeschweigen. Und Fünfftens / daß sie an denen Bergen der festeste Theil / und ihnen gleichsaman statt der Gebeine seyen.Politische Schluß=Rede.Man solle die alte Gesetze erneuern / damit sie wieder inAuffnahm kommen.ALle Dinge verfallen durch das Alter; und die Zeit, so alles verzehret, schonet auch desGolds nicht. Das Alterthum hat die gröste Stärcke und Gewalt / sagte der beredtesteunter den Römern. Das Eisen wird allgemach von dem Rost gefressen; und die Pallä-Laelio.ste / welche man der Ewigkeit gebaut zu haben vermeinte / stehet man nach und nach abgenutzetund verfallen. Was lange Zeit gestanden, daß muß endlich vor eignem Alter zu Boden sin-cken.Et mala per longas invaluére moras.Ovid.Wie manches Ubel hat an Wachsthum zugenommen;Weil man in Zeiten nicht demselben vorgekommen!In dem gemeinen Leben pflegt man diese Vorsicht anzuwenden / daß / wann ein Hauß einfallenArist. 14. will oder der Grund nichts tauget / man sogleich dem Ubel begegnet / und die nöthige Ausbesse-Poli. c. 4. rung veranstaltet: dann einem klugen Mann stehet zu / daß er dem Unheil im Anfang vorbeuge.Die Gesetze und Gewohnheiten seynd das Fundament eines erbahren Lebens: auf diesen steheteine Republic wohl gegründet; durch sie wird die Wohlfahrt des gemeinen Wesens erhaltenund fest gestellt; und die Maur des Politischen Cörpers auffgebaut; ja auf diesem Grund ruhetein gantzes Königreich. Die Zeit selbsten ist eine Motte, so die Gesetze anfrißt; oder die boß-haffte Schwachheit der Menschen ist der Æolus, der die Gesetze und Ordnungen aus dem Grundbeweget / und umzukehren suchet. Ein vorsichtiger Welt=Mann begegnet dem Ubel dergestal-ten / daß er selbiges noch in seinem Saamen unterdrücket; er siehet sich bey Zeiten nach den Ge-gen=Mitteln um; und wann man anfangen will / die Gesetze zu beugen / so ersticket und zerstosseter die Eyer des daraus entspringenden grossen Schadens noch in dem Nest: Er reutet das Un-kraut aus, wann es beginnt hervor zu wachsen: Er verhütet den ersten Gesetz-Bruch, damitnicht ein völliger Einfall oder Sturtz erfolge. Wer nicht sehen will / daß sein Hauß dem Bo-den gleich gemacht werde / sorget fleissig / daß selbiges keine Risse gewinnen möge. Wann dasPlat. I.1. Gebäud der Republic zu sincken schemen will / so versiehet sich ein Regent mit Kalch / das ist / mitGesetzen: dann die Gesetze seynd Bande der Republiquen, sagte Plato. Ein Stein wird mitde legdem andern durch den Mörtel; ein Tuch=Fleck mit dem andern durch die Nath; und die Bür-gerliche
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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374
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