Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
338
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Philosophische und Politische BeschreibungFeuer=Behalter seyn / durch überaus lange und fortgestreckte Gänge empfiengen; welche auchnach der Art und Beschaffenheit der Erde, wodurch erdeute Gänge hinreichen, bewannt seye.Allermassen in etlichen Höhlen ein Stein=machender und selbigen Orten eigenthumlicher Safftsich findet / der alles in Stein verwandelt: Andere Höhlen hergegen geben einen verwunderli-chen Gewürtz=Geruch von sich; andere aber seynd wiederum mit anderen Kräfften begabenLeyfr. in Seyfried thut Meldung von einer gewissen Höhle / welche einen zimlichen Raum in sich begreif-Medull. fen / und allda drey grosse See seyn sollen / woraus eine Gesund-Erde / wie auch Thier-Beine /die wider vielerley Kranckheiten dienlich seyen / ausgegraben werden. Kircherus beschreibtmirab.ebenfalls eine sehr verwunderliche Höhle / sonsten Grotta delli Serpi genannt / folgender gestal-Kirch. in ten: Die Grotte, so etwa zwey Menschen fassen kan, ist mit vielen Löchern, wie ein Sieb,art. magn. durchbrochen; aus welchen alle Jahr zu Anfang des Frühlings eine Menge bunter / jedoch un-I. 3. p. 7. gifftiger Schlangen hervor zu kriechen pflegen. Wann nun Aussätzige / Gichtbrüchige / Poda-c.4. §.2. grische / Lahme / und mit dergleichen unheilbaren Gebrechen behafftete Leute sich nackend da hin-ein begeben / und von der Hitze der unterirrdischen Dämpffen zum Schweiß gebracht / auch vondenen herauskriechenden und ihren krancken Leib gantz umschlingenden Schlangen gelecket wer-den; so solle hierdurch alle schädliche Feuchtigkeit sich dergestalten verliehren, daß wer dieser Cu-eine Zeitlang sich bedienet, endlich seine Gesundheit vollkommlich wieder erlange. Von derHöhle St. Pauli auf der Insul Maltha ist bekannt, daß ihre Schnee-weisse Erde wider dasGifft die bewehrteste Artzney zu seyn gerühmet wird.Gleichwie aber etwelche Höhlen mit heilsamen Kräfften begabet seyn; also trifft man her-egen auch andere an / denen es an schädlichen Dämpffen nicht ermangelt. Eine solche findetsich zwischen Neapel und Puteolen, wo der Weg nach dem See nach dem Agnani gehet; da-Card. de von Cardanus schreibet / daß wer sich da hinein begebe / ungemeine Kopff=Schmertzen bekomme.subtil. I. In Phrygien nicht weit von der Stadt Hierapolis ist eine Erden-Klufft; aus der ein tödtlicherDunst auffsteiget, und alles, was hinzu nahet, alsbalden ersticket. Wann es keine Fabel ist,Olaus M. was Olaus Magnus erzehlet / so hat man sich darüber billich zu verwundern: Nemlich / naheHist. sept. bey der an dem Meer gelegnen Stadt Wiburg seye eine Höhle unter der Erde / welche eine soll.2.6.4.che Krafft habe / daß / wann man ein lebendiges Thier hinein werffe / ein so erschröcklicher Thonund Knall entstehe, daß die nechst=stehende fast darvor todt zu Boden fallen. Derohalben be-fiehlet der Stadthalter zur Zeit eines feindlichen Einfalls / daß die Unterthanen ihre Ohren mitWachs verstopffen / und sich in Keller und tieffe Ort verbergen sollen; er aber selbsten / nachdemer vorhero sich ebenmässig wohl verwahret / schmeist er ein Thier an einer Stange oder an einemStrick in die Höhle hinein: worauf alsbalden ein dermassen entsetzliches Gethön entstehet / daßdie Feinde von dem grausamen Knall betäubt wie das Schlacht=Vieh zu Boden fallen. Mansagt auch von der Puteolischen Höhle; selbige seye mit so dicken Dämpffen immerdar angefüllt /daß die dahin geworffene Thiere in einem Augenblick erstarren und sterben / gleichbalden aber /wann man sie in den nahe gelegnen See Agnani untertauchet / wieder zu sich selbsten kommenCard. de und lebendig werden. Dahero will Cardanus behaupten; die meisten unterirrdischen Höhlensubtil. 1.20 seyen voller gifftiger Dämpffe / und dahero denen Menschen schädlich:Dann wann ein sol-cher Dampff (seynd seine Wort) die Steine und härteste Felsen ausfressen kan, mit was Gewalt wird er nicht die Menschen selbsten angreiffen? Antzo zugeschweigen; daß die daselbstimmer still=stehende und unbewegte Lufft leichtlich eine Fäulnus gewinnen mag.Zum Dritten: Wie die vergifte und die gesunde Höhlen zu erkennen seyen? Antwort:Wann die Facklen entweder nicht brennen wollen / oder bald auslöschen / so ists ein Zeichen / daßdie Lufft mit tödtlichen Ausdünstungen starck geschwängert seye; dann die vergiffte Lufft last sichungern durch das Feuer reinigen: Deßwegen thut man nach des Cardani Rath sehr wohlwann man nicht in dergleichen Höhlen gehet. Hergegen seynd diejenige Höhlen gantz gesundund sicher, durch welche gesunde süsse Wasser lauffen; item wann ob denselben heilsame Kräu-ter und fruchtbahre Bäume wachsen. Sonsten entstehet auch öffters aus den unterirrdischenHöhlen eine Pest und ansteckende Seuche; wann nemlich ihre Eingänge durch ein Erdbebenerweitert / und so dann die faule / mit gifftigen mineralischen Eigenschafften verderbte Ausdün-stungen auf die Wurtzlen / Pflantzen / Gratz und Baum=Früchte ausgestossen werden; die her-nach, wann man sie zur Speiß genießt, das Geblüt anstecken, und zuletzt eine PestilentzischeSeuche verursachen.Zum Vierdten: Ob es in denen Höhlen Schnee / Eyß und Schlossen abgebe?antworte mit Ja: Und geschiehet dieses alsdann / wann die Dunste an dem kalten und mit sal-petrischen Geistern angefüllten obern Theil der Höhle anstossen und allda von der Kälte ehe sitzu Wasser werden / in Schneeflocken; wann sie aber sich in einen herabfallenben Regen auffge-löst haben / und ein kalter Wind darzu kommt / gar in Eyß und Schlossen sich verwandlen.Eben solches last sich wahrnehmen in der Höhle auf dem Soranischen Gebürge / welche mit Eyßgleich=