Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
346
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Philosophische und Politische Beschreibungentzündet haben: sintemahlen man selbige also zu bereiten können / daß sie / so lang sie unter derErden bedeckt gestanden / kein Feuer gefangen; so bald aber die Lufft zu ihnen gekommen / ent-zundet worden. Solche Feuer werden auf folgende Weiß verfertiget:. Silberglett / Wein-stein / Kalch und Zinober; koche sie in Essig / biß derselbe gantz ausgedämpffet: alsdann thue dieMateri in ein beschlossen Gefaͤß / und brenne sie mit starckem Feur; setze es hernach beyseiten /und laß erkalten. Wann du nun nach etlichen Monaten das Gefäß eröffnest / so wird die Ma-teri alsbalden / da sie eine Lufft empfangen / angeflammt werden. Ferner / so gibt es in den un-terirdischen Höhlen keine ewige / sondern nur Flatter=Feure und Irrwische ab / die von den ausden todten Cörpern ausgehenden Dünsten ihre Nahrung haben. Offt geschiehets auch / daßeine der bey Nacht leuchtende Salmen=Fette / oder dem aus den gläntzenden Johannes=Würm-lein gepreßten Safft gleichende Feuchtigkeit einen falschen Schein von sich giebet.Zum Vierdten: Welche diejenige Ort seyen / die von unterirrdischen Feuren brennen?Antwort: Unter anderen seynd diese die bekannteste: Der Berg Vesuvius in Campania / derzuweilen entsetzlichen Jammer und Elend anrichtet; und von dessen ausgeworffner Asche,Dampff und Rauch Plinius, der die Historiam naturalem, Natur=Geschicht / geschrieben / alsPlin. l. 6. er (wie sein Vetter / der andere Plinius, erzehlet) zu Miseno sich damahlen auffgehalten / und be-gierig gewesen / denselben in der nähe zu sehen und zu erforschen / sich aber zu weit hinaus gewagt /ersticket worden. In Hetrurien liegt an der Straß von Florentz nach Bononien ein Berg,welcher bey Tag und Nacht Rauch und Flammen ausstosset; wiewohlen man das Feuer nurbey Nacht / den Rauch aber auch bey Tag wahrnehmen ran. Nahe an dem See Avernusöffnet sich der Berg Modernus mit unterschiedlichen Löchern / woraus Feuer und Dampff her-vor gehet. Die Insuln Hiera und Lipara brennen beständig / und bleiben mitten in demMeer ungeloͤscht. Absonderlich wirfft der Berg Ætna, so an dem Catanensischen Uffer lie-get / weit und breit gantz feurige Kuglen mit erschröcklichem Knallen aus / und bedecket offt dasFeld über hundert tausend Schritt mit lauter Aschen. In Ißland seynd auch drey Berge dieauf ihren Spitzen stetswährenden Schnee liegen haben / unten aber immerdar mit Feuer bren-nen. Den einen nennet man Hecla, den andern den Creutz=Berg, und den dritten Helga.Nicht weit von Pureolen zwischen den Bergen siehet man eine Ebene / die Plinius vor Zeitendas Feuer=und Flammen=Feld; und Cornelius Strabo des Vulcani Marckt genennet; allwoHercules, wie die Alten gedichtet / die Riesen überwunden haben solle. Daselbsten brennt derBoden hin und wieder / und gibt durch verschiedene Löcher allenthalben einen grossen Rauchsamt einem Schwefel=Gestanck von sich / der durch die Winde in das gantze Land / ja biß nachNeapolis getrieben wird. In besagter Ebene trifft man eine grosse Pfütze an / deren Wasserohne Auffhören sieden / und wegen ihrer schwartzen Farbe mit Grauem anzuschauen seyn. Soist auch dieses wunderwürdig dabey, daß etmeldte Pfütze ihr fettes und Schwefel-färbigesWasser über eines Manns Länge biß zu 8. 9. und mehr Schuh hoch in Gestalt einer Pyramid-Säule über sich wirfft; und geschiehet solches fürnemlich / wann das Meer ungestümm; nichtaber / wann es stille ist. Nicht minder erblicket man in denselbigen Caminen oder Röhren sehrviel Lufft=Löcher / aus denen so Wind als Flammen heraus fahren. Sonsten ist hier nicht vor-bey zu gehen / was von der Sinensischen Provintz / Xansi, berichtet wird: Nemlich / in selbigerfindet man hin und wieder auf den Feldern nicht nur Wasser=sondern auch Feuer-Bronnen /darinnen die Lands=Innwohner mit treflicher Bequemlichkeit und zu Erspahrung vieler Unko-sten ihre Speisen zu kochen pflegen. Dieses aber zu Werck zu richten / verstopffen sie dasMund=Loch des Bronnen dergestalten / daß sie bloß einen Hafen oder Kessel da hinein setzenkönnen; und weilen also die Hitze nicht zertheilet, sondern vielmehr beysammen gehalten undvermehret wird / so lassen sich die Speisen in kurtzer Zeit fast ohne alle Mühe auffs beste kochenund bereiten.Zum Fünfften: Woher es komme, daß die Feuer-Berge nicht immerdar und nur zu-weilen brennen? Antwort: Es rühret von dem Mangel der Materi her: Dann das unterirr-dische Feuer dauret so lang, als es eine Nahrung hat: fehlet es an dieser letztern, so verlischetdasselbe; biß es wider durch einen neuen Zunder erwecket und auffgebracht wird.Aus deme nun / was bißhero angeführt worden / folgert sich / Erstlichen: Wo ein Feuer-Berg seye, da müsse nothwendig unter der Erden ein Feur-Behalter vorhanden seyn; gleich-wie niemand leugnen wird; wo ein Camin rauche/da seye unter demselben entweder ein Kuchen-oder ein Ofen=Feur. Dahero hat man sich eben nicht so sehr zu verwundern, wann zu Zeitenaus dergleichen Bergen Bäche von geschmoltznen Metall / Ströhme mit brennendem Pechund solcherley Dinge mehr / hervor kommen: dann es müssen die härteste Ertz=Adern selbstenAlex. l. 6. von der Hefftigkeit des verborgnen Feuers schmeltzen und zergehen: und sollen einsmahls / dadas Riphæische Gebürg gebroñen / gantze Bäche von Silber auf dem Boden daher geflossen seyn.Zwey⸗