Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
357
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der in der obern Lufft erzeugten Dinge.den; andere aber nicht; und seynd doch gleichwolen dermassen weich, daß sie nicht zu Steinwerden mögen. Von der ersten Gattung seynd etwelche geronnene Säffte / als das Saltz /das Pech / und der Vitriol: Von der andern Gattung aber / das Auripigment, Sandaracca oderBergröth / Occra, Letten oder Thon / terra sigillata, oder gesiegelte Erde / Armenische Erde unddergleichen. Wir wollen von allen etwas weniges / und zwar in der gegenwärtigen Fragevon dem Saltz vermelden.§. 1. Das Saltz ist ein metallischer zerreiblicher aus unter einander vermischtenund gekochten feuchten / wasserigen / und dicken irrdischen Säfften bestehender Cör-per. Einige wollen, das Saltz habe in der Lateinischen Sprach seinen Nahmen vom sprin-gen; weil es in dem Feuer springe und spritze: andere aber leiten es von den zweyen Lateini-schen Woͤrtern / Salum und Sol (Meer und Sonne) her; weilen selbiges aus den Meer⸗Was-sern, wann der Meer-Schaum an die Uffer oder Felsen anschläget, und allda zurück bleibt, ent-stehet / und von der Sonne ausgekocht wird: Ist demnach die würckende Ursach des Saltzesder Sonnen und der übrigen Gestirnen ihre Hitze; die aus der saltzigen Materi die dünneste undsüsseste Theilen ausziehet / die irrdische aber zuruck lasst / sie durchkocht / und zugleich anbrennet /auch mithin saltzig macht: Dann zu einem saltzigen Geschmack werden zwey Dinge erfordert;nemlich daß die Theile trucken und irrdisch; und dann daß sie angebrennt seyen: Das ersteverursacht den Geschmack; und das andere, daß er gesaltzen ist. Dahero diejenige irren,welche darvor halten / das Saltz gerinne von der Kälte zusammen / wie das Eyß; oderwerde auf eine sonst dergleichen Weise gezeuget. Dann wann das Saltz von der Kälte zusam-men gerinnete / so würde selbiges von der Hitze auffgelöst und zerflösset werden; weilen es nem-lich bey denen Naturkündigern eine ausgemachte Sache ist; daß ein jedes Ding von dem Con-trario oder Widerstand desjenigen / woraus es zusammen gesetzt ist / auffgelöst zu werden pflegeNun last aber das Saltz sich von nichts weniger als der Hitze aufflösen: dann das Feuer truck-net und härtet selbiges nur desto mehrers; da hergegen das Wasser es zerflösset: und also dieKälte dasselbe nicht hart noch dick machen kan. Seine Materi besteht dannenhero in einemirdischen angebrennten / und durch die Hitze ausgetrocknetem Safft; die Form hergegen darindaß die ausgetrucknete Dämpffe mit Wasser ausgekocht werden.§. 2. Das Saltz ist theils naturlich / theils gekünstelt. Das erste bringt die Na-tur hervor, und wird sonst auch gegrabnes Saltz genennt; als wovon hier fürnemlich die Redeist: Das andere wird durch Kunst bereitet, und ein gemachtes oder gekochtes Saltz benahmset.Das gegrabne Saltz findet man entweder in=oder ausser der Erden. Welches in der Erden ge-funden wird / gräbet man entweder aus den Bergen / oder in ebenen Feldern; nachdem vorherder Sand / womit es bedeckt ist / beyseit geraumet worden. Welches man aber ausser der Erdenfindet / das wird aus den Wassern heraus geschöpffet; und nennet man desselbe entweder einBrunnen=Saltz / wann die von der Sonnen=Hitze ausgetrocknete Bronnen oder Bäche sich inSaltz verkehren: oder ein Fluß=Saltz / wann ein Fluß solche Dinge mit sich führen / die zu einemSaltz zusammen wachsen; oder ein See-Saltz/so aus den Seen genommen wird; oder ein Meer-Saltz / wann an den äussersten Meer=Uffern sich ein Saltz erzeiget; welches letztere Dioscoridesαλος αλρίν nennet / und Plinius einen Schaum verdolmetschet / die jüngere Scribenten abereinen Meer-Schaum betitlen. Das gekochte Saltz hergegen entspringt und wird aus Wasser,das ist / entweder aus Meer=Fluß=See= und Bronen=Wasser; oder aus einer natürlichen Saltz-Lacke gemacht zwie zu Hall in Sachsen / und dann in denen Thüringischen / Hessischen / Oesterrei-chischen / Steurischen und Tyrolischen Saltz=Pfannen geschiehet.§. 3. Des gegrabnen Saltzes gibt es fürnemlich viererley Gattungen ab; Nem-lich / Salamoniac / Salgem / Salniter / und Indianisches Saltz. Salamoniac ist über die mas-sen herb / und wird in Cyrenen unter einem sehr heissen Sand hervor gegraben; deßwegen manes auch Cyrenisches Saltz zu nennen pfleget. Das Salgem gräbet man aus den Bergwer-cken; ist aber sehr weiß und durchsichtig wie Christall. Salniter / oder Salpeter entspringetaus einer geronnenen Feuchtigkeit; und siehet man selbiges in unterirrdischen feuchten Ortenwie Eiß=Zapffen herab hangen; gläntzet auch an den Mäuren und Wänden ein Eiß. Heut zuTag wird der Salpeter auch durch Kunst bereitet. Das Indianische Saltz ist entweder schwartzoder röthlicht / und wird in Indien aus dem Berg Oremento ausgegraben; Dahero folget /§. 4. Daß das Saltz zerschiedene Farben habe: Doch ist es meistentheils weiß;und gleichsam ein Erd=Schaum / so weißlicht aussiehet; wiewohlen es wegen Untermischung ei-nes ungleichwesigen Coͤrpers zuweilen roth / zuweilen schwartz gefunden wird. Welches sehrtrocken ist / ist auch trefflich weiß; dann das Saltz/ woran Wasser gegossen wird/ verliehret vielvon seiner weissen Farbe. Jedoch wird das rothe ebenfalls weiß/ wann man es zerreibet; undträgt sich ein gleiches auch bey dem rothen Marmor und Glatz zu. Hergegen ist das SaltzſchwartzYy 3