Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
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der in der obern Lufft erzeugten Dinge.gleichsam überzogen ist / und hin und wieder grosse Eyß=Zapffen oben an dem Gewölb herab-hangen hat; aus denen die Leute Becher und andere Trinck-Geschirr zu formiren / und darinnenzur Sommers=Zeit das eingeschenckte Wasser oder den Wein geschwind zu erkühlen pflegen.Dergleichen Höhlen siehet man etliche auch an dem Berg Ætna, worinn die Innwohner denSchnee auffbehalten; unter welchen die Grotta nouva, neue Höhle / und die Grotta delle neve,Schnee-Grotte, so denen Catanensern im Sommer sehr wohl zu statten kommen, die fürnehm-ste seyn.Zum Fünfften: Woher das Gethön / so zuweilen in den unterirrdischen Gängen wieZimbalen sich hören lasset / entstehe? Antwort: Diese musicalische Thone rühren vermuthlichdaher, daß in denen Höhlen und Klüfften mancherley Gänge oder Röhren von zerschiedenenGrösse befindlich / worinn / wann der Wind wie in die Orgel-Pfeiffen einbläset / eng zusammengetrucket wird / und im Hervorbrechen allerley Thon von sich gibt. Von einer solchen Höhlein Brittanien schreibet Clemens Alexandrinus, daß in selbiger / so bald ein Wind hinein komme /ein Thon etlicher nach dem Taċt geschlagner Zimbalen gehoret werde. Es gedencket auchFournier, daß auf der Insul Barri nahe bey dem Hertzogthum Wallis ein Felß in dem Meer Fournistehe / welcher einen Riß habe; daran so man das Ohr halte / man ein Geräusch wie in eines Geogr.Schmiedts Werck=Statt / nemlich ein Gesauß der Blaß=Baͤlge / und starcke Hammer=Schläge Ord. not.deutlich vernehmen könne: Welches Gethon dan daher entspringe / daß die Dünste und Winde i. 5. c. 15.sich auf mancherley Weiß zurück= und an den Seiten der Hohle anschlagen.Was hier noch weiter gefragt werden könte; als von der Grösse von dem Ansehen / vonder Form oder Gestalt / und von der verwunderlichen Beschaffenheit der Theile; das wollen wirdenen Geschicht=Schreibern überlassen / und nur ein und anderes davon dem curiosen Leser zuGefallen beyrucken. In den Americanischen Geschichten lieset man von dem Gebürge Andi-um; es seyen in demselben entsetzliche Höhlen / und diese auch eines so grossen und weitenRaums / daß sie gantzen Landschafften auf der obern Erden nichts nachgeben: und treffe mandarinnen die gröste Wasser=Flüsse an / welche mit einem so grausamen Gebrauß in die Tieffehinabfallen / daß die Berg=Knappen und Gräber ihr Lebtag auf der Welt nichts erschröcklicheregehört zu haben versicherten. Unter andern wunderwürdigen Dingen wird berichtet / daß all-da einesmahls ein kleines Schifflein seye gefunden worden / darvon sich niemand einbilden kön-nen / wie und woher es dahin gekommen; wiewohlen Kircherus wahrscheinlich vermeint / dassel-be seye etwa von einem Wirbel des friedsamen oder Atlantischen Welt=Meers verschlungen /und hernach vermittelst des durch die unterirdische Gänge stets fortwehrenden Lauffs der Was-ser dorthin gebracht worden. Es gedenckt auch Boethius in Beschreibung Schottlands / daßallda in der Landschafft Fise in einem Sumpff ein Klippe befindlich / zu dem man kaum we-zen engen Eingangs mit einem kleinen Fischer=Schifflein hinzukommen koͤnne; an welcherKlippe verwunderliche Häuser zu sehen seyn / so die Natur nicht anders ausgehöhlet und bereitethabe / als wann sie durch Menschen=Fleiß wären erbauet worden: überdiß hätten auch einegrosse Menge Vogel / die man in Schottländischer Sprach Salandes nenne / und des PliniiWasser=Adlern nicht ungleich seyen / daselbsten ihre Nester; selbige sollen bey herannahendemFrühling so ungemein viel Holtz zusammen tragen / daß die nechst=wohnende Land=Leute sich aufein gantzes Jahr davon einen Vorrath anschaffen könten. Auf eben dieser Klippe ward inglei-chem vor Zeiten / nach obgedachten Boethü Bericht / ein in Gestalt eines Schwams durchlöcher-ter / und auf der andern Seite hohler Stein gefunden; worein so man ein Meer=Wasser gegos-sen / dasselbe in wehrendem durchfliessen süß und zum trincken tauglich worden seye.Politische Schluß=Rede.Die Tugend kan nicht verborgen bleiben.ge Tugend muß allzeit der Verläumder Ziel seyn / wornach sie ihre Pfeile abschiessen.Alle tapffere und berühmte Leute / so jemahls gelebt / haben manchmalen auch üble Nach-reden über sich müssen ergehen lassen. Die allergeradeste Dinge / so man sie in dasWasser stosset / scheinen krumm zu seyn. Es ist unmöglich / daß einer jederman gefalle / und nichtch öffters von vielen gehasset werde: Dann der Neid ist der Tugend und eines berühmtenNahmens ohnausbleiblicher Geferth. Diese leidige Nacht=Eule kan der Tugend=Glantz nichtit gütigen Augen anschauen; der blasse Neyd wendet allen List und Betrug an / den hohenTugend-Werth zu vermindern / und in tieffen Schatten zu begraben. Allein sie artet denenFlüssen nach / welche sich zwar in die Höhlen der Berge und unterirrdische Wasser=Behaltererschlieffen / aber doch endlich wider an das Tags=Liecht hervor kommen.Un 2Nun-