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Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
326
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Philosophische und Politische Beschreibungzugleich mit demselben; wiewohlen das Gethön wegen seiner Subtilheit und Geschwindigkeituns ehender und vor selbigem zu Ohren kommet. Allein / ist solches nicht dahin zu verstehen /als wann allezeit mit und bey dem Erdbeben zugleich ein Thon sich müsse hören lassen: Danner wird zuweilen vorher, und zwar alsdann vernommen, wann der Dunst durch die Erden-Höhlen fortzulauffen beginnet / aber noch nicht starck genug ist / selbige zu bewegen. Daherowird zu Napoli öffters ein Gebrumm aus dem Veluvio gehört / und folgt kein Erdbeben dar-auff: Dergleichen beobachtet man auch bey dem Berg Ætna, welcher manchmahl grausambrummet / ungeachtet die Erde dabey nicht erschüttert. Im übrigen ist gantz kein Zweiffel / daßwo die Erde zugleich bewegt werde / auch das Krachen und Gethon desto grösser seye.§. 2. Ermeldtes Gethön ist mannigfaltig und unterschiedlich. Weilen nemlich,nach des Aristotelis Bericht, der Wind so wohl wann er gestossen wird, als wann er selbstenstosset (welches letztere bey dem Erdbeben geschiehet) zerschiedene Thon von sich gibt. Deßwe-Pkn. I. 2. gen Plinius sehr wohl angemercket / wann er geschrieben:Beedes vor= und auch zugleich mitdem Erdbidem höret man ein erschröckliches Gethoͤn und Gebrumm / welches einem Gebrüllund Menschlichem Geschrey / oder einem Krachen und Geprassel der Waffen / nach Beschaffen-heit der es auffangenden Materi und Form, oder der Hohlen und Klüfften, durch die selbigeslaufft sich vergleichet: Dann wie bey denen Menschen der Unterschied ihrer Stimmen undSprachen von der unterschiedlichen Bereitung und Eigenschafft der Kehle und Lufft=Röhre;nicht minder von der Menge der Lufft oder Athems / so ausgebauchet wird / herkommet; eben al-so entstehet auch bey dem Erdbeben ein unterschiedliches Gethoͤn so wohl wegen der mannigfal-tigen Form der Höhlen und Klüfften / wodurch es fortgeht; als wegen der Beschaffenheit derMateri / die Anstoß und Gewalt leidet / und dann wegen der grossen Menge des Luffts oder derAusdünstungen. Woraus demnach der Schluß zu machen; daß weite und breite Höhlen oderGänge einen ungeheuren grossen; kleine und enge einen schwachen; krumme einen ungleichen;nasse einen rauhen und gleichsam haisern; trockne einen starcken / und glatte einen klaren undhellen Thon von sich geben.3. Dem Erdbeben seynd die sehr warme Gegenden / gleichwie Egypten / weilendie Dünste durch die allzu grosse Hitze alsbalden vertrieben werden; item die sehr kalte Oerter /als die Nord=Länder / weilen in den unterirrdischen Gängen wegen der allzu strengen Kältenicht leichtlich einige Dämpffe auffsteigen können / nicht viel; und dann die sandige und lai-mige Ort / weilen an denselbigen keine Höhlen befindlich / gar selten unterworffen: Ich sageaber / was diese letztere betrifft / gar selten: dann es seynd die Nord=Gegenden keines weges vonallen Erdbidmen durchaus befreyet; gestalten Anno 1572. wie auch nach des KeckermanniKeckerm.Erzehlung / Anno 1601. den 6. Jenner in Preussen das Erdbeben an vielen so ansehnlichen alsin Con-geringen Gebäuden unbeschreiblichen Schaden gethan; dergleichen man ebenfalls in Pohlen /tempt. deSchweden und Dännemarck solle erlitten haben; und berichtet Seneca, daß auch einsmahls interra motSenec. l.6. Egypten ein Erdbidem sich verspühren lassen.§. 4. Hergegen seynd die Erdbidem sehr gemein / Erstlich; an schwammichtennat. quæstilucken und hohlen Orten: Dann wann die Erde luck und gleichsam voller Löcher ist, sosammlen sich viel Winde oder Dunste in solchen Höhlen zusammen; welche hernach / indem siedurch ersagte Höhlen fortschleichen / die Erde erschüttern. Dieses ist offenbahr in PhrygienJabien / Carien / Lydien und vielen andern Ländern / die einen hohlen und löcherichten Bodenhaben / zu sehen. Und eben deßwegen spühret man auf den Geburgen viel öffters ein Erdbeben / als in denen Gründen; weilen nemlichen in diesen letztern nicht so viel Höhlen / als auf denBergen anzutreffen seynd. Jedoch geschiehet es auch nicht selten / daß gewisser Ursachen halberan niedrigen Orten und in den Grunden sich ein Erdbidem erzeiget. Allein / zu obgedachtenHöhlen muß kein offner Eingang / dadurch die erregte Dünste heraus dringen könten; vorhan-den seyn; sonsten / wann die Dunste und Winde freyen Paß haben / hat man sich eines Erdbe-bens nicht zu besorgen: dahero man zu Rom davon fast gar nichts zu sagen weiß; angesehender Boden daselbsten innwendig hohl; und auch allenthalben mit offenen Ausgängen versehenist. Zweytens; An salpetrischen / schweflichten und oͤhlichten Orten pflegen auch gernErdbidem sich zu ergeben: Weilen allda / die mit Dämpffen und Ausdünstungen geschwän-gerte Lufft / oder sonsten irgend ein Feuerfuncken (als zum Exempel / wan man von dem obern Thei-der Höhlen, Stein=und Felsen=Stuck auf den Boden herab fallen) entzündet wird: Da dannsolche Lufft, so bald sie sich erwärmet, subtil und dünne wird, und die Wände ihres Kerckers,indem der Raum zu ihrem Auffenthalt zu enge ist / entzwey reisset. Und eben dieses hat manauch von denen Gegenden zu urtheilen, wo warme Bäder entspringen, wie in der LandschafftCampanien / und in Sicilien / allwo die Feuer=speyende Berge stetshin grosse Flammen=Wolckenvon sich ausstossen. Fromondus berichtet / daß die Flandrischen oder Terzerische Insuln fastall=jährlich von einem Erdbidem beunruhiget seyen / und alsdann die nechste Lufft umher gleich-