Philosophische und Politische BeschreibungPim. I. 3. er auf glüende Kohlen gelegt / oder in einem Hafen verschloßner ob dem Feuer geröstet oder ge-brennt wird / so wirfft er Blasen auf / und geht ihm etwas von seinem Wesen ab. Den schwar-tzen Alaun trifft man in der Insul Cypern an / und pflegt das Gold darmit zu reinigen. Son-sten findet man auch gelben Alaun / der so weich ist / wie Butter; und wird dergleichen nicht wei-von Napoli ausgegraben: selbigen schreibt Mathiolus, habe er gesehen / betastet / und gekostet;aber niemahlen etwas von einer mehr anziehenden Krafft befunden. Nechstdem hat man auchgemachten Alaun; der aus einem jeden Alaun=Wasser kan bereitet werden. Denselben kochtman erstlich in Keßlen / und schüttet ihn hernach in Canäle oder Rinnen aus; worinnen diesesWasser sich an den Seiten oder Waͤnden anhaͤnget / und zu einem Alaun gerinnet; den manins gemein Rupis heisset. Der Zucker=Alaun aber wird aus der Roche, Eyer=Weiß und Ro-sen-Wasser in Form eines Huts, wie der Zucker, gemacht und gestaltet. Der Alaun hat imübrigen unterschiedlichen Nutzen: dann Erstlich wird das Scheid=Wasser zum Theil aus ihmegemacht; weil er gar viel scharffe Cörperlein mit sich führet: Zum Andern / gibt das Alaun-Wasser dem Ertz eine Farbe: Zum Dritten / brauchen die Buchbinder das Alaun-Wasser, dasPapier darmit zu planieren und starck zumachen: dann es wird/ wie oben gemeldt/das weichePapier dardurch angezogen und dicht gemacht: Zum vierdten / ist der Alaun den Goldschmid-ten nutzlich / indem sie zum Theil aus demselben das starcke Wasser / so sie Scheid-Wasser nen-nen / zu distilliren pflegen: und dann letzlichen dient der Alaun sehr wohl zum Woll=färben;weilen seine Cörperlen sich gern in das Geweb einhengen / und die Farbe mit sich hinein brin-gen / auch fest darinn erhalten.§. 2. Der Salpeter / den wir bereits in der vorigen Frage beschrieben / wird theilsgegraben / theils gemacht. Der erste kommt aus den Bergwercken her / oder zeigt sich obder Oberfläche der Erden oder des Wassers; oder aber wächset in unterirrdischen Gewölbenund Kammern wie Austern hervor. Der letztere hergegen wird aus einem salpetrischen Was-ser zubereitet; gleichwie das Nil=Wasser ist / welches / so man es in die darzu bestimmte Grubenleitet zu einem Salpeter gerinnet. Sonsten wird er auch aus einer von Eichen-Aschen, odersalpetrischen Erden / oder Vieh=Mist / oder mit Koth und Urin vermischten Erden gegossener Lau-ge zubereitet. Der Salpeter hat sehr viel Feuer in sich / weil er leichtlich entzündet wird; da-hero man das Schieß=Pulver aus selbigem zu machen pfleget: doch führt er ebenfalls einigeFeuchtigkeit bey sich / und vergeht demnach unschwer in Rauch und Wind. Wann man ihnmit Essig besprützet / so siedet er; und hat hierinn einige Gleichheit mit dem Kalch. Seine beson-dere Eigenschafft bestehet darinn / daß er den Wein oder Wasser eine ungemeine Kälte beybrin-gen kan: dann so man eine gläserne Flasche, die einen langen Halß und runden Bauch habensolle in klein zerstossnem Salpeter herum weltzet; so wird der Wein unleidentlich kalt werden:welches um so mehr zu verwundern / als bekannt ist / daß der Salpeter eine überaus feurigeKrafft besitzet. Uber diß ist er gleichfalls fruchtbar; indem eine Erde die Salpetrisch ist, über-flüssige Früchten hervor bringt. Die Innwohner in Macedonien haben den besten Salpeter /den sie Calastricum nennen; und ist derselbe weiß und dem Saltz nicht unähnlich. Der See-woraus sie ihn nehmen, ist salpetrisch, und entspringet in dessen Mitte eine süsse Bronnen-Quelle. Um den Anfang der Hunds=Tage kommt der Salpeter allda neun Tag lang hervor;und eben so lang verliehrt er sich wiederum; nach welcher Zeit er abermahl empor schwimmetund so dann von neuem vergehet. Wann aber an den Tagen / woran er herfür kommt / starckeRegen fallen / so wird er etwas saltzigers; und auch viel schlechter / wann die Nord=Winde we-hen / und den Schlamm hefftig erregen. Die Egyptier bestreuten die Rettich mit ihrem Salpe-ter / gleichwie wir es mit dem Saltz zu thun pflegen. Die Macedonier hergegen mischen etwasvon ihrem Calastrico unter das Mehl / wann sie dasselbe knetten und zum bachen bereiten.§. 3. Der Juden=Leim ist ein zeher / klebiger / pechhaffter / und leicht Feur=fan-gender Safft. Selbiger ist entweder hart oder flüssig; der harte/der auch stärcker zusammengeronnen / und zech ist / hat die Gestalt eines Erd=Schollens und Kohlen: dergleichen seynd / derAsphalt, Pissaphalt und Agtstein. Der Asphalt ist ein schwartzlichter und Pech ähnlicher / jedoch viel härter / dichter / gläntzender und nicht gar übel riechender Leim: desselben Art und Gat-tung findet man in dem gantzen Babylonischen Land und in dem todten Meer; wie Plinius ver-Plin. l. 35 meldet. Es solle selbiger sehr zech, und nicht anders, dann durch der Weiber Monatl. Rei-nigungs=Blut von einander getheilt werden können. Welches so es wahr ist / mag solches vonder Schärffe des halb=verdorbnen Saffts verursachet seyn. Der Pissaphalt ist etlicher massenschwartzlicht / und auch Erden=hafftiger. Der Agtstein ist ein Leim und fetter Erd=Safft den manmeistentheils in Preussen an den Uffern der Ost=See findet: von seinem Ort / und Krafft solle inder folgenden Frage weitläuffiger gehandelt werden.Der flüssige Juden=Leim zerfliesset wie ein Oehl: und seine fürnehmste Gattungen seynddie Naphta und die Arabische Ambrg. Der Naphta ist ein wie Oehl langsam=flüssiger und die
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Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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