Plin. l. p.
Philosophische und Politische Beschreibungwann man jemand in den Königlichen Rath zu ziehen Vorhabens seye. Wie viel die heimlicheUnternehmungen der feindlichen Macht Abbruch thun; so viel Schaden bringen sie / wann mansie offenbahret. Durch verborgne Rathschläge ist der Feind schon halb besiegt: hergegen / waßsie nicht in geheim verbleiben / so beschämen sie der Könige Purpur; weil dardurch das wohlausgesonnene Vorhaben den erwünschten Ausgang nicht erlangt. Ein Seiden=Wurm spinntviel besser / wann er verhüllt ist. Die Kraniche wissen denen rauberischen Adlers=Klauen sicherzu entfliehen / indem sie ein Steinlein in den Schnabel nehmen / damit sie dieselbe mit ihrem Ge-schrey nicht auffwecken: denen ein artiger Kopff diesen Sinn=Spruch beygesetzt: SicheresStillschweigen. Wohlriechende Wasser, wann man sie an die Lufft stellet, verliehren ihrenGeruch / und ihre Geisterlein verfliegen unvermerckt. Wann die gefaste Anschläge ruchbahrwerden / so haben sie alsbalden ihre Krafft verlohren. Der Feind wird gewarnet / damit er sichfürsehe / wann er seines Gegentheils Vorhaben innen / und ihm solcher sichtlich verrathen wird.Hellbrennende Liechter löschen aus / wo man sie vor dem entgegen gehenden Wind nicht bedecktDie herrlichste Gedancken Königlicher Gemüther vergehen in den Wind / sozalden sie offenbahrwerden. O / wie viel Waffen würden im schönsten Flor geblieben seyn / und gleichsam wie einRosen=Knopff Safft und Krafft behalten haben / wann die Lippen mit einem Gordischen Knopffverknüpffet / und die Gemüths=Meinungen unter der Rose wären bedecket worden. Der Mo-mus hat nicht nöthig / zu wünschen / daß das Hertz ein kleines Fenster haben möchte; dann / wasman nicht solte durch das beste Fern-Glaß entdecken können / das macht sich von selbsten offen-bahr. Die gröste Flüsse zwingen ihre Majestät durch einen stillen Lauff. Eines Fursten Machtund Gewalt breitet sich viel weiter aus / wann er still fortgehet. Mecaenas hat in seinem Ringeinen Frosch getragen / aber nicht von denen / die immerdar schreyen / sondern von den Seriphu-schen / die stetshin stillschweigen. Mit diesem Ring solte billich ein jeder Alexander seinem He-phestion den Mund versieglen: Schweige still! Daß er nemlich mit dem Harpocrate den Fin-ger auf den Mund lege, und das Geheimnus auch nicht durch des Anastarchi Stössel ausihme erzwungen werde. Der Fürsten Räthe sollen Ritter des güldnen Flüsses seyn / aber derFrantzösischen; welche an ihrer Halß=Kette den Buchstaben S. hangend tragen: Schweige!Pretiosa latent.Was hoch von Werth /Steckt in der Erd?In furvis terrae solens natura latebrisOccultat varias, quas generavit, opes.Ne pateant, animi serventur condita sensa;Et nox consiliis incubet alta tuis.Die Schätze der Natur seynd da und dort verstecket;Sie legt / was sie erzeugt / in finst're Wiegen ein:Das Kostbarste muß ihr am meisten zugedecketUnd in der Erd das Gold selbst tieff verborgen seyn.Hastu was wichtiges zuthun dir vorgenommen;So laß den Anschlag nicht aus deinem Munde kommen.Die II. Esrage.Von den Erd=Säfften / und insonderheit vondem Saltz.Achdem wir die Natur der metallischen und deren Cörper / die ausgegraben werden / ins-gemein beschrieben; als schreiten wir anitzo besonders zu denen Säfften; die zwischendenen Metallen und den Steinen / von welchen nachgehends gehandelt werden solle /gleichsam das Mittel halten. Diese Cörper nun lassen sich gemeiniglich zerreiben / dasist / in sehr kleine Theil / ja fast zu Staub verkehren: Etliche derselben können geschmoltzen wer=