der in der obern Lufft erzeugten Dinge.starck angezogen worden / und man sie hernach aus der acht lasset / ohngesaumt mit Macht inihren vorigen Stand sich begeben.Hieraus wird gefolgert / Erstlich: Daß diese Ausstreckung der Dünsten von der Hitzeverursacht werde; welche Hitze wann sie also nachläst, daß sie nicht sonders starck ist, so gehendie Streiche oder Striemen alsbalden nach ihrem Uhrsprung zuruck; und zwar wie es die Na-tur eines jeden seiner Dünne oder Dicke beraubten Cörpers erfordert. Daher geschiehets dañdaß eine starcke Hitze die Anziehung verhindert; und die Dünste also ausdähnet / daß sie entwe-der verbrannt / oder zerrissen / und nicht mehr ihnen selbst zuruck gelassen / sondern wegen der allzugrossen Verdünnerung in die Höhe getrieben werden.Zum Andern: Daß die vorbemeldte Striemen der Ausdünstungen / nachdem sie zu denLufft=Löchern des Cörpers zuruck eingegangen, wiederum von dar heraus gehen können undmüssen / wann die Hitze im Cörper verbleibet; als in welchem sie allzeit wegen der schwefflichtenMateri / so die Wärme geschwinder annimmt und auch länger behält / grosser dann in der um-herstehenden Lufft zu seyn pfleget.Zum Dritten: Warum, wann der Berustein, nachdem man ihn gerieben, von einemstarcken Wind / oder auch Athem angehauchet wird / hernach nicht mehr anziehe; weilen nem-lich auf solche Weiß die Striemen der Ausdünstungen zerstreuet werden. Welches nicht weni-ger geschiehet / wann man ihn schläget / oder in ein Wasser wirfft / oder mit einer feuchten / odersetten Hand anrühret: Bey nassem Wetter ziehet er ebenfalls nicht; weilen die zärtesteStriemen theils durch die kleine Theile der Feuchtigkeit zerstöret / theils die Lufft=Loͤcher verstopf-set werden: so ziehet er auch nichts an sich / wann nur das geringste und kleineste Ding darzwi-schen zu liegen kommt: dann durch sothane Hinderung hält er die Ausdünstungs=Striemenauf / und unterscheidet sich hierinn fürnemlich von der Magnetischen Krafft.Jedoch möchte man fragen: Auf was Weise der angezogne Stroh=Halm an dem Bern-stein behangen bleibe? da ein Zweiffel entstehen könte; wann die Ausdünstungen wechsels=weißheraus= und wieder hinein gehen / warum sie die angezogne Cörper nicht auch zugleich hinwegtreiben? Antwort: Diese Frage ist leicht auffzulösen; wann man betrachtet die Natur des kle-bichten Striemens: dann der zu dem Agtstein hingezogne Cörper verwickelt und dringt sich alsbalden hinein / biß zu der dem Agtstein eingepflantzten Wurtzel; so daß er sich nicht mehr vonihme loß machen / noch (welches weiters folgen müste) ihn von sich ferners abtreiben könte.Politische Schluß=Rede.Die Höfflich= und Leutseeligkeit verachtet niemanden.In Politicus der einen Gemeinen / ja den geringsten Bettelmann nicht vor sich kommenläst / taugt nicht recht zu einer Regiments=Person. Seine Aerme sollen für jedermannauffgethan seyn / auf daß man ihn als einen Vatter des Vatterlands ehre und rühme.Wie ein Bronnen alle Menschen ohne Unterscheid sein Wasser mittheilet; also erstreckt auchdie Leutseeligkeit ihre Einflüsse auf alle Stände der Menschen. Eben das Aug / womit er aufgrosser Herren Höfe siehet / gönnet er auch denen Bauren=Hütten. Er höret eben so hurtig denBefehl der Fürsten / als das Bitten des Volcks an; und mit eben der Hand / womit er dem Rei-chen die Thür eröffnet / schließt er selbe auch den Armen auf. Er verehret und erhebet zwar denKöniglichen Purpur; aber er umarmet auch den mit einem zerrissnen Mantel bedeckten Bettler.Dann er achtet alles das seiner hohen Würde anständig zu seyn / was er vermeinet / daß einemtigen Gemüth eigne und gebühre. Er artet dem Bernstein nach: dieser ziehet die Stroh-Hälme; er aber die Elende und Arme an sich. Symmachus sagt; Derjenige übertreffe war=-hafftig selbsten seine Herkunfft / welchen die hohe Ehren zur Demuth anreitzen:„ Und der istderselbigen nicht würdig / so sich denen Grossen in der Welt gleich schätzet / und die Geringere ver-achtet. Ein Politicus soll eine allgemeine Zuflucht und Stütze so wohl der Edlen als der Un-edlen seyn. Papst Gregorius, mit dem Zunahmen der Grosse / damit er des Constantinopolita-nischen Patriarchen, der sich des Tituls eines allgemeinen Bischoffs angemasset, schändlichenHochmuth dämpffen und niederlegen möchte / hat zu erst angefangen / sich einen Knecht derKnechte GOttes zu nennen. Dieser Vatter der Glaubigen wird billich der Grosse zubenahm-set weilen er als ein Knecht sich männiglichen zum Dienst ergeben: wie dann das Aug der Leut-seelig= und Freundlichkeit keine Person ansiehet; sondern vielmehr in einem jeden Menschen / erseye wer er wolle / Gelegenheit findet / die Tugend zu beweisen. Nicht unfein hat der Griechi-che Tragœdien-Schreiber Sophocles gesprochen:MagnusAaa
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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369
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