Philosophische und Politische Beschreibung368Säfften zusammen. Sonsten hat er entweder eine gelbe oder durchscheinende oder weisse unddunckle Farbe: der weisse Agtstein aber wird für den besten und kostbahrsten geschätzet. VorZeiten ward an dem Meer=Uffer bey Puceca ein Aschen=farbiger Agtstein ausgegraben / welcherwann man ihn an ein Eisen hart gerieben, die auf dem Boden zwey Schuh von ihm entfernetliegende Blätter in die Höhe und an sich gezogen. Der Agtstein ist gut wider das Podagraweil er durch seine subtile Ausdünstung die Feuchtigkeit / so die Podagrische Schmertzen verursa-chet / maͤssiget und zertheilet. Ferner wird aus dem Agt=oder Bernstein ein Oehl gemacht / wel-ches in der Artzney sehr grossen Nutzen hat; und für Balsam gebraucht wird: dann falls diewelche von der Pest befallen worden / sieben Tropffen davon mit Karde=Benedicten=Wasser undund Beyfuß=Saltz einnehmen, gelangen selbige wieder zur Gesundheit: ja es hat ein gewisserDoringde Opio. Greiß in dem Schloß zu Altenburg / den ein Schlag gerührt / und er in gröster Todes=Gefahrgestanden / vermittelst des alleinig Agtstein=Rauchs sein Leben wiederum erhalten. Im übrigenPlin. bist. werden aus dem Agtstein sehr kostbahre Bilder formiret; welche bey den Römern in so grossemWerth gewesen / daß sie ein dergleichen Bild eines Menschen höher geschätzet / als ein lebendigenMenschen. Aber genug hievon.Jetzt beruhet nur die Frage / und Haupt=Schwürigkeit darauff; wie des Agtsteins oderdie anziehende Krafft zu erklären seye? bevor wir nun solches fürnehmen / so ist zu mercken; daßnicht der Agtstein die Krafft allein hat / andere Cörper an sich zu ziehen / sondern man hat diesesauch an andern gegrabnen Dingen wahrzunehmen: jedoch weilen ersagte Krafft insonderheitsich in dem Bernstein erzeiget; als pflegt man selbige / ingleichem die Cörper selbsten / die damitbegabet seyn / electrisch (massen der Agtstein in dem Lateinischen electrum heisset) das ist anzie-hend zunehmen. Gleichwie aber nicht bloß ein einiger Cörper ist / dem die electrische Krafft zu-kommet; also seynd auch mehr / dann nur ein Cörper / so von selbigen angezogen werden: gestal-ten allerley Cörper / wann sie nur klein / und leicht zu bewegen; auch benebst nicht allzu hitzig undentzündet seynd / als: Strohhälm / Spännlein / Papier, Holtz / Metall und sonsten alle Feuchtig-keiten rc. sich theils vom Agtstein / theils von andern schwefflichen Cörpern / und theils von denmeisten Edelgesteinen anziehen lassen. Dannenhero§. 2. Bestehet die electrische oder anziehende Krafft nicht in einer besondernSympathi oder natürlichen Zuneigung der anziehenden und angezognen Cörper: DannErstlich hat man bey denen angezognen Cörpern nicht ihre Natur / sondern ihre Dürre undLeichte zu betrachten; und kan auch über diß nicht gezeigt werden; warum zwischen Cörpernvon so unterschiedlicher Arten und Naturen eine dergleichen genaue Liebe sich finden solte. Gleich-wie demnach / ungeacht die ziehende Krafft der Machinen sich auf alles Gewicht erstreckt / nie-mand sagen wird / ermeldte Krafft habe ihren Uhrsprung aus der Sympathi; also ist auch die ele-ctrische oder anziehende Krafft der Sympathi keines weges zu zumessen. Zweytens / hat derje-nigen ihre Meinung keinen Grund / welche behaupten; solche Anziehung erfolge daraus / daß dieNatur nichts leeres leiden könne: dann sie stehen in den Gedancken; die Lufft werde von denAusflüssen des electri oder anziehenden Cörpers hinweg gestossen / und dargegen ein Stroh-Halm / zu Vermeidung des leeren Platzes, herbey gezogen; da doch dieses eine pur lautere Er-dichtung ist: inmassen die zur Seiten stehende Lufft viel eher als der Stroh-Halm herbey eilenund den leeren Platz einnehmen würde; zu geschweigen / daß sich nichts aus innerlichem / son-dern vielmehr aus aͤusserlichem Trieb / das Leere zu verhindern beweget: Deßwegen. 3. Die electrische oder Anziehungs-Krafft ganz recht und billich den ausdem electrischen oder anziehenden Cörper ausgehenden Dünsten beygeschrieben wird:Und zwar Erstlichen darumen / weilen das electrum oder der anziehende Cörper seine anziehen-de Krafft nicht spühren läst / er werde dann von einer gemässigten Hitze und Anreibung darzu er-wecket; und scheinet die Anreibung zu dem Ende nöthig zu seyn / damit die pori und Lufft=Löchervon dem obliegenden Staub gereiniget und mehrers geöffnet seyn möchten: die Hitze aber wirddarum erfordert / damit ein Theil des Cörpers sich zu einem Dunst aufflöse und aushauche:dann es pflegen so wohl die electrische / als die wohlriechende Ausflüsse durch die Hitze auszu-dünsten. Zweytens; weilen der Agtstein / wann er besagter massen bereitet / und an das zartestePulver hingehalten wird / dasselbe hin und wieder zerstreuet: welches dann ein offenbahres Zei-chen ist / daß die Ausflüsse hervor brechen / und wie der Wind das Pulver zerstäuben. Wannnun solches vorausgesetzt ist, so kan man drauffhin leichtlich verstehen, wie die Anziehung vorder Ausdünstung gewürcket werde? dann weilen dergleichen Ausdünstungen feucht und zechseynd, so hängen sich die Cörperlein der Stroh-Hälme an dieselbe an: Item; indem erdeuteAushauchungen ihre Striche oder Striemen haben (dergleichen man in dem Rauch auch sichtlich wahrnimmt) die sich an die Lufft-Löcher hängen / und mit ungestümm heraus dringen; sogeschiehets / daß sie / nach dem bey diesem ersten Ausbruch eine starcke Ausdähnung vorgehetalsbalden mit Gewalt wieder zuruck kehren; nicht anders als die Seiten / die / wann sie allzustarck
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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