Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
344
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Philosophische und Politische Beschreibung344den Flammen des Vesuvii eine klägliche Stimme zu Ohren gekommen / die er gleichbalden fürseiner Mutter Stimme erkannt habe: er merckte demnach die Stunde / und erfuhr / daß gedachteseine Mutter in eben derselben Todes verblichen seye.Hier entstehet die Frage; Erstlich: Ob dergleichen unterirrdische Feuere von einander,zum wenigsten zufälliger Weiß / unterschieden seyen? Ich antworte mit Ja: Dann einigesolcher Feure seynd in denen Höhlen verborgen / und brechen niemahlen hervor; sondern ver-zehren die Erde heimlich und innwendig; etliche schlagen heraus; andere werffen keine Materi-aus; andere hergegen speyen Aschen / Schwefel / Binsen=Stein / Felsen=Stücke / und Eisen vonsich; wieder andere brennen Tag und Nacht; einige aber nur allein bey Nacht; weilen sie vorder Sonnen Liecht und Glantz, der alles andere kleinere Liecht verdunckelt, bey Tag nicht mö-gen gesehen werden; etliche zeigen sich bloß an erhabnen Orten; etliche aber in der Tieffe; eini-ge brennen ohne Unterlaß / und wiederum einige zu unterschiedlichen Zeiten: doch die meistenhören eine Weile auf / wann ihnen nemlich der Zunder gebricht / und fahen wieder an zu brennen /so balden sie neue Kräfften erlangen.Zum Andern: Wie und welcher gestalten die unterirrdische Feure einen stetswehrendenUberfluß an ersagter Materi haben können? Antwort: Dieses mag auf zweyerley Weiß ge-schehen; und zwar Erstlich herkommen von dem Meer=Wasser, welches / weilen es fett und öh-lig ist / viel Schwefel und Pech mit sich führet: Dann zum Exempel die in denen Bergen aus-gehöhlte Kluffte seynd mit dem durch unterirrdische Gänge dahin geleitetem Meer=Wasser an-gefüllt; dieses letztere aber ist fett und öhlig / und dahero wird an dergleichen Materi niemahlereiniger Mangel erscheinen: Gestalten aus solcherley Feure auf den Insuln und an den See-Küsten am meisten wahrzunehmen sind; und deßwegen begibt sichs / daß bißweilen aus denWassern die untermischte Feuer=Flammen herausfahren; auch zuweilen / wo ein solche Brunstauffhöret / ein Sumpff; ja wo vor Zeiten offt grosse Städte gestanden / die durch Erdbeben un-tergegangen / nachmahls ein trüber und schweflichter See sich hervor thut. Zweytens: Kön-nen diese Feure ihre beständige Nahrung auch daher bekommen / daß in denen Gewölben Erd-Höhlen die Pech= und Schwefel=Materi zu subtilen Flammen wird; die weil sie eingeschlossenseyn / und nicht können in Lufft verkehrt werden / sich in Schwefel und Pech verwandlen / undwieder herab fallen; und sodann von neuem in die Höhe steigen / und zu Flammen werden / jedoch abermahl als Schwefel und Pech herunter fallen; worzu die Gelegenheit des Orts, itemdie feuchte und öhlige Beschaffenheit der Höhle ebenfalls viel beyträget. Solches last sichdurch eine Gleichheit erweisen: Dann mögen vermittelst derer Circulation und Umlauffungin denen Berg=Höhlen immerwährende Wasser=Quellen sich ereignen; so können nicht wem-ger dardurch beständige Feur-Bronnen entstehen.Zum Dritten: Ob dannenhero ein Liecht oder Lampe durch Kunst zu bereiten seye, dieohnauffhörlich brenne? Etliche Geschicht=Schreiber wollen es bejahen / und mit zerschiedenenExempeln besteiffen: Inmassen Solinus gedencket; man habe vor Zeiten in einem eröffnetemGrab ein über 1500. Jahr brennendes Liecht, wie aus der Uberschrifft zu sehen war, gefunden;Pancirol. so aber / als man es angerühret / zu Staub verfallen seye. Also schreibt auch Pancirollus vonde reb. der in dem Grab der Tochter Ciceronis, Tulliae, gefundener Lampe folgendes: Die Altenmemor. wusten ein unverbrennliches Oehl / so niemals verlöschte / zu zurichten: Und hat man derglei-p.i.. 35. chen zu unserer Zeit unter Regierung des Papsts Pauli III. zu Gesicht bekommen: Dann manhat in dem Grab der Tochter Ciceronis, Tulliæ, eine noch hell=brennende Lampe angetroffendie aber, so balden man sie an die Lufft gebracht, verlöschen; und hat selbige ungefehr bey 1550.Port. 112. Jahr gebrannt. Baptista Porta erzehlet; daß um das Jahr 1550. auf der Insul Neus eineMag.c.13.geöffnet / ein Gefäß gefunden worden / darinn noch ein Liecht gebronnen; jedoch / als man dasselbe zerbrochen / und eine Lufft hinein gelassen / verlöschen; nachdem es noch vor Christi GeburCas.l.2. de müsse angezündet worden seyn. Man lieset auch / daß in Engelland in der Minervæ TempelMineral. ein ewiges Liecht gebronnen habe. So weist man gleichfalls aus den Historien / daß zu Romc. 7. sect. in der Vestae, zu Delphis in des Apollo, und zu Athen in der Minervæ Tempel ohnauslösch-liche Liechter gebrannt. Es kan aber hiervon der Bernhard Cæsius, der von der Neapolita-Debr. Dr. nischen Lampe auch Meldung thut; item der P. Debrins gelesen werden; welcher letztre vonsq. Mag. der Paduanischen Lampe dieses hinzu setzet: Ich halte gäntzlich darfür / daß der Safft OlibiL.I.C.5.qu. Maximi, vermittelst dessen man ein Liecht etlich 100. Jahr brennend erhalten hat / durch Chy-1. sect. 1. mische Kunst bereitet gewesen; als wovon Bernhardus Scardeonus in der Paduanischen Chro-August. nick auch Meldung thut rc. Hierzu kommt noch / was D. Augustinus selbsten dißfalls für einede Civit. Meinung führet; nemlich daß dergleichen ewiges Liecht gar wohl durch menschliche Kunst könneDei. l. 21. zuwegen gebracht werden.