Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
373
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der in der obern Lufft erzeugten Dinge.Zweytens: Daß die meiste Steine durch die Anwachsung oder Anlegung / auch in denStein=Brüchen und Gruben grösser werden: das ist; es kommen immerdar zu den gewachse-nen Steinen neue steinerne Theile hinzu / und hengen sich an dieselbe. Doch nehmen etlicheSteine zu / vermittelst einer wiewohl nicht zum Wachsthum gehörigen Auff= und Einnehmung;da der Steinmaͤchende Safft durch die innerliche Gaͤnge des zusammen geronnenen Coͤrpersgleichsam durchgeseihet und eingesogen wird: und siehet man dessen eine Gleichheit an einermit Gyps ausgefüllten Röhre; inmassen daß unter derselben stehende Wasser dardurch ausge-sogen wird / und über sich steiget; welches auch bey den Chymischen Filtrirungen / den Haar-Röhrlein / und dem Gold=Zain / der Quecksilber eingesogen / zu geschehen pfleget: dann hierauskan die Auff= und Einnehmung / wobey sich keine wachsende Krafft befindet / gar geschicklich er-kläret werden: beydes aber last sich / wie Hamelius anmercket / durch die ungemessene Figur der Hamel.Steine leicht besteiffen: dann es bekommt ein Cörper schwerlich eine gewisse und ordentliche Phys.part.Figur. Solchergestalten findet man bißweilen in denen Kiesel=Steinen andere helle aus einem 2. tr. 3.remern und durchgefeihten Safft zusammen geronnene Stemlein eingeschlossen; bißweilen sie= de fosstl.het man sie an andern angewachsen / und ihrer etliche zugleich / so zu reden / aus einer einigen c.5.lutter hervor kommen. Dahero werden zuweilen so gar in dem Demant selbsten Fugen undserlein wahrgenommen / nach welchen ein Künstler selbigen überzwerch durchschneiden könte.In unsern gemeinen Stein=Brüchen / wo man grosse Stein=Stücke ausbricht / finden wir öff-ters etliche Stein=Blatten gleichsam auf einander geleimt und gefügt: welches auch an denenSteinen beobachtet wird / die in denen Thieren wachsen; als da ist der Wunder=kräfftige Stein /den man aus dem Leib der Indianischen und Persischen Geissen zu nehmen / und den Bezoar zu nen-nenpfleget; ingleichem derjenige / welchen man in der Galle der Ochsen mit grossem Fleiß suchet:dann die meiste dieser Steine wachsen also / daß immer eine Haut über die andere sich herziehet.Fragt sichs / Erstlichen: Woher der Steine ihre Figur komme? Antwort: Die Chymi-sten holen selbige von der tormirenden Krafft her: Andere hergegen schreiben sie einer trefflichgenauen Durchseihung bey / mittelst welcher die Theile einer einigen gewissen Figur zusammengesammlet und gehäufft werden; so aus der viereggichten Christallisirung des gemeinen Sal-tzes abzusehen ist: Einige aber vermeinen / diese Figur entstehe von dem Lager des Orts: dannder Stein=machende Safft nimmt die Figur seines Orts oder Lagers an; und ist dahero nichtnöthig / daß man seine Zuflucht zu dem Steinmachenden Geist habe / oder andere zur Besaamunggehörige Ursachen anführe. Jedoch rühren nicht alle Figuren aller Steine von ihrem Ort her;sondern sie entspringen theils von dem Ort selbsten / weilen die Materi sich nach ihme / als demGefaͤß der Figur richtet; und theils von der Zerschiedenheit der Hitze oder der Materi. Deßwe-gen hat Hamelius die runde Form der Steine einer gleichen Hitze / so die Feuchtigkeit austreibet /und die ihr ähnliche Materi unter sich bringet / beygeschrieben: wie dann die runde Steine auseinem kleinen Anfang ihren Wachsthum nehmen; es seye gleich hernach / daß der Safft ihnenin einer steten Gleichheit zufliesse / oder daß er aus den kleinesten Sand=Körnlein zusammen ge-rinne. Wann aber die Feuchtigkeit nicht von der Hitze; sondern wegen einer andern Ursacheausrauchet / so sagt dieser Author, daß alsdann die Steine allerhand Ecke gewinnen; nicht an-ders / als der Salpeter und andere Saltze mit unterschiedlichen Spitzen geformet seynd: sinte-mahlen / wann die Feuchtigkeit allgemach einwerts dringet / die leichte Theil hernach sich heraus-werts begeben / und spitzig werden.Zum Andern: Woher die unterschiedliche Farben in denen Steinen entstehen? Ant-wort: Aus der unterschiedlichen Durchseihung des Stein=werdenden Saffts; wodurch derSchatten und das Liecht unterschiedliche Grad / das ist Ab=oder Zunahm erlanget. Die Gleich-heit hievon findet sich an den Blumen / woran man allerhand Farben erblicket / die alleinig vonder unterschiedlichen Durchseihung des Saffts herkommen. Im übrigen ists unwidersprech-lich Erstlich; daß / je mehr der Stein=Safft aus reinen Saamen=Theilen bestehet / je heller unddurchscheinender die Steine werden; je unreiner aber ihre Vermischung ist / je tunckler sie auchanzusehen seyn. Zweytens; waltet auch ausser allem Zweiffel / daß öffters mit dem Stein=Safft /wann er noch flüssig ist, sich ein so oder so gefärbtes Mineral vermischen, und derselbe einfolg-lich eine fremde Farbe annehmen könne; wie dann die unterschiedlich=farbige Edelgesteine ge-meiniglich nicht weit von den Minern und Ertz=Gruben gefunden werden: dahero auch unter-weilen einige wegen Mangel der Farbe zum Theil ungefaͤrbt bleiben. Drittens: Mag dieFarbe der Steine ebenfalls ihrer unterschiedlichen Natur / und der zerschiedenen Zuruckschlagungdes äusserlichen Liechts / die von der zerschiedenen Figur der Cörperlein daraus die Steine zusam-men gesetzt seyn / verursacht wird / beygemessen werden.Zum Dritten: Woher es komme / daß die Stein zerbrechlich seyen? Antwort: Es komtsolche Zerbrechlichkeit daher / daß die Theile nicht fest aneinander hangen; und kan man mittelstder Vergrösserungs=Gläser in denselben kleine durchsichtige Sand=Körnlein wahrnehmen: daherge-Aaa3