der in der obern Lufft erzeugten Dinge.500. Häuser umgekehrt; wie auch Anno 1570. fast gantz Ferrara zu einem Stein=Hauffen ge-macht worden. Als Trajanus regierte / seynd bey nahem alle Häuser gleichsam zu Staub ver-fallen; und hat der Fürst selbsten / so eben allda im Winter=Quartier gelegen / sich mit genauerMüh durch ein Fenster gerettet. Unter dem Kayser Tito seynd durch das Erdbeben in der Land-chafft Campanien zwey Städte / Herculanum und Pompejus, als eben das Volck den Schau-Spielen zugesehen / gäntzlich untergangen. So berichtet auch Eusebius in seiner Chronica /daß im fünfften Jahr Kaysers Tiberii viel Städte in Asien versuncken: und endlichen ist un-längsten / nemlich Anno 1693. den 11. Jenner / die Insel Sicilien von dem Erdbeben so erschröck-lich erschüttert worden, daß drey Stund vor der Sonnen Niedergang und zwar binnen einerhalben viertel Stund zehen schöne Städte, viertzig gemaurte Flecken, Castelle und Schlösser,und mehr daß hundert Dörffer über einen Hauffen gefallen / mithin etlich hundert tausend Menschendabey ihr Grab gefunden. Hoch verwunderlich aber ist es, daß, da in der Haupt-Kirche zuCatana bey zehen tausend Menschen / so auf den Seegen des heiligen Sacraments gewartet /lebendig in die Erde versuncken / der einige Priester / der bey dem Altar gestanden / und dem Volckmit gedachtem Sacrament den Seegen geben wollen; ingleichem vier hundert andere Perso-nen / welche in der St. Agathen=Capell GOtt um Hülff angeruffen / unverletzt geblieben seynd.Hier könnte man fragen: Ob die Gewölber wider das Erdbeben tauglich seyen? Pliniuszt ja darzu; Keckermannus aber widerspricht ihme. Und ich halte darfur / man müsse diß-als einen Unterschied machen: dann wann die Erde gerad gegen der Mitte des Gewölbs alsoüber sich gehoben wird / daß sie einen doppelten Hügel / oder Rucken vorstellt / so muß ausser al-lem Zweiffel das Gewölb / weil es durchaus nicht wiederstehen kan / stürtzen und fallen; welchesaber nicht geschiehet / wann die Erde untersincket; dann solcher gestalten können die zusammengefügte mittlere Mauren des Gewölbs einander halten / und einfolglich stehen bleiben.Die zweyte Würckung: Zuweilen wird die Erde durch das Beben gleichsam in einenCreyß herumgedreht / und an einen andren Ort hinversetzt: welches sich alsdann begibt, wannein unterirrdischer Wirbel=Wind die dichte Erde in andere gegen über befindliche Oerter wirfftund treibet; gestalten dieser eingeschlossene Dunst Circkel=weiß wie ein Wirbel=Wind fortdrin-get. Dessen Gleichnus last sich an den Blättern des Buchßbaums absehen / die von dem ein-gesperrten Dunst / so balden er eine Wärme verspührt / in einen Ring umgetrieben werden; wiedann auch die spielende Kinder sich darmit zu ergötzen pflegen. Und hat sich dergleichen in demletzten Jahr des Kaysers Neronis, nach des Plinii Bericht / auf dem Marrucinischen Gebiet mit Plin. I. 2.einigen Wiesen und Oel=Bäumen zugetragen: die über die vorbeygehende Land=Straß hinüber c. 33.an einen andern Ort gerucket wordenDie dritte Würckung: Offt scheinet es als wan die Häuser, oder auch die Berge durcheinen widrigen Gewalt aneinander stiessen; da nemlich zwey einander begegnende Winde andas zwischen liegende anschlagen. Dieses nun kan wohl bißweilen ohne Schaden geschehen;wann eine Bewegung sich der andern widersetzet; öffters aber ist auch grosses Unheil dabey zugewarten / wann die Berge / in deren Mitten sich hohle Klüfften finden / dergestalten gegen undauf einander zu stürmen / daß sie alles / was darzwischen lieget / vernichten: Dann also ist es / wiePlinius an obangezognem Ort beybringet / in dem Mulicensischen Gebiet geschehen; da zweyBerge mit erschröcklichem Krachen an einander hingefahrn / und wiederum von einander gewi-chen; alle darzwischen liegende Dörffer und Flecken aber, wie auch sehr viel Thiere dardurchzerquetscht und verderbt worden.Die vierdte Würckung: Zu Zeiten reist die Erde weit und breit auf / öffnet einen entsetz-lich tieffen Abgrund / verschlingt Städte / Dörffer / Schlösser / ja manchmahlen gantze Landstriche /und schliest sich wieder also zu / daß man von dem / was allda gestanden / nicht die geringste Spuhr-vermercket. Die Ursache ist / weilen der innere ausgefressene Raum eine dermassen grosse Weitebegreifft / daß selbiger bey Abgang eines festen Grunds gantze einfallende Berge in sich fassenkan: Solcher tieffe Abgrund aber füllet sich darum hernach wieder ein / weilen die dorten um-liegende Gegend von allen Seiten her abwerts fällt / und die Oeffnung wieder zuschliesse, jedochanbey ein Thal hinterlaßt. Auf solche Weiß seynd laut des vierdten Buchs Mose und dessen16ten Capitels / Core / Dathan und Abiran / als sie das Volck GOttes wider Mosen und Aaronauffgewigelt hatten, von der entzwey reissenden Erde mit aller ihrer Haab und Gut verschlun-gen worden: Und eben also ist es offt auch vielen Staͤdten / wann wir den Geschicht=Schreibernlauben / als zum Exempel einer in der Insul Ænaria, einer andern in Eubea, in Thracien, inPhœnicien, und anderswo noch mehr andern ergangen.Die fünffte Würckung: Unterweilen kommen Hügel und Berge, ja neue In-seln in dem Meer hervor; welches daher rühret, daß der eingeschlossene Dunst die Erde aufdie Weise in die Höhe hebet, wie er bey einem Thier das Fleisch auffblaset; und also deßwegen /weil er die Erde nicht durchzubrechen vermag / auf derselben die Berge / und im Meer die Insulnverur⸗
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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321
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