Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
320
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Philosophische und Politische Beschreibungwesen. In eben der Stund, da wir ins Leben tretten, werden wir dem Todt gewidmet.Kein Mensch hat noch jemals des Wegs zu dem Grab verfehlet. Epictetus urtheiletwohl / wann er schreibt: Wir saugen aus einer Brust das Leben und den Todt. Dann dieCie. Cat. Natur (so redet Cicero) hat uns hier nur eine Herberge zum Nachtlager / und nicht einen Ortzur beständigen Wohnung bereitet. Der Unterscheid unter uns Menschen zeiget sich nur beyunserer Lebens=Zeit; wann wir aber aus derselbigen gehen / so seynd wir einander alle gleich.Jedermann kan dem Menschen das Leben, aber niemand den Todt nehmen. Wie nun? Sollman derowegen den Todt förchten? keines wegs. Jedoch welchergestalten du solches zu WerckSente. ep. richten könnest / das vernimme von dem Seneca: „Damit du dich niemahlen, vor dem Todt„niemahlen entsetzen moͤgest / so gedencke nur allzeit an den Todt. Dann demjenigen fällt derTodt beschwerlich, welcher also stirbt, daß er allenthalben zwar berühmt worden, sich aber selb-sten nicht erkennet hat. Und auf solche Weiß hat der Papst Innocentius IX. sich stetswäh-rend des Todts erinnert: Inmassen er niemahl etwas geschlossen / er habe dann zuvor etwel-che Gemählde / deren daß eine einen Todten=Kopff, und gantzes Geripp eines verstorbnen Men-schen, und das andere eine Leich=Begängnus vorgestellet, angeschaut und betrachtet: Daheres auch gekommen / daß er alle seine Thaten und Handlungen nach dem Göttlichen Gesetze genau vollführet. Nicht anders machte es auch Kayser Maximilianus I.; welcher alle Tag ge-storben, damit er nicht ohne Todts-Erinnerung sterben möchte: Ja er achtete alles was er umsich hatte / nicht für sein eigen; und glaubte / daß ein jeder Tag der letzte seines Lebens seyn wer-de: Derowegen / auf daß die Sterblichkeit ihme nicht einen einigen Augenblick aus den Gedan-cken verfiele, so pflegte er allenthalben einen aus Eichen Holtz verfertigten Todten-Sarck mitsich herumzuführen / und diese Ermahnung dabey an sich selbsten zu thun: Gedencke an dasJust. Lips. Sterben: was breitestu dich aus? warum besitzestu viel? warum begehrestu noch mehrers?l. 2. mon. wem so viel Königreiche und Länder nicht genug seyn / den wird endlich dieser Sarck beschliessenpold. d. 14. und einnehmen. Carolus V. eines so tapffern Groß=Vatters würdiger Enckel / hat eben der-gleichen gethan; und die Betrachtung des Todes so viel Reichen und Provinzien / da er die Re-gierung freywillig von sich geleget, darum vorgezogen, damit er sich derselben eintzig und alleinergeben könte. Ebe das nun hat auch ein rechtschaffner Politicus zu thun: Er muß in seinemLeben allzeit sterben / auf daß er / wann er gestorben / allzeit leben möge.Solum superest sepulchrum.Von aller HaabBleibt nur das Grab.Emota & casas absorbet & atria terra;Communem tumbam cum lare turris habet.Aequat sceptra pedo mors, & diadema ligoni:Sic dominum ut servum parvula gleba tegit.Die Erde / wann sie berst / und von Erbebung reisset /Verschlingt des Königs Schloß / gleichwie des Bauren Hauß:Der Sturtz / so beyde trifft / und in den Abgrund schmeisset /Nimmt weder Kostbarkeit noch andre Schönheit aus.Der Todt pflegt Kron und Pflug mit gleichem Grimm zu biegen:Ihm müssen Herr und Knecht in einer Grube liegen.Die III. Frage.Von den Würckungen des Erdbebens.As Erdbeben hat unterschiedliche Würckungen: Die Erste ist; daß sie Häuserund Gebäude nieder wirfft; indem nemlichen entweder das Fundament derselben un-tersincket / oder die Wände aus der geraden Lini weichen / und daher nicht mehr stehenkönnen; oder durch einen gewaltsamen Stoß umgestürtzet werden. Von dergleichenEinfall seynd Anno 1509. dreyzehen tausend Menschen bedecket; item Anno 1531. zu Lysabon