Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
323
Einzelbild herunterladen
 

der in der obern Lufft erzeugten Dinge.Die zehende Würckung: Oeffters fähret zugleich mit dem Erdbeben ein Feuer oderFlamme hervor; weilen die schweflichte Materi von der Bewegung der Erden / oder auf andereoben angeführte Weiß sich entzündet / ingleichem Aschen und Feuer=Funcken / als Uberbleibselnder in der Erden verbrannten Materien; nicht minder grosse Steine und Felsen=Stücke mittelstder grausamen Gewalt des eingesperrten Winds ausspeyet und von sich wirfft. Im siebendenJahr der Regierung des Kaysers Justini Thracis, wie Cedrenus in desselben Lebens=Beschrei-bung erzehlet / ist die Stadt Antiochia von einem Erdbeben und Feuer zugleich jämmerlich ver-wüstet worden. Item / Anno 1631. hat das Erdbeben / auf welches des Vesuvii Entzündunggesolget ein erschreckliches Elend angerichtet; indem nebenst Ergiessung gantzer Feuer=Bäche,neuer Quellen / und Pech=Pfützen / die völlige Lufft umher mit Rauch / Aschen=Regen / und ausge-worffenen grossen Steinen / laut des Kircheri Bericht / angefüllet worden.Die eylffte Würckung: Zu Zeiten eines Erdbebens laufft bißweilen das Meer wiederdie Natur vom Uffer ab, und hernach mit einem desto grössern Gewalt von neuem dahin an:Dessen Ursach halte ich davor seye fürnemlich diese, daß der Meer-Grund bald von dem Erd-beben niedergetruckt / bald aber wieder in die Höhe getrieben wird. Im Jahr Christi 365. den Sigon. l.7.1. August ist das Meer mit seinen Wellen dergestalten zuruck gewichen und abgeloffen / daß die Imo. Oc-entsetzlich tieffe Gründe und hohe Berge von der Sonnen haben bescheint werden können: in-dem aber die Leute in Schiffen hin und wieder auf den hinterbliebnen Wassern herum fuhrenund Fische fingen / kamen die Meer=Wasser unvermuthet wieder angedrungen / und nahmen ihrealte Gräntzen ein: wodurch dann geschehen / daß sie hefftig an die Insuln und Vorgebürge desfesten Lands anstiessen / unzehlich viel Gebäude bedeckten / viel tausend Menschen ersäufften / unddie Schiffe selbsten theils an die Gipffel der Häuser verwurffen / theils auch weit vom Land in dieSee hinaus trieben.Die zwölffte Würckung: Auf ein Erdbeben stellen sich gemeiniglich PestilentzialischeSeuchen und Kranckheiten ein. Die Ursache ist, weilen zu Zeiten einige faule und vergifsteDünste aus der lang eingesperrten und zuruck gehaltnen Lufft heraus kommen; die da mit ihrerifftigen Eigenschafft die aussere Lufft anstecken / welche hernach / wann sie von den Menschen ein-ezogen wird / leichtlich bey selbigen eine Seuche verursachet: wiewohlen überdiß dergleichenzünste nicht nur die Lufft, sondern auch das Wasser, dessen man doch nicht entbehrenkan / zu verunreinigen pflegen. Seneca bezeuget / daß in der Pompejanischen Landschafft durch Sen. I. 6.ein Erdbeben eine Heerd von sechs hundert Schaafen getödtet worden; weilen nemlich die quastnat-Schaafe / so da einer zarten Natur seynd / und ihre Köpffe nahe gegen der Erden tragen / die giff-tige Dämpffe gleichbalden an sich gezogen. Im Jahr 319 / nach Erbauung der Stadt Romist auf ein Erdbeben eine so erschröckliche Pestilentz eingerissen / daß binnen drey Jahren (dannso lang hat selbige angehalten) 300000. Menschen daran gestorben. Im Jahr Christi 801.worinn Carolus Magnus den Roͤmischen Zepter uberkommen / ward Ober⸗Teutschland / und in-sonderheit der Rhein=Strohm von einem hefftigen Erdbeben verunruhiget; worauff hernacheine grosse Pest gefolget / dadurch Teutschland und andere Länder erschröcklich verödet worden.Fragt sichs: Ob man auch ein Erdbeben durch Kunst zuwegen bringen könne? Ichantworte mit Ja: und stelle zu unverwerfflichen Zeugen vor diejenige feste Wälle und Mau-ren, so bey gegenwärtigem Krieg durch die angezündte Minen in die Lufft geschickt und der Er-den gleich gemacht worden. Wie man aber solches zu Werck richten solle, das ist bey demHonor.Honorato Fabri nachzusehen.FabriTract. 6.Politische Schluß=Rede.l.2. prop.Menschliche Kräfften seynd nichts / ohne GOtt.Ir suchen entweder bey mächtigen Personen einen versicherten Schutz; oder aber ge-trauen uns selbsten / mit eignen Flügeln zufliegen. Achilles vermeinte / hinter seinemSchild sicher genug zu stehen; und der Ajax verliesse sich so sehr auf seine eigene Tapf-ferkeit / daß er sich nicht scheuete / seinem Vatter Telamoni unter die Augen zu sagen: er vermögeohne GOttes Hülffe zu siegen; allein, da er durch sein eigen Schwerd gefallen, muste er dieWahrheit lernen; dahero Euripides schreibt: Ein General erlange keinen Sieg ohne der Göt=Enrip. inter Willen. Alles kommet her aus dem unendlichen Abgrund der Gottheit; alles hat derselben Erechtes.sein Wesen und Würckung zu dancken. An eben dem Ort / wo die Fische erziehlet werden / ha-ben sie auch ihre Nahrung; und das Meer führet eben die Schiffe nach dem Uffer / denen selbi-ges zuweilen seinen Rucken unterziehet. Aber gleichwie die See betrieglich / und wegen ihrerinnerlichen Wirbeln sehr gefährlich ist; also verschlucket sie die Wasser / und sauget sie durch un-e Gänge in sich: da dann die Schiffe auf dem Trocknen sitzen / und die Fische ihreterirrdiFlossenSs 2