der in der obern Lufft erzeugten Dinge.347Zweytens: Die Länder, worinn sich Feur-speyende Berge finden, seyen gemeiniglichfruchtbahrer / als andere Oerter. Die Ursach ist; weilen von den Ausdünstungen / die von denunterirdischen Feuren auffsteigen / die Lufft=Loͤcher der Erden besser geöffnet / und auch offen ge-halten werden: Deßwegen die Erd=Gewächse nicht nur mehrers vor der Kälte beschützet / son-dern auch mit hitzigern Geistern belebt seyn; und also indem ein wohl= und ausgekochter Safftleichter sich fortpflantzet / das Wachsthum gleichfalls bequemer von statten gehet.Drittens: Neben obigem seyen die Feuer=Berge gemeiniglich auch wegen der Gespen-ster sehr unsicher / welche die Leute / so etwa sich dahin begeben wollen / von weitem erschrecken /oder ihnen ein künfftiges Unglück zuvor verkündigen. Der P. Fournier erzehlet; daß bey demBerg Hecla insonderheit um die Zeit / da grosse Schlachten geschehen / oder allgemeine Seuchengrastiren / sich Gespenster sehen lassen / die an Kleidern und Gestalt erwürgte oder verstorbneMenschen gantz eigentlich vorstellen: auch manchmahlen bey Gesellschafften bekannter Leute sonatürlich sich præsentiren / daß sie als lebendige Personen von denen / die nicht wissen / daß ihregute Freunde verstorben / mit dargebottner Hand empfangen werden: ja man kan öffters vonihnen erfahren / wie es um ein und andern grossen Herren stehe / und was in den weitentlegne-ten Orten der Welt vorgehe.Politische Schluß=Rede.Die unmässige Gemüths-Hitze solle gedämpfft / und zuruckgehalten werden.Jejenige Gemüths-Hitze, wodurch ein hoher Sinn angeflammt, die edle Geister auffge-wecket / und das Gemuth zu allem / was man für die Auffnahm der Republic grosseswagen mag / angetrieben wird / ist billich zu rühmen und einem Staat für nutzlich zuachten. Ohne dieselbe last sich nichts tapfferes / nichts vortreffliches beginnen / will geschweigenzu Ende bringen. Die alten Welt=Weisen haben sie einen Wetz=Stein der Tugend / undPlutarchus eine Gefährtin derselben genennet. Dann was die unterirrdische Feure der Erdeneynd / eben das ist diese angengturte Hitze dem Menschlichen Gemüth. Jene theilen ihre Brun-sten durch zerschiedene Gänge in alle innwendige Erden-Theile mit besonderem Nutzen aus;indem sie mithin die Kälte der Erden mässigen / Dünste erwecken / und allerhand Ertz= und Berg-wercke erzeugen, wovon die Könige ihre Rent-Kammern, Schatz-Kästen, und Zeug-Häuserzum Schrecken der Feinde anfüllen: Diese hergegen gibt dem Menschlichen Hertzen grosseund hohe Geister ein; erhebt das Gemüth über sich selbsten / daß es alle Schwehrigkeiten ver-achtet; und reitzet alle Seelen-Kräfften mit Vorstellung der Ehre, daß sie alleinig auf das ge-meine Besten / und des Vatterlands Wohlfarth abziehlen. Allein / gleichwie die obbesagteFeure, damit sie Nutzen schaffen mögen, in unterirrdischen Klüfften eingesperrt seyn, und mitverborgnen Flammen brennen / auf daß sie nicht einen ungeheuren Brand erregen: Also mußauch die Gemüths=Hitze mit der Vernunfft umschrenckt und gemässigt werden / damit sie nie-mahlen in Zorn= und Rach=Flammen ausschlage. Dieses ist die berühmteste Tugend, und-hoch zu ehrende Gemüths=Mässigung / wann man den Zorn / und unter Feindschafften auch-das Gemüth bezwingen kan;„ nach des Quintiliani Meinung: Und zwar soll es um so viel Quimil.einbsiger geschehen / als das Gemüth immerdar überflüssige Materi und Ursach hat / sich zu er= Declam.zornen: dann wo ist nur ein Augenblick / da man nicht unrechte Dinge siehet? wie Seneca sehr 9.wohl anmercket. Bald muß man in seinem Hauß Verdrießlichkeiten hören und wahrneh-men; bald auf den Strassen und Gassen übel und schmählich von sich reden lassen; bald aufdem Rath=Hauß und bey Hoff von Verläumdungen geschwärtzet seyn; und also kan man nie-hlen auffhören zu zörnen / wann man einmahl angefangen; sondern hat die gantze Lebens-mit Zorn und Verdruß zu zu bringen / wie abermahl vorernannter Römischer Sitten=Mei-ter Seneca, erinnert: Dahero vermahnet der Poet gantz weißlich:Ne fraena animo permitte calenti;Da spatium tenuemque moram: malè cuncta ministratImpetus.LaßXx 2
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Seite
347
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten