Philosophische und Politische Beschreibungverursachet. Auf solche Art solle der Berg Modernus bey dem See Avernus entstanden; undgleichfalls neue Insuln durch das Erdbeben in dem Archipelago, und dem Atlantischen Oceanerwachsen seyn: wiewohlen durch eine so mächtige Beb- und Bewegung öffters eine grosseMenge Aschen / Stein / Bimbsen und so fort / meistens entweder aus dem alten oder einen neu-en Schlund und Lufft-Loch ausgeworffen werden / daß sie sich gleichsam zu einem Berg anzu-häuffen pflegen. Manchmals aber ereignen sich auch neue Insuln, wann ein Theil von demfesten Land daran es bißhero gehangen / abgerissen / und in das Meer gestossen wird; inmassenPlin. I. 3. Plinius vorgibt; die Insul Prochytas seye daher entstanden / daß die Berge durch die Erdbebun-gen anderwertshin geschoben worden: dann solchergestalten / sagt er / pflegt die Natur auch dieInsulen zumachen; und eben so hat sich Sicilien von Italien / Eubaea von Beeotien, Leucosiavon der Syrenen Vorgebürge abgerissen.Die sechste Würckung: Durch das Erdbidem schwällt sich das Meer auf; hergegenaber verliehrt dasselbe zuweilen seine Wasser, und wird gantz trocken, so daß die Fische auf demSande zapplen / und die Schiffe auf dem Grund sitzen bleiben. Das Erste kommt daher / daßdas Meer durch den häuffigen Dunst über sich getrieben; ja der Grund selbsten des Meers indie Höhe gehoben wird; daß demnach die Wasser zu beeden Seiten ablauffen, und das festeLand überschwemmen müssen. Deßwegen es dann einsmals geschehen, daß, da des FlussesTagi Rinnsaal / oder vielmehr desselben Grund von einem Erdbidem über sich gestossen worden /die Wasser zu beeden Seiten ausgeflossen / und in der Mitte nicht ohne Erstaunung deren / so esgesehen / ein trocken Land hinterlassen haben. In der zwischen den zwey Vulcanischen Insuln /Euonymum und Hieram befindlichen Gegend seynd die Meers=Wellen einsmahls dermassenin die Höhe gestiegen / daß sie wie hohe Berge geschienen; die folglich sich über das feste Land er-gossen / und durch ihre unversehene Überschwemmung des Tryphonis Kriegs=Heer gäntzlichvertilget. Das Andere aber entstehet daraus, daß, wann die unterirrdische Höhlen und Klüff-ten einsincken / die in einen solchen Abgrund verschiessende Wasser sich verliehren / und eine der-gleichen Gegend ins Trockne setzen; eben wie es vor Zeiten dem M. Antonio, und P. Dolobel-la, beeden Römischen Burgermeistern / begegnet ist; als zu Ostia wegen des ablauffenden Meer-Wassers die Fische auf dem trocknen Grund liegen geblieben: Welches auch bey dem Erdbi-dem / so unter Kayser Theodosio gewesen und ob dem gantzen Erdboden unbeschreiblichen Scha-den und Noth angerichtet / denen aufm Meer gehenden Schiffen widerfahren / daß sie nemlichauf den Grund gesessen / und nicht mehr fortseeglen können.Die siebende Würckung: Durch das Erdbeben werden Berge / Gebäude und Erdstrichanderwertshin versetzt: So daher rühren mag, daß / wann der eingesperrte / und vielleicht auchentzündte Dunst einen Berg mit Gewalt in die Höhe hebet / dieser letztere so dann auf einen an-dern Ort auf die Art zuruck fället / wie etwa die Mauren und Pasteyen / wann man sie durchMinen in die Höhe sprengt / auch wiederum auf einen andern Ort zu fallen kommen. Aus demNierenbergio ist bekannt / daß sich dergleichen in dem neuen Granalensischen Königreich bege-Niernbben; indeme ein starckes Erdbidem einen Berg abgerissen / und ihn / wie einen Stein / durch diel. 16. hist.Lufft an einen andern von seinem vorigen weit entfernctem Ort geworffen: So solle nicht we-nat. c.niger Anno 1116. ein Dorff von dem Erdbeben auffgehebt worden / und an einen andern abge-Bonv. l. 6. legnen Ort gleichsam hinüber geflogen seyn; wie Bonvisius erzehlet.Die achte Würckung: Es entspringen neue Wasser=Quellen / Bronen / Seen / und Flüs-se; und trocknen hergegen auch die alte wiederum ein. Die Ursache ist / weilen / indeme die Er-de beweget wird, die Wasser-Gänge sich verstopffen, oder eröffnen, und also etliche Bron=Quel-len versiegen / andere aber von neuem hervor kommen. In Arcadien solle der Fluß Padondurch ein Erdbidem entsprungen; und in dem Mithridatischen Krieg nahe bey der PhrygischenStadt Apamea aus dem erschutterten Boden neue See und Bronnen heraus gedrungen / her-gegen etwelche alte verstopffet worden seyn.Die neunte Würckung: Nach einem Erdbidem werden manchmahlen die kalte Wasserwarm / und die warme kalt: Ohne Zweiffel dahero / weilen etwa / wann die Erd=Gänge zerrüttetworden, die warme Wasser mit den kalten, und die kalte mit den warmen sich vermischen, odersonsten ihren ordinari-Lauff verändern; also daß die warme Wasser durch kalte/ und die kaltedurch schwefflichte und warme Oerter fliessen / mithin die kalte warm / und die warme kalt wer-den können: Oder aber auch darum, weilen entweder neben solchen Wassern ein neues Feuersich angezündet hat / wodurch dieselbe erwärmet werden; oder das alte Feuer ausgelöschet ist /daß sie keine Hitze mehr haben / und also erkalten müssen / Kircherus berichtet / daß in derjeni-gen Gegend auf dem Pyreneischen Gebürge, wo es ungemein viele warme Bäder abgegebenderselben etliche / nachdem solcher Berg durch ein Erdbidem erschüttert worden / ungeachtet sievorhin siedheiß gewesen / darauf so Eyß=kalt worden seyen / daß man sich ihrer nicht weiters mehrbedienen können.
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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322
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