Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
343
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der in der obern Lufft erzeugten Dinge.ist von aussen graulecht und Aschen=färbig; hergegen inwendig / wann man ihn zerbricht / gelb-lecht/ und gläntzt/ wie die Johannes-Würmlein: er hat einen etlicher massen fetten/ aber unan-genehmen Geschmack; auch einen starcken und dermassen stinckenden Geruch / daß / wann dieBerge / da er gegraben wird / keine Lufft=Löcher hätten / die Berg=Knappen oder Gräber alsbalddavon ersticken würden. Dahero hat er wegen seiner eingepflantzten Trockenheit und Hitzeeine grosse Verwandschafft mit dem Feuer; wie dann die Schwefel-Stücklen, so man aufHoltz oder Kohlen streuet / das Feuer und die Flamme von weitem an sich zu ziehen pflegen.Plinius erzehlet; es habe Anaxilaus durch Hülff des Schwefels seinen Gästen einen artigen Plin. l. 35.Possen gespielet; dann der Schwefel / den er in einem neuen Geschirr auf glüende Kohlen ge= c. 15.worffen, und also brennend herum getragen, habe an besagten Gästen eine so entsetzliche blasseFarbe durch den Gegenschein verursacht / daß sie wie lauter todte Cörper anzusehen gewesen.Was das Pech betrifft / so ist dasselbe ein sehr fetter und hitziger / öhliger und lufftiger Safft:der zuweilen auffm Wasser schwimmet, und gleichfalls mit der Natur des Feuers viel übereinkommt: welches absonderlich an einer gewissen Art desselben / nemlich der Naphta / so bey Ba-bylon aus der Erden fliessen solle / wahrzunehmen ist; indem es von weitem durch das Feuer Plin. l. 2.angezündet wird / wie Plinius berichtet. Daß wir aber obige zwey Stücke für die Materi der c. 105.unterirrdischen Feuern ausgeben, werden wir daher veranlasst; weilen fast an allen Orten, woseurige Ausdünstungen und unterirtdische Brunsten sich ereignen, viel Pech und Schwefel an-zutreffen; und obschon die Steine und andere Dinge erdeuten Feuern auch zum Zunder undNahrung dienen, so seynd doch solche letztre nicht ihre eigentliche und fürnehmste Materi. Al-lein ist das Pech darunter / zu Erhaltung und Ernährung des Feuers wegen seiner Fettig= undzehigkeit das tauglichste: dann es gibt einen bessern Zunder ab / und brennt auch in dem Was-ser; so daß man bey den Kunst-Feur-Wercken, die im Wasser spielen sollen, allzeit etwas vonPech zu untermischen pfleget. Derowegen dasjenige Feuer / welches zu den Zeiten des KaysersClaudii Neronis in dem Cöllnischen Gebiet Felder und Dörffer verbrannt / laut des Taciti Er-ehlung / weder von Regen / noch mit Fluß=Wasser / noch einer andern Feuchtigkeit / sondern mitSteinen und Tüchern wegen seiner pechigen Materi konte gelöscht werden; dann das Pech lastsich nur mit trocknen Dingen dämpffen; aber von dem Wasser wird es ernähret; gleichwiehergegen der angezündte Schwefel sich bald verzehret / und so man Wasser darein schüttet /gleichsam erstirbet.§. 3. Es ist glaublich / daß das unterirrdische Feuer von den Ausdünstungen /und in den Hoͤhlen eingeschlossenen Daͤmpffen entzündet werde; Welche / indeme sie ei-nen Ausgang suchen, durch das an einander stossen sich erwärmen und entzünden; auch her-nach / wann sie eine fähige Materi überkommen / beedes sich weit ausbreiten / und ebenfalls lan-ge Zeit dauren: sintemahlen die Bewegung nicht nur eine Wärme / sondern auch eine Flammeverursachet / wann sie eine tüchtige Materi findet: Wiewohlen diese Ausdünstungen ingleichemöffters durch den Umherstand (Antiperistasin) der Kälte / von welcher sie in enge Oerter zusam-men getrieben werden, sich entzünden können. Es wollen zwar einige darvor halten, daß dieSonne mittelst einer innerlichen und verborgnen Hitze die unterirrdische Feure anzünde; allein /es fällt schwer / dergleichen Meinung zu behaupten; weilen / wie aus schon angeführtem erhellet /die Sonnen-Strahlen nicht weit durch die Erden Oberfläche hinein, vielweniger in die tieffeHöhlen und Löcher durchtringen; oder das Pech und den Schwefel dermassen kräfftig rührenkönnen, daß sie eine Flamme fahen solten. Jedoch ist dieses nicht unglaublich (massen wir esoben angemerckt) daß erdeutes Feuer aus der Höllen=Klüfften herkomme: Und meldet P. deRhodes; es seye aus bewährten Geschichten bekannt, daß die Seelen der Verstorbnen in der-gleichen Höhlen offt grosse Pein und Marter leiden / und auch die Teufel allda sich manchmalssehen liessen: welches er aus der Erzehlung des Petri Damiani erhärtet: derselbe schreibt also: Petr. Da-Der Diener GOttes wohnete gantz allein auf einem jehen Felsen in dem Neapolitanischen Ge=mianobiet nicht weit von der Land=Strasse; selbiger / als er eben sein Nacht=Gebett verrichtete / und opasc. 12.das Fenster an seiner Zelle / um zusehen / wie viel es an der Zeit seyn möchte / eröffnete / sahe er vielchwartze Menschen / wie die Mohren / in einer langen Reihe nach einander vorbey gehen / die daPferde begleiteteten, welche sehr schwer getragen. Indem er nun aus Neugierigkeit fragte:wer sie seyen; und zu was Ende sie so viel Futter mit sich führten? gaben sie ihm zur Antwort:wir seyn böse Geister / und führen gantz kein Futter für das Vieh / sondern vielmehr lauterFeuer=Materi / die Menschen zu verbrennen: dann wir warten auf den benachbahrten Capua-nischen Fürsten / Pandulphum, welcher eben kranck darnieder liegt / und auf den Neapolitani-schen Rittmeister, Johannem, der noch frisch und gesund lebet. Es seynd aber diese beydewenige Tag hernach gestorben; und der Berg Vesuvius hat darauffhin anfangen Feuer aus-zuspeyen. Es erzehlt ferner; daß einem Priester, der zu Benevent bey der Abreise seineMutter kranck hinterlassen / und nach Neapolis sich begeben habe / daselbst mit den ausfahren-