340Philosophische und Politische BeschreibungNunquam stygias fertur ad umbrasInclyta virtusDie tapffre Tugend wohnet nicht /Da/ wo man in dem Duncklen stehet:Wo Styr mit schwartzen Wellen gehet;Und wo man nur von Lastern spricht.VCEM EMEROGrosser Ruhm folgt der Tugend als ein Schatte nach; wie Cicero bezeuget. Ein helles undklares lauffendes Wasser kan wohl in dunckle Klüssten und Löcher fallen / und auf eine Zeitlangnicht mehr gesehen; aber darum nicht auffgehalten, oder in dem Felsen-Kercker angefesselt wer-den; vielmehr rinnet selbiges / wie es angefangen; und treibet seine Fluhten fort; ja fliesset nurdesto stärcker und schneller dahin / je enger es sich muß in kleine und krumme Uffer einschliessenlassen; biß es endlichen wiederum in einer grossen Feld=Ebene hervor bricht. Der Lauff derTugend mag wohl in die Enge getrieben/ aber nicht gehemmet; getruckt / aber nicht untertruckt;gehalten / aber nicht auffgehalten werden. Sie kommt doch zuletzt an das Tages-Liecht / undGic. pro zeigt der Welt wie hoch sie zu schätzen seye. Höre / was die Römische Beredsamkeit spricht:„Die Tugend ist bey Stürmen und Ungewitter gantz ruhig; und leuchtet in der Finsternus;„wird sie vertrieben, so bleibt sie doch an ihrem alten Ort und im Vatterland; sie gläntzet im-„merdar von sich selbsten / und kan niemahlen von fremdem Unflat beflecket werden. Die häus-fig auffsteigende Dämpffe und Wolcken versuchen zuweilen ihr Heyl an der Sonne / und überziehen den Himmel; allein / diese Schatten=Thäler haben nicht langen Bestand; dann erdeutesuntergehende grosse Liecht wird die gestrige Kräfften zusammen sammlen / und alles / was ihmeLen, ep. 92. widerstehen will / mit einem mächtigen Strahl / wie mit einem Geschoß / zertrennen. „Was der„Nebel / spricht Seneca, wider die Sonne vermag / das vermögen Elend / Schaden und Un-
Sen. Herc.