der in der obern Lufft erzeugten Dinge.Wir werden auch so dann / wann sie verflogen /Fort in die graue Ewigkeit gezogen.Der blinde beinern Tyrann des Menschlichen Geschlechts fragt nichts nach Purpur und Kron;er achtet nicht die Majestät des Scepters; er hauet mit seiner Sense ohne Unterscheid König-und Bauren-Häupter ab; er läst sich weder durch bitten noch flehen bewegen; weil er taub ist.Der Todt machet alle Menschen gleich: Wir werden zwar gebohren auf ungleiche-sterben aberauf gleiche Weise. Der grosse GOtt machet unter uns wegen der Geburth und berühmten Senec. ep.Nahmens keinen Unterschied / als nur so lang wir leben. Du sitzest zwar auf einem hohenThron / und herrschest über das Volck; aber nur eine Zeitlang; dann in kurtzem wirstu in demGrab dem armen Codro gleichen.Mors ſceptra ligonibus æquat.Claud.Sap. 7.Es greifft der Todt den König an-Gleichwie den ärmsten Bauers-Mann.Wir haben alle mit einander einerley Eingang in das Leben / und auch wiederum einen gleichenAusgang aus demselben; ist der Ausspruch eines weisen Manns. Dannenhero kan nichtemehrers den Hochmuth dämpffen / als wann man stetigs an die Sterblichkeit gedenckt. Dannobschon das Gemüth wegen Besitzung grosser Reich und Länder sich auffblähet und ausbreitet;so wird selbiges doch von der Todten=Bahr in die Enge eingeschränckt. Bekannt ists / daß eineKron nur ein gelehntes Gut ist, so man seinen Nachkommen wieder abzutretten hat. Wie solteder Purpur einen Menschen zum Hochmuth verleiten können, da er weist, daß er selbigen baldmit einem Sterb=Kittel verwechßlen muß? Wie solte ein mit Gold und Silber angefüllterSchatz=Kasten das Gemüth vergnügen mögen / wovon man nicht einmahl einen einigen Pfen-ig mit sich in das Grab bringet? Schaue den Alexander an / den grossen Welt=Bezwinger;wie er so herrlich und berühmt worden, und bey ihme aller Könige und Fürsten Glückseeligkeitzusammen geflossen? Indessen aber hat er / indem er alles überwunden / doch den einigen Todtnicht besiegen können; und ist vielmehr mit der gantzen Welt Raub selbsten ein Raub des Todtsworden. Von aller Haab ist ihme nur das Grab verblieben; wiewohl er auch desselben eineZeitlang entbehren müssen; gestalten seine Mutter Olympias hierüber häuffige Thränen ver-gossen / und in diese bittere Klag-Wort ausgebrochen: Ach / mein Sohn! Du must / der du zu Lycosth.vor unter die Götter woltest gerechnet seyn, und darnach aus aller Macht gestrebet hast, anitzo ex Eliam.dessen ermanglen / so doch allen Sterblichen angedeyhet; nemlichen der Erden und des Grabs. 15. var.O unerhörte Veränderung des Menschlichen Glückes! Wer wolte sich nun gern für groß und c. 10.mächtig achten / nachdem er den Alexander so klein und verachtet erblickt? Dahero sagt derRömische Sitten=Lehrer Seneca, sehr wohl: Nichts lehret besser in allen Dingen Maaß zuSenec. ep.halten / als so man öffters an dieses kurtze und ungewisse Leben gedencket. Zu dem Ende haben 25.auch die Römer im Gebrauch gehabt, daß sie neben dem im Triumph einziehenden Siegerauf dem Triumph=Wagen jemanden stehen liessen / der demselben immerdar von hinten her zu-ruffen muste: Schaue hinter dich; und dencke, daß du ein Mensch bist. Welchen heilsamenGebrauch ihnen der Macedonische Philippus abgelernet; und demnach / als er die Athenienser ex Elian.überwunden, sich aber selbsten besorget, er möchte durch sothanes Glück seiner vergessen, und8. var.sich dessen überheben / des Tags sich dreymahl mittelst dieses Zuruffs: O Philippe! du bist ein c.p.Mensch; gedencke daß du sterben müssest / rc. der Sterblichkeit erinnern lassen. Dann die Herr-lichkeit unsers gantzen Lebens / ist ein Dampff / welcher durch ein leichtes Lüfftlein aus der Erdenin die Höhe gehoben wird / und bald wieder dahin zuruck fället. Rancatus hat den Todt / oderdas unvermeidliche Ende des Glücks und der Herrlichkeit nicht unfein in diesem Sinn=BilMund.vorgestellt, daß er einen Aschen=Hauffen mahlen / und darüber schreiben lassen: Dencke alle Au-genblick hier an. Bistu schon als ein König gebohren; so höre doch als ein Mensch. Saladi-nus, Sultan in Asien / Syrien und Egypten / wolte lange Zeit daran nicht gedencken / viel weni= cinel. I. 2.ger es erkennen: Endlichen aber, da er sterben solte, muste er gestehen, daß er ein Mensch seyeund befahl / daß man sein Hembd an eine lange Stange binden / und anstatt des Leich=Geprängsdurch das gantze Lager herum tragen, auch darbey ausruffen solle: Dieses einige Hembd istdem Saladin von allen Schätzen des Orients übrig geblieben. Ein Politicus hat sich öfftersdieses Grab=Tuch vor Augen zu legen / und allen Königlichen Pracht für ein leeres Geschwatz zuhalten. Dann es ist doch unser Leben nur eine Comoͤdi / daran der Todt den Beschluß machet.Wie demnach ein Comoͤdi / also ist auch unser Leben beschaffen; indem man nicht darauf siehet,wie lang selbige gewähret / sondern ob sie wohl gespiehlet worden. Dann ists auch etwas neues /wann ein Mensch stirbet? dessen gantzes Leben nichts anders / als eine Reise nach dem Todt ge-weſen.
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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319
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